Deutsche Bahn
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18.05.2017 10:45 Uhr Nürnberg

ICE-3-Modernisierung im Werk Nürnberg nimmt Fahrt auf

7 Neuheiten, die die Reise komfortabler und einfacher machen • 3 Fragen an den Projektleiter Jan Poppendieck • Die 5 wichtigsten Zahlen und Fakten auf einen Blick

Mehr Platz, mehr Reisespaß, mehr Informationen: Die Deutsche Bahn (DB) schickt ihre ICE-3-Hochgeschwindigkeitszüge zur Frischekur und sorgt so für deutlich mehr Kundenkomfort und eine höhere Zuverlässigkeit der Fahrzeuge. Die 66 Züge bekommen nach 15 Jahren im Einsatz ein Redesign im Werk Nürnberg der DB Fahrzeuginstandhaltung und werden fit gemacht für die Zukunft. Zudem werden alle Züge mit dem Europäischen Zugkontrollsystem (ETCS) ausgerüstet und sind damit flexibler auf den Strecken im Hochgeschwindigkeitsnetz einsetzbar.

Drei Züge haben das Redesign bereits durchlaufen. Die Modernisierung der verbleibenden Hochgeschwindigkeitszüge nimmt Fahrt auf und soll bis 2020 abgeschlossen sein. Im Werk Nürnberg werden parallel jeweils drei Züge auf Vordermann gebracht, pro Zug dauert das insgesamt neun Wochen. In die Verjüngung  der gesamten ICE-3-Flotte investiert die DB rund 210 Millionen Euro.

„Die ICE-3-Modernisierung ist ein weiterer Meilenstein unseres Programms Zukunft Bahn. Mit neuer Innenausstattung und modernster Technik an Bord ist der Zug dann gut gerüstet, ab Dezember auf der neuen Schnellfahrstrecke VDE 8 zwischen Berlin und München beide Metropolen in weniger als vier Stunden miteinander zu verbinden“, so Berthold Huber, Vorstand Personenverkehr, bei dem heutigen Blick auf den Arbeitsstand im Werk Nürnberg. 

„Mit 150 Mitarbeitern arbeiten wir daran, die Züge für die heutigen Anforderungen rundum zu erneuern und freuen uns, das Reisen für die Fahrgäste noch komfortabler zu machen. Für das Werk Nürnberg ist es ein wesentlicher Auftrag, der den Standort auf Jahre auslastet", so Uwe Kessler, Leiter des Werks Nürnberg der DB Fahrzeuginstandhaltung.

Redesign ICE 3 - Arbeiten im Führerstand

Kunden profitieren von zusätzlichem Platz für Gepäck, für Kinderwagen und Rollstühle, modernen Sitzen sowie Echtzeitinformationen während der Reise. Außerdem haben die jüngsten Reisenden im großzügig gestalteten Kleinkindabteil mehr Möglichkeiten, sich auszutoben.

Das Redesign ist Bestandteil des 2016 gestarteten Qualitätsprogramms „Zukunft Bahn“, das Angebote und Services der Bahn für die Kunden verlässlicher, komfortabler und sympathischer machen soll.

 

Komfortoffensive: ICE 3 bekommt Frischekur

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7 Neuheiten, die die Reise komfortabler und einfacher machen:   

Für Gepäck, Kinderwagen und Rollstühle gibt es mehr Platz. Die neuen Gepäckregale sind im Großraumbereich der Wagen untergebracht – damit haben Fahrgäste ihre Koffer und Taschen jetzt besser im Blick. 

Die bisherigen Sitze werden komplett gegen modernere ausgetauscht. Der Clou: Beim Verstellen in die Ruheposition wird die Rückenlehne nicht mehr nach hinten gestellt, sondern innerhalb der Sitzschale nach vorn gezogen - damit wird der hintere Sitznachbar nicht mehr beeinträchtigt. Neu sind auch der integrierte Haltegriff und die Reservierungsanzeige am Durchgang. Mit der Modernisierung werden auch zusätzliche Sitzplätze geschaffen - insgesamt 1.280 Stück. 

Die unterschiedlichen Bereiche des Zuges sind jetzt innen und außen deutlich besser gekennzeichnet. Neue Banderolen und Piktogramme machen die Orientierung deutlich einfacher.

Informationen zum Reiseverlauf und zu Anschlusszügen finden Reisende auf neuen, größeren Monitoren und vor allem: in Echtzeit. Damit gehört die Frage „Erreiche ich meinen Anschlusszug noch?“ der Vergangenheit an. Die Reservierungsanzeigen und Sitzplatznummern sind jetzt an den Kopfstützen der Sitze und damit besser zu erkennen als vor dem Redesign, als sie noch an der Gepäckablage waren. 

