Deutsche Bahn
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Nächtlicher Einsatz unter Hochspannung

In der Nacht sind Leit- und Sicherungstechniker im Einsatz, um Oberleitungen zu reparieren. Mit dabei: tonnenschweres Gerät und der ständige Blick auf die Uhr.

Die Oberleitung steht unter Hochspannung von 15.000 Volt. Unter normalen Umständen bedeutet es Lebensgefahr, sobald sich ein Mensch bis auf wenige Meter der Oberleitung nähert. Doch letzte Nacht mussten die Leit- und Sicherungstechniker der DB ganz nah an die Leitungen: Sie tauschten auf der Strecke zwischen Düren und Langerwehe auf einer Länge von 100 Metern den Fahrdraht aus. Dafür waren die Leitungen vorher natürlich stromlos und geerdet worden.

Video: Einblicke in die nächtliche Arbeit

Reparatur an der Oberleitung

Um die Einschränkungen für den Kunden so gering wie möglich zu halten, arbeiten die Techniker vor allem nachts, wenn keine bzw. weniger Züge rollen. Zu ihren Aufgaben gehört auch die Instandhaltung der Oberleitung, durch die der Strom für die Züge fließt. Zwischen Düren und Langerwehe war nun in der vergangenen Nacht eine Reparatur nötig: Der provisorisch instandgesetzte Fahrdraht musste ausgewechselt werden. „Hierfür haben wir den alten Fahrdraht herausgeschnitten und durch ein neues Teilstück ersetzt“, so Gerd Glesmann, Bezirksleiter Oberleitung der DB Netz AG. „Die Qualität des Fahrdrahtes ist wichtig für die Befahrbarkeit durch elektrisch betriebene Züge.“ Im Abschnitt Düren – Langerwehe ist eine Streckengeschwindigkeit von 160 Stundenkilometern möglich.

Erst provisorisch geflickt, jetzt dauerhaft repariert

Auf der Strecke zwischen Düren und Langerwehe sind im Juni insgesamt drei Brücken erneuert worden. Beim Einheben einer neuen Brücke war eine Baumaschine gegen den Fahrdraht gestoßen und hatte ihn beschädigt. Den Defekt konnten Techniker damals provisorisch beheben, nun musste aber eine dauerhafte Lösung her: Ein neuer Fahrdraht ist deshalb in der Nähe der Eisenbahnüberführung Weierstraße in Langerwehe eingebaut worden.

Bei den Arbeiten ist schweres Gerät im Einsatz: Ein Instandhaltungsfahrzeug für Oberleitungsarbeiten (IFO) und ein sogenannter „Trommelwagen“ rücken an. Während der Arbeiten ist die Strecke zwischen Düren und Langerwehe für den Zugverkehr gesperrt. Mithilfe des IFO können die Arbeiter in bis zu 20 Metern Höhe an der Oberleitung arbeiten. Und mit dem Trommelwagen, auf dem eine Vorrichtung für die Fahrdrahttrommel angebracht ist, können die Oberleitungen verlegt werden.

Arbeiten gegen die Zeit

Neben der komplexen technischen Herausforderung gibt es für die Experten aber noch ein anderes Problem: die Zeit. „Unser Ansporn ist es, sicher und qualitativ zu arbeiten und die Arbeiten fristgerecht abzuschließen“, sagt Bezirksleiter Glesmann. „Alles wartet darauf, dass wir unsere Arbeiten beenden und die Strecke freigeben. Das ist natürlich ein enormer Druck.“

Denn spätestens, wenn in der Hauptverkehrszeit die Züge wieder rollen, müssen die Bauarbeiten fertig sein. Damit der Reisende am Morgen auf dem Weg zur Arbeit so wenig wie möglich von diesen schweren Arbeiten mitbekommt.

5 Fakten zu Oberleitungsarbeiten

  • Durch die Oberleitungen am DB-Netz fließt eine Spannung von rund 15.000 Volt. Das ist das 65-fache einer haushaltsüblichen Steckdose. Bei Annäherung an die Oberleitungen besteht Lebensgefahr, daher werden die Leitungen bei Bauarbeiten ausgeschaltet und geerdet, sodass vom Strom keine Gefahr ausgehen kann.
  • Würde man alle Leitungen des Bahnstromnetzes aneinanderlegen, könnte man München mit Peking verbinden.
  • Zwischen Düren und Langerwehe sind 100 Meter Fahrdraht ausgetauscht worden. In ganz Deutschland verlegt die DB Netz AG pro Jahr bei Instandhaltungsmaßnahmen ca. 200 Kilometer Fahrdraht.
  • Der Fahrdraht besteht aus einer speziellen Kupferlegierung und ist daher besonders abriebfest und langlebig. So bleibt der Fahrdraht auch bei großen Belastungen stabil.
  • Dank IFO immer auf der Höhe: Mit Hilfe des Instandhaltungsfahrzeugs für Oberleitungsarbeiten können die Arbeiter in einer Höhe von 5 bis zu 20 Metern an der Oberleitung arbeiten. Das Spezialfahrzeug wiegt rund 81 Tonnen, der Trommelwagen ca. 40 Tonnen.