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Wo sich Schiene und Straße kreuzen: Bahnübergänge

Zahl der Bahnübergänge und Unfälle auf niedrigstem Niveau • Neue Techniken und Entwicklungen im Test • Präventionskampagne „sicher drüber“ startet nach 15 Jahren neu durch

Kaum ein Thema, das die Verkehrsträger Schiene und Straße berührt, ist derart sensibel und sorgt immer wieder für Diskussionen, wie die Bahnübergänge. 16.871 dieser Anlagen gibt es allein bei der Deutschen Bahn AG (Stand: Ende 2016). Weitere Bahnübergänge sind zudem bei diversen Straßen- und Stadtbahnen sowie anderen Eisenbahnunternehmen zu finden. 

Zahl der Bahnübergänge und Unfälle so niedrig wie nie

In den vergangenen Jahren hat die Bahn gemeinsam mit den Gemeinden und Eigentümern der Straße viele Bahnübergänge beseitigt. Seit 1950 konnte die Anzahl der Kreuzungen zwischen Schiene und Straße mehr als halbiert werden. Mitte der Neunzigerjahre gab es bei der Deutschen Bahn noch 28.000 Bahnübergänge, über 50 Prozent davon ohne technische Sicherung. Ende 2016 waren es noch 16.871 Anlagen, davon noch knapp 39 Prozent ohne technische Sicherung. Dies ist die niedrigste Zahl an Bahnübergängen in der gesamten Geschichte der DB AG.

Infografik Bahnübergänge

Die umfassende Beseitigung von Bahnübergängen aber auch die zunehmende technische Sicherung zahlt positiv auf das Konto „weniger Unfälle“ ein. 2016 gab es 140 Unfälle an den Bahnübergängen der Deutschen Bahn. 1995 waren es noch 603 Kollisionen. Die Zahl der Unfälle ist somit in den vergangenen 20 Jahren um knapp 75 Prozent gesunken. Trotz dieser positiven Tendenz bleibt immer noch viel zu tun. Denn jeder Unfall ist einer zu viel!

 

Infografik Bahnübergänge

Pressemitteilung zum Relaunch der Präventionskampagne "sicher drüber" vom 8. November 2017


Anzeige von Bahnübergängen in Navigationssystemen
Die Bahn ist mit Herstellern von Karten für Navigationsgeräte im Kontakt. Ziel ist, auf Bahnübergänge künftig auch visuell und ggf. auch akustisch in Navigationsgeräten hinzuweisen, um dem Kraftfahrzeugfahrer zu signalisieren, dass er besondere Vorsicht walten lassen muss. Über 13.600 Datensätze zu Bahnübergängen hat die DB bereits online über ihr Open-Data Portal zur Verfügung gestellt. Gespräche mit verschiedenen Anbietern laufen. 

Hinweise auf Bahnübergänge in Navigationsgeräten

Benutzergesteuerter Bahnübergang

Diese Anlagen funktionieren ähnlich wie die mit Anrufschranken gesicherten Bahnübergänge: Die Schranke ist dauerhaft geschlossen. Möchte man die Kreuzung passieren, muss man einen Knopf drücken. Kommt kein Zug, geht die Schranke automatisch auf. Nach einer gewissen Zeit schließt sich die Schranke wieder. Eine erste Pilotanlage ist auf einer Strecke in Hessen erfolgreich im Einsatz.

Nachwarnsystem für Bahnübergänge mit Postensicherung

Bahnübergangsposten (BÜP) sichern einen Bahnübergang, wenn dessen technische Sicherung (z.B. Defekt) zeitweise nicht zur Verfügung steht. Ein neues Nachwarnsystem erkennt über im Gleis verlegte Kontakte, ob der Bahnübergangsposten ordnungsgemäß im Einsatz ist. Wird eine Unregelmäßigkeit erkannt, warnt eine Akustik am Bahnübergang die Straßenverkehrsteilnehmer und nimmt bei Einsatz von technischen Hilfsmitteln für den BÜP die Sicherung des Bahnübergangs vor. 

An Bahnübergängen, die auf Grund der örtlichen Verhältnisse bzw. der Verkehrsbelastung durch den Posten mit einem Flatterband gesichert sind, werden die Straßenverkehrsteilnehmer am Bahnübergang akustisch gewarnt. 

Die Technik ist aktuell in der Erprobung, um Sicherheit und Funktionsfähigkeit des Systems nachzuweisen. Nach Abschluss der Testphase und Zulassung des Nachwarnsystems ist ein bundesweiter Einsatz möglich.

