Deutsche Bahn
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Leuchtender Bahnsteig

Ob ihr wirklich richtig steht, seht ihr wenn das Licht angeht!

Wenn Fahrgäste ab Mitte Dezember 2017 am Bahnsteig 2 in Stuttgart-Bad Cannstatt auf die S-Bahnen der Linien 1, 2 und 3 warten, sehen sie bunte Lichter blinken. Leuchtende Symbole zeigen bereits kurz vor der Einfahrt des nächsten Zuges den Halteplatz der Züge und die Türpositionen an. Die Fahrgäste stehen damit am Bahnsteig immer an der richtigen Stelle, das Einsteigen geht zügiger und die S-Bahn kann pünktlicher abfahren.

In einem sechsmonatigen Pilotbetrieb testet die Deutsche Bahn bei der S-Bahn Stuttgart die bundesweit erste dynamische Wegeleitung mit Leuchtstreifen. Die innovative Lösung basiert auf im Bahnsteig verlegten Lichtfaserbeton des Berliner Start-ups SIUT

Im Bahnsteig am Gleis 2 in Bad Cannstatt wird auf rund 200 Metern Lichtfaserbeton hinter dem Sicherheitsstreifen, einen Meter von der Bahnsteigkante entfernt, eingebaut.

  • Der wartungsfreie Leuchtstreifen besteht aus 670, acht Zentimeter dicken und 30x30 Zentimeter großen Lichtfaserbeton-Platten, in die Lichtwellenleiter in spezieller Anordnung eingegossen sind.

    Maßskizze Lichtafserbetonplatten

  • Lichtfaserbeton enthält bis zu 15 verschiedene Komponenten. Diese ermöglichen, dass die Lichtfasersysteme sich mit dem Beton ohne Qualitätsverlust verbinden.
  • Auf ein in den Bahnsteig eingelassenes U-Profil werden die Lichtfaserbeton-Platten verlegt und verfugt. Die Plattenoberflächen sind so versiegelt, dass sie vor eindringendem Wasser, Verschmutzungen und Beschädigungen geschützt sind.
  • Unter jeder Lichtfaserbetonplatte ist ein kleiner Computer installiert, der digitale Signale senden und empfangen kann.
  • Die Elektronik setzt sich aus einer Steuerungsplatine und  einer LED-Platine zusammen, dreifach mit den Farben rot, grün und blau bestückt, die zu unterschiedlichen Mischfarben zusammengeschaltet werden können.
  • Jede einzelne Lichtfaserbetonplatte kann individuell  angesteuert werden.
  • Zugtyp und Zuglänge werden am Bahnhof vor Bad Cannstatt an eine zentrale Steuerungseinheit übermittelt. Diese verarbeitet die Informationen und leitet sie zur Darstellung der Zuglänge und Türpositionen an die Lichtfaserbetonplatten weiter.
  • Angezeigt werden können, statisch oder pulsierend, Symbole in den Farben weiß, gelb, rot und grün.
  • Die Haltepositionen der Zugarten  (Kurzzug, Normalzug und Langzug) werden durch eine statische gelbe Doppellinie angezeigt. In den Bahnsteigbereichen, die außerhalb der Halteposition des Zuges liegen, weisen weiße pulsierende Pfeile in Richtung Halteposition.
  • Die Türpositionen werden durch eine statische weiße Doppelpunktlinie markiert.

Bei hohem Verkehrsaufkommen kann es zu Verzögerungen bei der Zugabfertigung kommen.  

  • Fahrgäste verteilen sich an Bahnsteigen nicht immer gleichmäßig, sondern konzentrieren sich oft an den Bahnsteigzugängen. Das kann zu einem verzögerten Einstieg an stark frequentierten Zugtüren führen.
  • Bei Kurzzügen stehen Fahrgäste oft nicht dort am Bahnsteig, wo der Zug hält.
  • Zugzielanzeiger und Tafeln die die Halteposition Zuges am Bahnsteig markieren, erzeugen oft nicht genügend Aufmerksamkeit.
  • Längere Einstiegszeiten können sich auf die Pünktlichkeit auswirken.

 

Präsentation der innovativen Fahrgastlenkung am 5. Oktober 2017 auf der DB Produktkonferenz "Mobilität erleben" in Berlin

Leichter einen Sitzplatz finden

Ab Anfang 2018 soll die innovative Fahrgastlenkung durch Lichtfaserbeton auch die Auslastung einfahrender Züge in Echtzeit anzeigen. Die Kapazitätsanzeige basiert auf einer Auslastungsmessung des englischen Start-ups OpenCapacity. In zunächst drei Zügen werden datenschutzkonform aus den Videoaufzeichnungen in den Zügen Belegungsmuster erzeugt. Die Information, wie stark die einzelnen Wagen belegt sind, wird an die Bahnsteigkante übermittelt und in Ampellogik dargestellt.  

 

Das englische Start-up OpenCapacity entwickelt für DB Hard- und Software, die in Echtzeit aus Bildern der in den Zügen bestehenden Videoüberwachung die Auslastung der Wagen ermittelt. Die britischen Gründer nahmen 2016 am Netzwerk-Event „meet@mindbox“ der Deutschen Bahn teil.

  • Ein zusätzlicher Bordcomputer wird an das Videoüberwachungssystem in den S-Bahnen angeschlossen.
  • Der Rechner erfasst und bestimmt über angelernte Algorithmen in Echtzeit ein Belegungsmuster.
  • Daraus wird ein Besetzungsgrad  errechnet, an die Bahnsteigkante übermittelt, die mit roten, gelben und grünen Leuchtpunkten in Doppellinien in Echtzeit anzeigt, wie stark die Wagen ausgelastet sind.
  • Fahrgäste können so leichter einen Sitzplatz in weniger ausgelasteten Wagen finden. 
  • Personenbezogene Daten werden nicht erhoben.
  • Die Echtzeit-Auslastung sowie eine Auslastungsprognose sind in einer App abrufbar. Damit können Fahrgäste ihre Reise in weniger stark ausgelasteten Zügen planen.