Deutsche Bahn
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Einst vor den Toren - heute mittendrin

Wechselvolle Geschichte begann als Station "Stralau-Rummelsburg"

In der 170-jährigen Geschichte der Eisenbahn am Ostkreuz hat die Station viele Veränderungen erlebt. Seit 2006 wird die Station, jahrzehntelang als "Rostkreuz" im Bewusstsein der Berliner, erstmals umfassend modernisiert.

Als am 23. Oktober 1842 die Niederschlesisch-Märkische Eisenbahn den Personenverkehr zwischen Berlin und Frankfurt an der Oder eröffnete, entstand in dem kleinen, weit vor den Toren Berlins gelegenen Rummelsburg ein Haltepunkt. Das nahe Fischerdörfchen Stralau entwickelte sich zu dieser Zeit gerade zu einem beliebten Ausflugsziel. Ab 1867 folgte eine zweite Linie von Berlin Richtung Küstrin (Ostbahn). Zu jener Zeit hatte der dynamische Aufschwung Berlins bereits eingesetzt, der den weiteren Ausbau der Eisenbahnen beschleunigte. Bereits 1871 fuhren Züge auf der neuen, großzügig und niveaufrei geplanten Ringbahn.

Ab 1872 (Eröffnung des Bahnhofs Stralau) verbanden zwei Kurven die Ringbahn mit den Strecken Richtung Stadt. Als 1882 die ersten Züge über die Stadtbahnstrecke rollten, war der Schlesische Bahnhof (heute Ostbahnhof) nicht länger Endstation. Und in Stralau entstanden an den Kurven von der Stadtbahn zur nördlichen und südlichen Ringbahn die Bahnsteige A, B und C. Die neue Station Stralau-Rummelsburg erhielt weitere Bahnsteige für die Vorortstrecken von und nach Lichtenberg (Bahnsteig D) sowie von und nach Erkner (Bahnsteig E). Als letztes kam 1903 der Ringbahnsteig F hinzu.

Mit der Elektrifizierung der Vorortgleise erhielt der Bahnhof bis Ende der zwanziger Jahre endlich seine heutige Gestalt und 1933 auch seinen heutigen Namen. Alle Pläne zur architektonischen Gestaltung des S-Bahnhofs Stralau-Rummelsburg aus den 1920er Jahren tragen die Unterschrift Richard Brademanns. Als Reichsbahnarchitekt hat Richard Brademann (1884 – 1965) in den 1920er und 1930er Jahren das Gesicht vieler Bauten geprägt, die im Zuge der Elektrifizierung der Berliner Stadt-, Ring- und Vorortbahnen entstanden. Er entwarf die 1923 errichtete und 1926 nach seinen Plänen mit Dach und Fenstern versehene Fußgängerbrücke sowie kleinen Eingangsgebäude an der Sonntagsstraße und am Markgrafendamm.

Aber wo sind die Bahnsteige B und C geblieben? Im Jahr 1966 wurde der Bahnsteig C (von der Stadtbahn zum Südring) und 1970 der Bahnsteig B (vom Nordring zur Stadtbahn) stillgelegt. Nach dem Mauerbau 1961 hatten sich die Verkehrsströme verändert, zudem waren die Bahnsteige wegen unterlassener Instandhaltung baufällig geworden. Denn nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkrieges wurde zunächst nur notdürftig repariert, in den folgenden Jahren kaum mehr als improvisiert.

Der Bahnhof Ostkreuz ist der am stärksten frequentierte Umsteigepunkt im Berliner Nahverkehrsnetz. Die Mehrzahl der Linien im Berliner S-Bahnnetz hält hier. Ebenso passieren die Regionalzüge zwischen Frankfurt (Oder) und Berlin den Bahnhof. Täglich rund 340.000 Menschen nehmen so täglich ihren Weg über das Ostkreuz. Davon rund 100.000 Menschen steigen hier täglich ein, aus oder um. Und fluchen mitunter im Gedrängel, weil sie sich auf dem Weg von der Ringbahn Richtung Stadt einmal wieder für den falschen der unteren Bahnsteige entschieden haben: Egal zu welchem Bahnsteig man sich hinunter schieben lässt, der nächste Zug fährt garantiert vom anderen.

Bereits in den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts entstanden Pläne für den Umbau des Verkehrsknotens Ostkreuz, in den achtziger Jahren gab es einen weiteren Anlauf. Nach dem Fall der Berliner Mauer wurde begonnen, das rund drei Jahrzehnte geteilte Eisenbahnnetz der Stadt wieder zu verknüpfen und neu zu gestalten. Zu diesen Projekten gehört auch das Ostkreuz.