DIANA überwacht Zustand der Technik am Bahnübergang

DIANA ist die Diagnose- und Analyseplattform der Bahn, mit der sensible Infrastrukturteile wie bei einem Dauer-EKG überwacht und analysiert werden. Ziel ist eine vorausschauende Instandhaltung der Anlagen. In Norddeutschland wird die neue Entwicklung an mehreren Bahnübergängen getestet. Dabei überwacht ein spezieller Sensor die dortige Technik. Instandhaltungsmaßnahmen können so bereits eingeleitet werden, bevor ein Teil überhaupt kaputt geht. Das Verfahren hat dabei keine Auswirkungen auf die sichere Funktionsweise der Bahnübergangstechnik. Die dafür greifenden festgelegten Prozesse sind davon unbenommen.

Brennstoffzelle versorgt Sicherung unabhängig mit Energie

Eine Anwendungsmöglichkeit in naher Zukunft ist der Einsatz von Brennstoffzellen an Bahnübergängen. Gegenwärtig ist die innovative Energiequelle bereits in Maulbronn und Hoppegarten bei zwei Stellwerken im Test. Fällt dieser erfolgreich aus, ist die Ausstattung von Bahnübergängen mit Brennstoffzellen ebenfalls eine Option. So könnte der Strom für die Bahnübergangstechnik unabhängig und umweltfreundlich generiert werden.

Wie im Straßenverkehr, gelten auch an Bahnübergängen klare Regeln. Rot heißt Stopp, ebenso wie geschlossene Voll- oder Halbschranken.

Die Praxis sieht jedoch leider oft anders aus: die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen ist vielen Verkehrsteilnehmern nicht oder nicht richtig bekannt. Zudem verleiten Leichtsinn und Ungeduld manch Einen zu riskanten Aktionen. Dies ist schlicht lebensgefährlich! Mehr als 90 Prozent der Unfälle hätten durch richtiges Verhalten vermieden werden können. Was für eine rote Ampel an einer Kreuzung gilt, gilt selbstverständlich gleichermaßen auch am Bahnübergang.

2016 ereigneten sich an technisch gesicherten Bahnübergängen mit Schranken und/oder Blinklichtern bzw. Lichtzeichen mehr als doppelt so viele Unfälle, wie an nicht technisch gesicherten Bahnübergängen – 66 davon an Bahnübergängen mit Halbschranken, die bewusst umfahren wurden. 

Um die Straßenverkehrsteilnehmer über das richtige Verhalten am Bahnübergang zu informieren und Unfälle zu vermeiden, arbeiten ADAC, Bundespolizei, Verband Deutscher Verkehrsunternehmen, die gesetzlichen Unfallversicherungen UVB und VBG sowie die Deutsche Bahn erfolgreich in der Aktion „sicher drüber“ zusammen.

Zum 15. Jubiläum hat die Kampagne optisch eine Verjüngungskur erfahren. Kern ist nicht nur ein neuer, emotionaler Videospot sondern auch Postkarten mit einprägsamen Sprüchen sowie ein informatives Plakat. 

Neue Motive der Kampagne "sicher drüber"

Damit wollen die Partner über die sozialen Medien aber insbesondere auch bei Vor-Ort-Terminen und in den Fahrschulen sensibilisieren.
Weitere Informationen zur Kampagne unter: www.sicherdrueber.de

Das Video steht zum Download in der Mediathek unter der Nummer DB155253 zur Verfügung.


Charakteristik und Besonderheiten von Bahnübergängen

Am Bahnübergang kreuzen sich zwei verschiedene Verkehrsarten mit den ihren jeweiligen Besonderheiten. Züge haben am Bahnübergang immer Vorrang vor dem Straßenverkehr. Dafür steht das Andreaskreuz als Verkehrszeichen. Der Grund hierfür ist ebenso einfach wie einleuchtend: Züge haben wegen ihrer großen Masse und der oft hohen Geschwindigkeiten einen deutlich längeren Bremsweg als beispielsweise ein Pkw. Ein Personenzug, der mit 100 Stundenkilometern unterwegs ist, braucht bis zu 1.000 Meter, bis er bei einer Vollbremsung schließlich zum Stehen kommt. Da der Zug auf der Schiene fährt, kann er einem Hindernis auf der Strecke auch nicht ausweichen. Daher ist an Bahnübergängen immer besondere Vorsicht geboten.


Die Sicherung eines Bahnübergangs hängt unter anderem von der Art der Bahnstrecke (Hauptbahn / Nebenbahn), der Geschwindigkeit des Zuges sowie der Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße ab. Im § 11 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) in Verbindung mit der DB-Richtlinie 815 ist die Sicherung festgelegt.

