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Vorstand und Aufsichtsrat

Vorwort

Sehr geehrte Damen und Herren,

das Jahr 2011 war für den DB-Konzern ein sehr gutes Jahr. Wir haben gemeinsam einen Rekordumsatz von 37,9 Milliarden Euro erwirtschaftet und liegen damit mehr als 10 Prozent über dem Vorjahr. Wir haben unseren Kunden Tag für Tag bewiesen, dass wir bei Service und Qualität in die Offensive gehen. Wir haben große Infrastrukturprojekte umgesetzt. Wir haben sowohl im Regionalverkehr als auch im Schienengüterverkehr neue Märkte erschlossen. Und wir haben nicht zuletzt fast 10.000 neue Kollegen und rund 3.600 neue Auszubildende begrüßt und in unsere Familie integriert.

Dies alles ist eine enorme Teamleistung. Dafür gebührt all unseren über 295.000 Mitarbeitern der Dank des gesamten Konzernvorstands. Unser Dank gilt ebenso unseren Kunden und Partnern, die uns auch im Jahr 2011 auf unserem Weg, das weltweit führende Mobilitäts- und Logistikunternehmen zu werden, ihr Vertrauen geschenkt haben.

Dieses Vertrauen ist die Basis für eine erfolgreiche Bilanz 2011. Zu unserem Umsatzrekord hat unser neues Geschäftsfeld DB Arriva akquisitionsbedingt rund 2 Milliarden Euro beigetragen. Aber auch auf vergleichbarer Basis liegen wir mit einem Umsatz von 35,9 Milliarden Euro deutlich über dem Vorkrisenjahr 2008 und 4,3 Prozent über dem Vorjahreswert. Mit einem bereinigten EBIT in Höhe von 2,3 Milliarden Euro haben wir unser operatives Ergebnis gegenüber 2010 um rund 24 Prozent verbessert.

Der Treiber dieses Wachstums ist vor allem DB Schenker. Der Schienengüterverkehr und die Logistik haben im zurückliegenden Jahr von der guten Konjunkturentwicklung profitiert. Der Personenverkehr, der fast die Hälfte unseres bereinigten EBIT erbracht hat, war auf hohem Niveau stabil, denn alle Geschäftsfelder des Personenverkehrs konnten beim bereinigten EBIT zulegen.

Für uns bedeutet dieses Ergebnis, dass wir die Folgen der Weltwirtschaftskrise 2008/2009 überwunden haben und sehr gut aufgestellt sind. Gleichzeitig haben wir bereits im Jahr 2011 eine konjunkturelle Abkühlung gespürt. Am deutlichsten zeigt sich die abnehmende Dynamik beim Luftfrachtgeschäft, das zum Jahresende deutlich zurückgegangen ist. Während Experten für das Jahr 2012 derzeit mit einem Weltwirtschaftswachstum von bis zu 2,5 Prozent rechnen, wird für die Euro-Zone kein Wachstum erwartet. Die Unsicherheiten und Risiken bleiben in jedem Fall hoch, und wir müssen uns weiterhin auf eine volatile Entwicklung einstellen.

Im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen jedoch der Kunde und unsere Service- und Betriebsqualität. In der Kommunikation mit dem Kunden haben wir ein neues Maß an Offenheit und Transparenz erreicht: Seit September 2011 veröffentlichen wir jeden Monat detailliert die Pünktlichkeitswerte unserer Fern- und Regionalzüge im Internet. Und seit Ende des Jahres nutzen wir Facebook und Twitter, um in kürzester Zeit zu informieren und auf Kundenanliegen reagieren zu können.

Was die Betriebsqualität betrifft, so haben wir allein zur Wintervorbereitung im vergangenen Jahr 70 Millionen Euro investiert und damit zum Beispiel zusätzliche Enteisungsanlagen, Weichenheizungen und Schneeräumfahrzeuge angeschafft. Wir haben neue Züge für den Regionalverkehr bestellt und mit dem Vertrag über den ICx, der ab 2016 im Fernverkehr eine neue Ära einläuten wird, die größte Einzelinvestition in der Geschichte des DB-Konzerns beschlossen. Gleichzeitig haben wir mit der Modernisierung unserer ICE-2-Flotte begonnen.

Auch viele unserer Bahnhöfe sind im vergangenen Jahr komfortabler, schöner und umweltfreundlicher geworden. Wir konnten im Dezember fristgerecht alle Arbeiten im Rahmen der Konjunkturprogramme des Bundes abschließen. Von dem Programm haben rund 2.100 Bahnhöfe in Deutschland profitiert. Mit gleichem Elan setzen wir die Bahnhofsmodernisierung in diesem Jahr fort.

