Deutsche Bahn
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Was tut die Bahn gegen Baulärm?

Eine Reihe von Maßnahmen vermindern Belastung für Anwohner

Warum dauern die Bauarbeiten am Ostkreuz zehn Jahre? Warum muss Nachts gearbeitet werden? Was wird für die Anwohner getan? Wer erteilt die Genehmigungen für Nachtarbeiten? Antworten auf häufig gestellt Fragen finden Sie hier.

       

Das Ostkreuz ist der wichtigste Knotenpunkt im Berliner Nahverkehr. Zudem passieren die nachfragestärksten Regionalverkehrslinien das Ostkreuz. Internationale Fernzüge Richtung Warschau, ebenso wie die ICE-Züge der Deutschen Bahn auf dem Weg von und zum Wartungswerk Rummelsburg müssen durch das Ostkreuz. Dieser Bahnknoten kann nur bei laufendem Betrieb erneuert werden. Daher sind mehr als 50 einzelne Bauphasen notwendig, um Stück für Stück Platz für das neue Ostkreuz zu schaffen.

Eine Reihe von Arbeiten können nicht bei rollendem Zugverkehr ausgeführt werden. Denn, wo ein Zug fährt, kann nicht gearbeitet werden. Das Ein- und Ausbauen von Brücken, der Abbruch von Pfeilern direkt neben den Gleisen sind solche Arbeiten. Aber auch der Einsatz von Geräten, deren Schwenkbereich oder Logistik den Zugverkehr beeinträchtigt. So hat ein 17 Meter langes Großbohrgerät, mit dem bis zu 30 Meter tiefe Gründungen für die Brücken in den Bodern gebracht werden müssen, einen Aktionsradius von fünfeinhalb Metern. Vielfach reicht dafür der Platz zwischen den Gleisen aber nicht aus.

Also müssen Gleise für das Bauen gesperrt werden. Doch täglich passieren rund 330.000 Menschen aus Berlin und Brandenburg per Bahn das Ostkreuz, fast jeder ICE der DB, der in Berlin beginnt oder endet, muss auf dem Weg von und nach dem Wartungswerk in Rummelsburg durch das Ostkreuz. Daher gibt es ein übergordnetes Interesse daran, den Betrieb so wenig wie möglich zu unterbrechen. Damit bleiben für einige Arbeiten nur die verkehrsschwachen Zeiten oder die Zeiten der nächtlichen Betriebsruhe.

Maßgebliche Gesetze sind das Bundes-Immissionsschutzgesetz und das Landes-Immissionsschutzgesetz Berlin. Zudem gelten für die auf der Baustelle eingesetzten Geräte die Geräte- und Maschinenlärmschutz- verordnung (32. BimSchV) und die "Allgemeine Verwaltungsvorschrift zum Schutz gegen Baulärm" (AVV Baulärm).

Das Landesgesetz soll die Bürger vor vermeidbarem Lärm schützen. Besonders geschützt sind die Nachstunden von 22.00 Uhr bis 6.00 Uhr und die Sonn- sowie gesetzlichen Feiertage (6.00 Uhr bis 22.00 Uhr)

Von den Verboten des Landes-Immissionsschutzgesetzes können auf Antrag Ausnahmen widerruflich und mit Auflagen zum Schutze der Anwohner zugelassen werden. Zum Beispiel wenn das Vorhaben im Einzelfall Vorrang vor den Schutzinteressen haben muss. Zuständige Genehmigungsbehörde ist die Senatsverwaltung für Gesundheit, Umwelt und Verbraucherschutz.

Über die Bauzeit betrachtet, sind lärmintensive Nachtarbeiten zeitlich die Ausnahme. Allerdings müssen die Bauleute in bestimmten Bauphasen häufiger die Nacht zum Tage machen. So beim Abbruch oder Einschub von Brücken oder bei anderen Baumaßnahmen, die technisch und bahnbetrieblich ein längeres durchgehendes Arbeiten erfordern. "Ausnahmegenehmigung" der Behörde heißt: Hier wird eine Ausnahme von der gesetzlich bestimmten Ruhezeit zugelassen.

Für eine Ausnahmegenehmigung der Senatsverwaltung ist zunächst ein Antrag des Bauunternehmers erforderlich, in dem die notwendigen Arbeiten beschrieben und begründet werden. Zudem muss für den Antrag ermittelt werden, welche Lärmimissionen zu erwarten sind.

Die Senatsverwaltung hört die Betroffenen an, wägt die Schutzinteressen der Anwohner und die öffentlichen Interessen gegeneinander ab und trifft eine Entscheidung. Im Falle einer Genehmigung können Auflagen erteilt werden, beispielsweise zur Einsatzzeit der Maschinen, zur Anwoherninformation oder zur Bereitstellung von Ersatzschlafraum.

Die Bahn informiert regelmäßig aus erster Hand über Lärmwerte und Ausnahmegenehmigungen in Schaukästen am Bahnhof Ostkreuz sowie per Briefkasten mit Handzetteln über die bevorstehenden Arbeiten und deren Auswirkungen.

Selbstverständlich hat auch die DB ein Interesse an der Lärmvermeidung und Lärmminderung. Zum einen aus dem Interesse einer guten Nachbarschaft, zum anderen auch aus finanziellen Gründen. Muss beispielsweise in großem Umfang den Anwohnern Ersatzschlafraum angeboten werden, ist zum einen der damit verbundene Aufwand für die Anwohner eine zusätzliche Belastung, zum anderen sind für den Steuerzahler, der die Investitionen Ostkreuz finanziert, damit nicht unerhebliche Kosten verbunden. Allein im Sommer 2008 mussten 450 Übernachtungen organisiert werden.

Deshalb bot die DB beispielsweise an, planfestgestellte Schutzmaßnahmen gegen den Schienenverkehrslärm (z. B. Schallschutzfenster) bereits während der Bauzeit in den betroffenen Wohnungen einzubauen. Dies geht jedoch nicht ohne die Zustimmung der Hauseigentümer.

Zudem wurden am Ostkreuz Versuche mit mobilen, bauzeitlichen Lärmschutzwänden gemacht, die den Baumaschinenlärm zurückhalten sollen. Da solche Systeme auf Baustellen im Eisenbahnbetrieb nicht erfolgreich einsetzbar sind, entstand eine rund 80 Meter lange, sechs Meter hohe bauzeitliche Lärmschutzwand aus herkömmlichen Bauteilen errichtet.  

Direkt über Handzettel in den Hausbriefkasten, auf diesen Internet-Seiten sowie in der S-Bahn-Kundenzeitung "Punkt3" wird regelmäßig informiert. Schaukästen am Ostkreuz geben ebenfalls Auskunft. Zudem ist die DB regelmäßig Gast bei Veranstaltungen in den Stadtquartieren rund um das Ostkreuz. Über das OK-Telefon 030 2971 2973, die E-Mail-Adresse max.maulwurf@bahn.de oder im Info-Punkt am Ostkreuz (geöffnet immer dienstags 14 bis 19 Uhr) gibt es auch einen direkten Draht zur Projektleitung.