Infografik: Verkehrszeichen am Bahnübergang

An Hauptbahnen ist eine technische Sicherung grundsätzlich für alle Bahnübergänge vorgesehen. Bahnübergänge ohne technische Sicherung kommen fast ausschließlich an verkehrsarmen Strecken vor. Der Straßenverkehrsteilnehmer muss sich hier vor Überqueren am Andreaskreuz Übersicht auf die Bahn­strecke verschaffen und auch auf hörbare Signale der Eisenbahnfahrzeuge achten.

Von den rund 16.871 Bahnübergängen der DB AG sind etwa 61 Prozent technisch gesichert – circa 23 Prozent mit Vollschranken, rund 68 Prozent mit Halbschranken sowie 9 Prozent mit Blinklicht- oder Lichtzeichenanlagen (ohne Schranken). Alle nicht technisch gesicherten BÜ werden routinemäßig dreimal pro Jahr genau in Augenschein genommen, die technisch gesicherten unterliegen zweimal jährlich einer strengen Inspektion.


Infografik: Sicherungsarten am Bahnübergang

Da Bahnübergänge Straße und Schiene gleichermaßen berühren, sind sie Gemeinschaftsaufgabe. Sollen etwa Änderungen an bestehenden Anlagen vorgenommen werden, müssen Bahn, Bund und Straßenbaulastträger – also der Eigentümer der Straße – dies vereinbaren.

Diese Gemeinschaftsaufgabe wird auch bei der Kostenverteilung deutlich. So schreibt der Gesetzgeber im § 3 des Eisenbahnkreuzungsgesetzes (EKrG) vor, dass die Kreuzungspartner Kosten für Maßnahmen, die aus Gründen der Sicherheit oder Abwicklung des Verkehrs an BÜ erforderlich sind, zu je einem Drittel tragen müssen.

Um festzustellen, ob die am Bahnübergang vorhandene Beschilderung und / oder Technik in ihrem Zustand noch ausreichend ist bzw. ob sie erneuert werden muss, finden turnusmäßig alle zwei Jahre bzw. bei Änderungen der Rahmenbedingungen (z.B. wenn in der Nähe des Bahnübergangs ein Wohngebiet entsteht, das ein erhöhtes Verkehrsaufkommen auf der Straße nach sich zieht) so genannte Verkehrsschauen statt.

Wussten Sie schon, dass…

  • … sich die Zahl der Bahnübergänge im Netz der Deutschen Bahn seit 1950 mehr als halbiert hat?
  • … die heute noch vorhandenen 16.871 Bahnübergänge der niedrigste Wert in der Geschichte der DB AG sind?
  • … dass Bahn, Gemeinde und Eigentümer der Straße gemeinsam über die Beseitigung von Bahnübergängen entscheiden?
  • …  jährlich mehrere Millionen Euro in technische Ausrüstung und Beseitigung von Bahnübergängen fließen?
  • … über 61 Prozent der Bahnübergänge bei der Deutschen Bahn technisch gesichert sind mit Blinklicht, Lichtzeichen sowie Voll- oder Halbschranken?
  • … die Sicherung eines Bahnübergangs davon abhängt, wie hoch die Geschwindigkeit sowie Verkehrsdichte auf der Schiene und der kreuzenden Straße ist?
  • … auf Bahnstrecken, bei denen Züge mit mehr als 160 Stundenkilometern unterwegs sind, Bahnübergänge nicht erlaubt sind?
  • … alle zwei Jahre Verkehrsschauen an den Bahnübergängen stattfinden, bei denen Gemeinden, Ordnungsbehörden und DB zusammen prüfen, ob die Ausstattung der Anlage noch ausreichend ist?
  • …  die Bahn bei der technischen Ausrüstung von Bahnübergängen neben konventionellen Methoden auch innovative Techniken erprobt?
  • …  die meisten Unfälle am Bahnübergang wegen Leichtsinn, Ungeduld und Unkenntnis über die Bedeutung des Andreaskreuzes und der  technischen Sicherung passieren?
  • …  die Zahl der Bahnübergangsunfälle seit 1995 durch kontinuierliche Aufklärung und Beseitigung der Anlagen um gut drei Viertel gesunken ist (von 603 auf 140)?
  • … sich 2016 auf deutschen Straßen über 2,5 Millionen Unfälle ereignet haben, an Bahnübergängen der Deutschen Bahn im gleichen Zeitraum 140? Das sind 0,005 Prozent.