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Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8

In etwa vier Stunden von München nach Berlin

Die rund 500 Kilometer lange Aus- und Neubaustrecke zwischen Nürnberg–Erfurt–Leipzig/Halle und Berlin bildet künftig das Kernstück der Hochleistungsstrecke von München nach Berlin. Das Gesamtinvestitionsvolumen beträgt fast 10 Milliarden Euro.

Nach Abschluss aller Maßnahmen wird sich die Reisezeit von heute knapp sechs Stunden auf etwa vier Stunden verringern. Der Neu- und Ausbau ist erforderlich, um die prognostizierten Verkehrsmengen hinsichtlich der Kapazität und der Geschwindigkeit auch zukünftig bewältigen zu können. Das größte und innovativste Bahnbauprojekt Deutschlands wird für die Kunden im Personen- sowie im Güterverkehr eine konkurrenzfähige und umweltgerechte Alternative zu Straße und Flugzeug bieten. Das VDE 8 ist als zweigleisige, elektrifizierte Strecke für den Personen- und den Güterverkehr mit einer Entwurfsgeschwindigkeit bis 300 km/h auf den Neubaustrecken konzipiert.

Das Verkehrsprojekt Deutsche Einheit (VDE) Nr. 8 besteht von Süd nach Nord aus den Abschnitten
  • VDE 8.1: 83 km Ausbaustrecke (ABS) Nürnberg–Ebensfeld (mit S-Bahn Nürnberg–Forchheim) sowie 107 km Neubaustrecke (NBS) Ebensfeld–Erfurt

  • VDE 8.2: 123 km Neubaustrecke (NBS) Erfurt–Leipzig/Halle

  • VDE 8.3: 187 km Ausbaustrecke Leipzig/Halle–Berlin

Der neue Bahnknoten und Bahnhof Erfurt verbindet die Abschnitte 8.1 und 8.2. Die Projekte werden realisiert von der Bahntochter DB ProjektBau GmbH.

Fertig gestellt und in Betrieb sind im Abschnitt 8.2 seit 2003 23 Kilometer zwischen Gröbers und Leipzig mit dem Flughafenbahnhof Leipzig/Halle sowie seit Mai 2006 der Abschnitt 8.3 Berlin–Leipzig und die sich südlich des VDE 8 anschließende Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–Ingolstadt–München.

Die Verkehrsprojekte „Deutsche Einheit“ (VDE) waren 1991 nach der Wiedervereinigung Deutschlands von der Bundesregierung auf den Weg gebracht worden. Im europäischen Maßstab ist die Verbindung Bestandteil des Konzeptes Transeuropäische Netze (TEN) der Europäischen Union, hier als Projekt 1, Berlin–Verona/Mailand–Bologna–Neapel–Messina.

Aus- und Neubaustrecke Nürnberg–Ebensfeld–Erfurt (Projekt VDE 8.1)

Die Ausbaustrecke Nürnberg–Ebensfeld integriert zwischen Nürnberg und Forchheim den viergleisigen Ausbau zur Erweiterung des S-Bahn-Netzes. Die Streckengeschwindigkeit auf den Fernbahngleisen soll 230 km/h betragen. Zwischen Nürnberg und Fürth werden zwei neue Gleise gebaut sowie vier Eisenbahnüberführungen und zwei Straßenbrücken erneuert. Im Abschnitt Fürth Hbf–Eltersdorf wird eine eigene S-Bahnstrecke mit einem zweigleisigen Begegnungsabschnitt im Bereich Fürther Bogen gebaut. Die 38 km lange S-Bahnstrecke Nürnberg-Forchheim kann mit einer Geschwindigkeit bis zu 160 km/h befahren werden. Zur Entlastung des Eisenbahnknotens Fürth ist zwischen Nürnberg-Rangierbahnhof und Erlangen–Eltersdorf eine 13 Kilometer lange Güterzugverbindungsstrecke vorgesehen, u. a. mit einem 6.800 Meter langen Tunnel. Im Bau befinden sich der Abschnitt Nürnberg–Fürth sowie die Anlagen zum S-Bahnsystem der Metropolenregion Nürnberg.

Die Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt enthält 22 Tunnel mit 41 Kilometern Länge und 29 Talbrücken mit 12 Kilometern Gesamtlänge. Dazu kommen fünf Kilometer Verbindungsstrecken zur Anbindung des Bahnhofs Coburg an die Neubaustrecke. Nach großräumigen Variantenuntersuchungen für die Trassenführung besteht auf der gesamten Strecke nach Absolvierung eines Raumordnungs- sowie von Planfestsstellungsverfahren mit integrierter Umweltverträglichkeitsprüfung Baurecht für die kürzeste Linienführung von Erfurt nach Ebensfeld mit der Querung des Thüringer Waldes an seiner schmalsten Stelle.

Fertig gestellt ist im Rohbau ein etwa 40 km langer Abschnitt zwischen Ilmenau und Erfurt einschließlich von 8 Talbrücken mit einer Gesamtlänge von 3.740 m sowie 3 Tunneln mit einer Gesamtlänge von 3.187 m. Dazu kommt die fertig gestellte 868 m lange Itztalbrücke bei Coburg.

Im Bau befinden sich derzeit u. a. die mit 1681 Meter längste Talbrücke des Projektes VDE 8.1 in Langewiesen.
Im fränkischen und südthüringischen Raum entstehen die Froschrundsee- und die Grümpentalbrücke, die künftig mit 270 m weitest gespannten Eisenbahn-Betonbogenbrücken Europas. Die Bögen werden in der Bauphase entweder mittels Hilfspfeilern, die zurückgebaut werden, gestützt oder im Freivorbau an ca. 90 m hohen Pylonen verankert. Grundprinzip des Brückenbaus im Thüringer Wald sind der möglichst geringe Eingriff in den Talraum und die optimale Einbindung des Bauwerks in das Landschaftsbild.

