Deutsche Bahn
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Winter-Test in Werkstätten fängt bereits im August an

Eis-Angeln in Afrika? Ein Blumenbeet in der Arktis? Ein Schneepflug im Berliner Hochsommer? Klingt alles schräg, aber eins davon ist tatsächlich wahr – die DB macht’s möglich. Ein Besuch in der Werkstatt des Maschinenpools in Berlin-Grunewald.

28 Grad im Schatten, Sonnenschein und blauer Himmel über Berlin. Wer denkt da schon an den Winter? Zumindest die Kollegen im Maschinenpool Grunewald sind schon voll und ganz auf die kalte Jahreszeit eingestimmt – gilt es doch bis Ende Oktober die 70 Fahrzeuge der Schneeräumtechnik winterfest zu machen.

In der Backsteinhalle aus den 1880er-Jahren arbeiten insgesamt 32 Mitarbeiter und 10 Azubis auf circa 6.000 Quadratmetern an den sogenannten Nebenfahrzeugen der DB. Zu diesen Nebenfahrzeugen gehören die gelben Wagen für Schotter, Schiene und Schwelle sowie die roten Wagen der Notfalltechnik, wo eben auch die Schneeräumtechnik darunter fällt.

Gestatten, der Schneepflug:

Noch sind gut drei Monate Zeit, um die restliche Technik für den Winter vorzubereiten und die Arbeiten liegen im Plan, erklären Werkmeister Rocco Frommke und Fertigungsmeister Martin Hegewald den versammelten Journalisten. Dabei werden die Schneefräsen und -pflüge auf Herz und Nieren geprüft, spätestens alle acht Jahre müssen die einzelnen Gerätschaften komplett zerlegt und wieder zusammengesetzt werden. 50 Tage haben die Kollegen dann dafür Zeit. Ist die Technik gewartet, kommt sie wieder an den entsprechenden Standort zurück, wo sie hoffentlich so wenig wie möglich zum Einsatz kommen soll.

Werkmeister Rocco Frommke


Weichen besonders empfindlich

Doch nicht nur die Großtechnik wird derzeit winterfest gemacht. Im Hintergrund laufen schon längst zahlreiche Aktivitäten, um die gut 33.200 Kilometer Streckennetz, 5.400 Bahnhöfe und die täglich 40.000 Züge für die kalte Jahreszeit vorzubereiten. Besonders empfindlich dabei: die rund 70.000 Weichen. Knapp 11.000 davon sind mit speziellen Antriebsabdeckungen ausgestattet (etwa 1.200 mehr als noch im Vorjahr), um die Weichen vor Schneeverwehungen und von den Zügen herabfallende Eisbrocken zu schützen. Knapp 49.000 Weichen sind bereits mit Heizungen versehen.

Der Kollege demonstriert, wie der Schneepflug arbeitet:

Ebenfalls zur Sommerzeit werden bereits Streusalz ausgeliefert und Dienstpläne zusammengestellt, um im Falle des Falles gerüstet zu sein. Schließlich müssen rund sechs Millionen Quadratmeter Bahnhofsflächen für die Kunden auch im Winter zugänglich bleiben.

Bestens gerüstet – soweit die Natur es zulässt

Gut 70 Millionen Euro nimmt die Bahn für diese Winterperiode in die Hand, doch: Die Natur lässt sich nicht planen, was dieser Sommer bis dato eindrucksvoll mit immensen Wassermassen und Starkregen veranschaulicht. Aber im Rahmen des Planbaren ist die Bahn bestens gerüstet, um für den Kunden das Erlebnis Schiene auch in der kalten Jahreszeit so angenehm wie möglich zu gestalten.

Dann sieht der Schneepflug im Einsatz übrigens so aus:

Der Schneepflug beim Schleudern in St. Georgen


(Autor: Sven Martens)