Deutsche Bahn
zurück zur Übersicht

Naturschutzgerechte Pflege am Gleis

Pflanzen und Bäume können die Sicherheit des Zugverkehrs gefährden. Zum Beispiel wenn sie Signale verdecken oder die Funktion des Schotterbettes beeinträchtigen. Deswegen muss die DB dafür sorgen, ihre Gleise frei zu halten.

Schon kleine, zarte Pflanzen können für den Zugverkehr zum Problem werden. Denn Pflanzen und ihre Rotteprodukte halten das Wasser im Gleis fest. Dadurch kann beispielsweise der Untergrund aufweichen und bei Frost leichter aufbrechen. In der Folge können Gleislagefehler entstehen, die aufwändige Sanierungsmaßnahmen nach sich ziehen. Daher müssen Bahnanlagen, Signale und Gleise regelmäßig von Pflanzen und Bäumen freigehalten werden. Damit diese Vegetations-kontrolle schonend erfolgt, hat die Deutsche Bahn verbindliche Vorgaben erarbeitet. In unserem „Gesamtkonzept Vegetations-management“ ist genau festgelegt, wie Bäume und Pflanzen zurückgeschnitten oder entfernt werden. 


Vegetationspflege an der Bahn grundsätzlich manuell

Die Flächen entlang der Gleise teilt die DB in eine sogenannte Rückschnitts- und Stabilisierungs-zone ein. Bäume und Pflanzen, die in der Rückschnittszone wachsen, werden in der Regel einmal im Jahr zurückgeschnitten. Hier besteht ein besonderes Sicherheitsrisiko für den Bahnbetrieb – denn Signale und Oberleitungen dürfen nicht zuwachsen. Im Bereich der Stabilisierungszone überprüfen wir regelmäßig die Standsicherheit der Bäume und greifen nur dann ein, wenn Bäume beispielsweise umsturzgefährdet sind. Gleichzeitig sorgen wir dafür, dass vor allem heimische Baumarten wie die Eiche gefördert werden, da sie für eine stabile Waldstruktur sorgen und zur Bodenstabilität beitragen. In beiden Zonen vermeiden wir grundsätzlich chemische Verfahren und arbeiten stattdessen mit Kettensäge, Freischneider oder Mähmaschine.

Chemische Mittel nur im Gleisbereich

Direkt im Gleis, dort wo Pflanzen die Funktion des Schotterbetts beeinträchtigen können, setzt die DB speziell zugelassene Herbizide ein. Der Einsatz dieser Pflanzenschutzmittel erfolgt in enger Absprache mit den zuständigen Behörden und auch nur dort, wo es unbedingt erforderlich ist. Im Jahr 2016 wurde ein Wirkstoffmenge von 70 Tonnen (im Vorjahr: 83 Tonnen) eingesetzt - dies entspricht 1,24 kg/km Gleis und ungefähr 0,4 Prozent des Gesamtherbizidverbrauchs in Deutschland. Damit wurden bei einer Gleislänge von rund 60.500km rund 93 Prozent der Gleise mit Herbiziden behandelt. Eingesetzt wurden die vom Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit speziell für den Gleisbereich zugelassenen Wirkstoffe Flazasulfuron, Flumioxazin und Glyphosat. Dabei stellen wir durch beauftragte Fachfirmen sicher, dass keine Wirkstoffe in angrenzende Flächen gelangen. Die aktuellen Diskussionen zum Glyphosat verfolgen wir als Anwender intensiv. Die Zulassung von Glyphosat, wurde im Juni 2016 durch die EU- Kommission bis Ende 2017 verlängert. Bis dahin muss erneut entschieden werden, ob der Herbizidwirkstoff weiter verwendet werden darf. Die Deutsche Bahn hält sich strikt an die Anwendungsvorschriften, ist jedoch derzeit auf die chemische Vegetationskontrolle angewiesen, da es alternative Verfahren für den Gleisbereich im Moment noch nicht gibt. Sie steht dazu im Austausch mit den entsprechenden Unternehmen.

Sensibler Umgang mit Pflanzen und Tieren – Mitarbeiter aufklären

Neben der Einhaltung naturschutzrechtlicher Auflagen,  gilt es im Umgang mit Pflanzen und Tieren auch mögliche Gefahren für Umwelt und Gesundheit abzuschätzen. Wie bei den soge-nannten invasiven Neobiota – also in Deutschland eingewanderte Tier- und Pflanzenarten. Der Riesen-Bärenklau beispielsweise, der sich an Bahnböschungen ausbreiten kann, erfordert besondere Sicherheitsmaßnahmen. So können die Inhaltsstoffe der Pflanze in Verbindung mit Sonnenlicht zu starken Hautverbrennungen führen. Unseren Mitarbeitern geben wir daher regelmäßig konkrete Hilfestellungen für den Arbeitsalltag, wie Leitfäden und Merkblätter zum Umgang mit solchen invasiven Arten. Darüber hinaus informieren wir  in speziellen Schulungen über das Thema Naturschutz.

Wie können wir die Vegetationspflege noch nutzbringender gestalten? Dieser Frage gehen wir derzeit in zwei Studien im Auftrag der DB Netze Fahrweg nach. Diese Forschung ist eins von den grünen Projekten der Deutschen Bahn – unsere Nr. 61. Alle 112 Projekte finden Sie unter deutschebahn.com/gruen.