Im Bau befinden sich derzeit u. a. der Bleßbergtunnel, der mit 8314 m längster Tunnel des Gesamtprojektes mit einer Maximalüberdeckung von 323 m, sowie der mit 7391 m zweitlängsten Silberbergtunnel. Mit ihnen wird der Kammquerung des Thüringer Waldes unterquert. Die Tunnel durch den Thüringer Wald werden als zweischalige Tunnel hergestellt. Nach dem Spreng- bzw. Baggervortrieb mit Spritzbetonsicherung erfolgt der Einbau einer Innenschale, in welcher die Bahnstrecke verläuft.

Projekt Bahnknoten Erfurt

Der Bahnknoten Erfurt wird zum Verknüpfungspunkt zwischen Fern- und Nahverkehr der Bahn, der Straßenbahn, dem Bus sowie dem Individualverkehr ausgebaut. Dafür ging Ende 2008 ein neues Bahnhofsgebäude mit einem Hallendach (Fläche 154 x 90 Meter) über alle Bahnsteige, neue Bahnanlagen sowie Serviceeinrichtungen eines integrierten Dienstleistungszentrums in Betrieb. Der Neubau erfolgte abschnittsweise bei laufendem Zugverkehr. Derzeit werden die Verknüpfungen mit den Neubaustrecken hergestellt.

Neubaustrecke Erfurt–Leipzig/Halle (Projekt VDE 8.2)

Die Neubaustrecke bündelt die Verkehrsströme aus dem südwest- deutschen (Frankfurt am Main) und dem süddeutschem Raum (München) in Richtung Leipzig/Halle und Berlin. Sie entlastet die durch enge Täler und Kurven führende bestehende Verbindung vom Fernverkehr. Sie enthält drei Tunnel mit 15 Kilometern sowie sechs Talbrücken mit 14 Kilometern Gesamtlänge.

Nach großräumigen Variantenuntersuchungen für die Trassenführung besteht auf der gesamten Strecke nach Absolvierung eines Raumord- nungs- sowie von Planfestsstellungsverfahren mit integriertet Umweltverträglichkeitsprüfung Baurecht.

Fertig gestellt ist die 248 m lange Saubachtalbrücke, die als Baustraße zwischen dem Finne- und dem Bibratunnel dient. Im Bau befinden sich derzeit die restlichen 4 großen Talbrücken: Scherkondetalbrücke, Unstruttalbrücke, Stöbnitztalbrücke und Saale-Elster-Talbrücke. Mit der Unstruttalbrücke (2668 m Länge, 50 m Höhe) bei Karsdorf entsteht ein markantes, weithin wahrnehmbares Bauwerk mit einem schlanken und gut strukturierten Erscheinungsbild, das nach aktuellstem Stand der Ingenieurbaukunst als semiintegrale Konstruktion errichtet wird. Die Stützweiten reichen von 58 bis 108 m. Die in Art einer aufgeständerten Fahrbahn konstruierte Saale-Elster-Talbrücke im Südraum von Halle ist an ihren drei Widerlagern sowie ersten Pfeilern im Bau. Sie umfasst einen durchgehenden Strang der Richtung Erfurt–Gröbers–(Leipzig) von 6,5 Kilometer Länge und einen daraus in Richtung Halle abzweigenden Strang von 2,1 Kilometer Länge, der im Südraum Halle mit dem Bestandsnetz verbunden wird. Der Bau ist wegen ökologischer und hydrologischer Bedingungen sehr anspruchsvoll. Es kommen darum sehr spezielle Bauverfahren zum Einsatz. So ist in Teilbereichen die Baustraße ebenfalls als Brücke errichtet worden. Sie verläuft ca. 2 m über dem Grund. In anderen Bereichen entfällt die Baustraße gänzlich. Im so genannten Bauverfahren „Vor-Kopf“ entstehen die Brückenpfeiler von einer 130 m langen Hilfsbrücke aus.

Im Stadtbereich von Halle wird seit Ende 2005 die Einbindung der Neubaustrecke mit zwei Gleisen durch den kompletten Umbau der südlichen Eisenbahneinfahrt errichtet. Diese Arbeiten erfolgen unter komplizierten Bedingungen bei laufendem Zugverkehr. Die neuen Gleisanlagen werden an die bestehenden angeschlossen. Beispielsweise wurden 60 Signale per Hubschrauber an ihre Standorte geflogen.

Im Bau befinden sich die drei Tunnel, u. a. der mit 6.970 m längste des Abschnittes 8.2. der Finnetunnel. Er wird mit zwei Tunnelbohrmaschinen vorgetrieben.

Ausbaustrecke Halle/Leipzig–Berlin (Projekt VDE 8.3)

Die 187 Kilometer lange Verbindung ging im Mai 2006 mit modernster Stellwerkstechnik (neuer europäischer Standard) für 200 km/h in Betrieb. Die Fahrzeit der schnellsten Züge beträgt ca. 1 Stunde.

Herausragende Bauwerke sind die Brücken über die Elbe und die Mulde.
53 niveaugleiche Bahnübergänge wurden durch neue Straßen- oder Eisenbahnbrücken ersetzt, 29 Bahnhöfe und Haltepunkte um- bzw. ausgebaut.

Letzte Aktualisierung: 23.01.2012

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