Bei der Schieneninfrastruktur haben wir große Baumaßnahmen umgesetzt. Ein Beispiel für die Maßnahmen im Bestandsnetz war die Modernisierung der Strecke Berlin–Hannover–Bielefeld. In knapp fünf Monaten haben wir hier mehr als 186 Kilometer Schienen, 21 Weichen, rund 130.000 Schwellen und gut 110.000 Tonnen Schotter erneuert. Um die Beeinträchtigungen für die Reisenden möglichst gering zu halten, fanden die Arbeiten jeweils an einem Gleis statt, während der Zugverkehr auf dem anderen Gleis weiterrollte.

Bei den Neubauprojekten war 2011 das Jahr der Tunnel. So gab es beim Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE Nr. 8), der Aus- und Neubaustrecke zwischen Nürnberg–Erfurt–Leipzig/Halle und Berlin im vergangenen Jahr allein sechs Tunneldurchschläge. Alle 25 Tunnel der Strecke sind inzwischen in Arbeit. Das VDE Nr. 8 ist ein wichtiges Zukunftsprojekt für den Schienenverkehr in Deutschland und wird die Reisezeit von München nach Berlin auf vier Stunden verkürzen.

Ein weiteres Zukunftsprojekt sind Stuttgart 21 und die Neubaustrecke Wendlingen–Ulm. Hier hat im Juli 2011 der Stresstest die Leistungsfähigkeit des neuen Bahnhofs bestätigt. Im November haben die Baden-Württemberger bei einer Volksabstimmung mit über 58 Prozent klar für die Weiterführung des Projekts gestimmt. Wir setzen nun die Bauarbeiten unter Hochdruck fort, damit die Menschen im Südwesten Deutschlands so bald wie möglich die Vorteile des neuen Bahnhofs nutzen können.

Das Jahr 2011 hat uns auch bei der Erschließung neuer Märkte vorangebracht. So haben wir neue Bus- und Regionalzugverkehre auf Malta und in Schweden aufgenommen. In Stockholm haben wir die bislang größte Nahverkehrsausschreibung Schwedens gewonnen. Die Betriebsaufnahme beginnt in zwei Stufen im August 2012 und im Januar 2013. In Großbritannien haben wir die »Grand Central Railway« gekauft und sind damit nun auch im Bereich der eigenwirtschaftlichen Schienenverkehre (»Open Access Operations«) aktiv.

Im Schienengüterverkehr bieten wir erstmals zwischen London und dem europäischen Festland Verkehre mit kontinentaleuropäischen Lademaßen an, zum Beispiel nach Breslau. Die Nachfrage ist sehr groß und wir planen weitere Direktverbindungen von London aus.

Wir haben im Jahr 2011 wichtige Entscheidungen getroffen, um unsere gute Wettbewerbsposition im Markt zu verteidigen. Dabei werden neben der Kundenorientierung und der Wirtschaftlichkeit auch soziale und ökologische Aspekte immer wichtiger, um den Erfolg des Unternehmens nachhaltig zu sichern. So haben wir einen Vertrag über die Lieferung von jährlich rund 900 Millionen Kilowattstunden Strom aus Wasserkraft abgeschlossen, beziehen Strom aus inzwischen drei Windparks und haben den Bau des ersten Hybridkraftwerks unterstützt. Wir werden dieses Engagement für erneuerbare Energien und die Reduzierung unserer spezifischen CO2-Emissionen in den nächsten Jahren konsequent ausbauen. Unser Ziel ist es, Vorreiter beim Thema Umwelt zu sein. So haben wir zum Beispiel beschlossen, dass wir bis 2020 mindestens 35 Prozent erneuerbare Energien einsetzen wollen.

Genauso konsequent werden wir unser Arbeitgeberimage verbessern. Die Ansatzpunkte sind vielfältig; erste Schritte im Jahr 2011 waren zum Beispiel die Einführung einer befristeten Auszeit für Führungskräfte oder die Entscheidung zur Erhöhung des Frauenanteils bei Mitarbeitern und Führungskräften. Wir stehen vor der Aufgabe, jedes Jahr 5.000 bis 7.000 neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einzustellen. Wir brauchen Mitarbeiter, die mit Begeisterung für die DB und unsere Kunden arbeiten. Denn nur mit begeisterten Mitarbeitern gewinnen wir zufriedene Kunden.

Unser Anspruch ist es, Ökonomie, Soziales und Ökologie in Einklang zu bringen. Dies ist unternehmerisch eine große Herausforderung, aber wir sind überzeugt, dass es der richtige Weg ist, um dem DB-Konzern nachhaltigen Unternehmenserfolg und gesellschaftliche Anerkennung zu sichern.

Herzlichst
Ihr

Dr. Rüdiger Grube
Vorstandsvorsitzender der
Deutsche Bahn AG

Letzte Aktualisierung: 11.05.2012

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