Deutsche Bahn
zurück zur Übersicht

Barrierefreiheit

Infrastrukturanpassungen

Um behinderten und mobilitätseingeschränkten Reisenden den uneingeschränkten Zugang zum Bahnsystem zu ermöglichen, sind am Bahnhof infrastrukturelle Anpassungen notwendig.

Ausgewählte Aspekte der baulichen Herstellung von Barrierefreiheit an Stationen sind beispielsweise eine taktile und kontrastreiche Wegeleitung, eine dynamische Kundeninformation, stufenfrei erreichbare Bahnsteige oder erhöhte Bahnsteige (als Grundlage für einen stufenfreien Einstieg in den Zug). Damit sind, wie die die folgenden Beispiele zeigen, erhebliche Herausforderungen verknüpft. 

 

Taktiler Handlauf mit Braille-Schrift am Bhf Niebüll, Foto: Bedeschinski

Das aktuelle Informations- und Wegeleitsystem der DB Station&Service AG erfüllt die Anforderungen visueller Erkennbarkeit gemäß TSI PRM für barrierefreie Gestaltung im Eisenbahnsystem und wurde von einer unabhängigen Prüfstelle zertifiziert.

Eine barrierefreie Wegeleitung umfasst u.a. taktile Handlaufschilder, taktile Bodenelemente (sogenannte Bodenindikatoren) und eine kontrastreiche Gestaltung.

Taktile, d.h. ertastbare, Handläufe weisen verkürzte Bahnsteiggleisbezeichnungen und Ausgangsinformationen in Braille- und Prismenschrift aus.

Taktile Bodenbeschichtungen dienen dazu, auf Bahnsteigen und in Zugangsbereichen den sicheren Wegelauf zu markieren. Sehbehinderte Reisende werden somit in die Lage versetzt, Richtungsinformationen mittels der Füße oder eines Blindenstocks wahrzunehmen.

Für sehbehinderte Kunden ist überdies eine kontrastreiche Gestaltung wichtig. Daher werden bei Neu- und Umbauten sowohl die Bodenindikatoren als auch die Sicherheitsmarkierungen an Treppenstufen oder Bahnsteigkanten weiß gefärbt. Somit entsteht zu dem meist dunkelgrauen Bodenbelag der maximal mögliche Kontrast. Kontraststreifen an Glasscheiben sollen Kollisionen mit Glaswänden und –türen verhindern und müssen richtlinienkonform in zwei verschiedenen Höhen angebracht sein: in Sichthöhe laufender als auch rollstuhlfahrender Reisender.

Die Gestaltungsvorgaben für statische Informationsträger, wie Schilder oder Stelen, sind in Bezug auf Schriftgröße, Schriftart, Kontraste etc. ebenfalls so konzipiert, dass sich die maximale Anzahl Reisender schnell und sicher orientieren kann. 

Dynamischer Schriftanzeiger (DSA), Foto: Lammel

Eine dynamische Kundeninformation umfasst regelmäßig aktualisierte Reisendeninformationen, akustisch und/oder visuell. Elektrische Lautsprecheranlagen, Fahrgastinformationsanlagen, Info-Stelen oder Dynamische Schriftanzeiger sind Übertragungsgeräte. 

Der Dynamische Schriftanzeiger (DSA) ist eine Neuentwicklung nach modernem Standard und sorgt für eine Reisendeninformation nach dem 2-Sinne-Prinzip. Wichtige Informationen, z.B. über Fahrplanabweichungen, werden vom DSA sowohl visuell über das Display als auch akustisch über integrierten Lautsprecher ausgegeben.

 

Aufzug bei Nacht am Bahnhof Berlin-Karow, Foto: Bedeschinski

Der stufenfreie Zugang zum Bahnsteig wird über zwei Möglichkeiten realisiert:

  • über höhengleiche Gehwege, Reisendenübergänge oder Zugangsebenen mit maximalen Schwellen von drei Zentimetern
  • über Aufzüge oder lange Rampen.

An rund einem Drittel der Stationen mit Personenunter-/-überführungen stellen Treppen derzeit den einzigen Zugang zum Bahnsteig dar. Zur stufenfreien Erschließung dieser Bahnsteige sind Aufzüge oder lange Rampen erforderlich.