Die Bordgastronomie im ICE 3 war mit wenigen Sitzgelegenheiten bislang eher bescheiden. Mit dem Redesign erhalten die Züge ein neues, elegantes Bordrestaurant mit 20 Sitzplätzen.

Das Kleinkindabteil ist neu und bunt gestaltet – hier können die jüngsten Reisenden auf noch mehr Platz richtig toben. 

Rollstuhlfahrern stehen jetzt pro Zug zwei Plätze mit höhenverstellbaren Tischen zur Verfügung – vor dem Redesign gab es nur einen Platz. Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen finden sich mit dem neuen taktilen Wegeleitsystem besser im Zug zurecht.

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>>Vorher-Nachher-Fotos zum Download in der Mediathek.<<

Jan Poppendieck

Jan Poppendieck verantwortet das Redesign von der ingenieurstechnischen Planung bis hin zur Inbetriebnahme des letzten modernisierten Zuges. Erfahrung hat er bereits beim Redesign des ICE 2 und ICE T gemacht.

1. Wie läuft das Redesign eines Zuges ab?

Das Redesign eines Zuges dauert rund neun Wochen und wird im Werk der DB Fahrzeuginstandhaltung in Nürnberg durchgeführt. Der Zug wird entkernt, technisch überholt und dann nach und nach im Innenraum ausgebaut. Es sind parallel drei Züge im Werk. Alle drei Wochen wird ein modernisierter Zug fertig.

2. Die DB hat doch jetzt den ICE 4. Warum modernisiert sie die ICE-3-Züge noch? 

Ökologisch und ökonomisch betrachtet macht ein Redesign absolut Sinn. Die Fahrzeuge sind für eine Lebensdauer von mindestens 30 Jahren ausgelegt. Die Züge sind jetzt 15 Jahre im Einsatz und zum Teil abgenutzt sowie nicht mehr auf dem neuesten technischen Stand. Außerdem haben sich die Kundenbedürfnisse verändert. Mit dem Redesign bauen wir technische Neuerungen ein und gestalten den Innenraum neu, damit sich unsere Kunden noch wohler fühlen.

3. Wo werden die modernisierten Züge eingesetzt? 

Bis Jahresende werden die Züge auf allen Strecken eingesetzt, auf denen der ICE 3 heute bereits unterwegs ist, so zum Beispiel zwischen München und dem Ruhrgebiet über Nürnberg oder Stuttgart und jeweils Flughafen Frankfurt. Da die ICE-3-Flotte nun auch mit dem Europäischen Zugkontrollsystem (ETCS) ausgerüstet wird, verkehren die Züge ab Ende 2017 dann zusätzlich auf der neuen Schnellfahrstrecke Berlin – München.

Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender Fahrgastverband Pro Bahn

3 Fragen an den Bahnexperten Karl-Peter Naumann (Pro Bahn): 

1. Aus der Sicht der Kunden, was sind die wichtigsten Neuerungen bei dem Redesign?

Es sind viele Kleinigkeiten, die verbessert worden sind, die wir aus dem ICE 4 schon kennen. Wir haben zusätzliche Haken für die Mäntel, die jetzt auch dort hingehängt werden können, wo ich den Haken brauche. Das mag nicht aufregend sein, aber es ist wichtig und ja es sind viele kleine Details: von besseren Abstellmöglichkeiten für Koffer, einem schöneren Kinderabteil, sehr praktischen Plätzen für Rollstuhlfahrer, einer schönen Familienecke mit Platz auch für einen weiteren Kinderwagen oder Koffer. Ich kann mir vorstellen, das Reisen im ICE 3 macht in Zukunft genauso viel Spaß wie im ICE 4.

2. Kunden würden sich sicherlich einen fabrikneuen Zug wünschen?

Klar, ein ganz neuer Zug ist immer was Schönes und so ein neues Fahrzeug wie der ICE 4 löst schon Begeisterung aus. Aber der Vorteil des Systems Eisenbahn ist ja gerade, dass die Züge lange halten und das ist auch viel umweltfreundlicher. Insofern ist es gut, dass man Züge nach einer gewissen Zeit redesigned und mit guten Ideen anpasst. Räder und einen Wagenkasten braucht man immer.

3. Wird das Redesign den Kundenanforderungen aus Ihrer Sicht gerecht?

Man kann sich als Kunde immer mehr vorstellen. Wenn man realistisch ist, muss man sagen, man hat hier das gemacht, was technisch machbar ist. Einige Kleinigkeiten sind in der Konstruktion bedingt, die wir uns anders wünschen würden, gerade bei den Gepäckablagen. Aber man hat hier das gemacht, was der Wagenkasten, was das Format des ICE 3 hergegeben hat.