Aufzüge sind ein wesentlicher aber auch kostenintensiver Bestandteil des stufenfreien Ausbaus von Stationen. Der Einbau eines neuen Aufzugs kostet in der Regel mindestens 250.000 Euro. Für Nachrüstungen im Bestand fallen zusätzliche Kosten an (Anpassung der Brückenbauwerke, Bahnsteige, Aufbauten). Die jährlichen Betriebs- und Vandalismuskosten summieren sich auf durchschnittlich zehntausend Euro pro Aufzug. Leistungsfähigkeit und Verfügbarkeit eines Aufzugs sind dabei eingeschränkt.

Rampen hingegen haben eine hohe Vandalismusresistenz, Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit. Sie werden daher dort bevorzugt eingesetzt, wo es die Platzverhältnisse erlauben. Gemäß der deutschen Normen zur Barrierefreiheit (DIN 18024/18040) ist eine Rampe mit maximal sechs Prozent Neigung zulässig und muss mind. alle sechs Meter mit Zwischenpodesten ausgestattet sein. Im Zusammenhang mit der daraus resultierenden sehr langen Entwicklungslänge für barrierefreie Rampen (60 Meter – 150 Meter) ist eine Diskussion über ergänzende, kürzere und steilere Rampen (bis 12 Prozent Steigung) nach Schweizer Vorbild angestoßen worden. Diese würden zwar keine Barrierefreiheit erbringen, aber zumindest die Verfügbarkeit von stufenfreien Zugängen beim Ausfall von Aufzügen gewährleisten. Insbesondere bei gering frequentierten Stationen wäre das eine wirtschaftlich darstellbare Ergänzung. Kosten fallen bei Rampen für Reinigung und Winterdienst an.

 

Erhöhte Bahnsteige am Bahnhof Rosenheim, Foto: Bedeschinski

Der stufenfreie Einstieg in den Zug wird infrastrukturell durch eine Bahnsteigerhöhung auf standardmäßig 55 oder 76 Zentimeter gemäß TSI PRM vorbereitet. Das Bahnsteighöhenkonzept der DB sieht zudem eine Höhe von 96 Zentimetern für S-Bahnen vor. Passend dazu müssen aber auch die haltenden Fahrzeuge mit darauf abgestimmter Wagenbodenhöhe bereitgestellt werden. Barrierefreiheit ist erst dann vollumfänglich gewährleistet, wenn die haltenden Züge eine auf Bahnsteighöhe abgestimmte Wagenbodenhöhe haben und fahrzeugseitige Vorrichtungen Spalten zwischen Bahnsteig und Fahrzeug überbrücken.

Die Bestellung der Fahrzeuge erfolgt nicht durch den Infrastrukturbetreiber sondern durch Bestellerorganisationen im Nahverkehr, die Aufgabenträger der Bundesländer sind. Davon gibt es in Deutschland insgesamt 28. Die Bestellerorganisationen und die DB AG müssen sich im Interesse des Kunden –besonders bezüglich gemischt genutzter Netze- eng abstimmen, damit Fahrzeuge und Bahnsteighöhen zukünftig vollumfänglich zueinander passen. Die DB Station&Service AG entwickelt die Infrastruktur an Bahnhöfen mit einem Planungshorizont von 50 bis 100 Jahren. Es ist daher sinnvoll, wenn Fahrzeuge, deren technische Lebensdauer 15 bis 40 Jahre beträgt, an die Infrastruktur angepasst werden – und nicht umgekehrt.

Die Finanzierung der Investitionen erfolgt überwiegend aus öffentlicher Hand (Bund, Länder und Kommunen). Aber auch Eigenmittel der DB aus Miet- und Stationspreiseinnahmen sowie Privatinvestitionen kommen zum Einsatz.

Insbesondere die Erhöhung der Bahnsteige, derer noch immer 43 Prozent aller Bahnsteige (mit einer Höhe von 38 Zentimetern oder darunter) bedürfen, ist finanziell und bahnlogistisch eine gewaltige Aufgabe. 

Die DB Station&Service AG verbessert die Barrierefreiheit an durchschnittlich 100 Stationen im Jahr. Zu diesem Zweck stimmt sie sich regelmäßig mit Aufgabenträgern und Sponsoren ab und setzt kontinuierlich neue Bauprogramme auf.