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Sicherheit bei der Deutschen Bahn

Statistik: Bahn sicherer als der öffentliche Raum • DB gibt jährlich rund 160 Millionen Euro für Sicherheit aus • Gewalt und Vandalismus im Bahnbereich gehen zurück • Einsatzkonzept für Sicherheitskräfte

(Berlin, April 2016)  Jugendliche kriegen sich nach einem Diskothekenbesuch angetrunken in die Haare, Fußballfans lassen nach einem verlorenen Auswärtsspiel ihren Frust ab, bei einer Clique kommt es zu Streitereien. Tatort: Immer wieder die Züge und Bahnhöfe der Deutsche Bahn. Und oft kennen sich Täter und Opfer, gehören einem Milieu an und sind der Polizei schon bekannt. Was bleibt, das Gefühl Bahn zu fahren sei unsicher. Doch die Fakten zur Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen belegen das Gegenteil: Bahnfahren ist sicher, der Aufenthalt auf Bahnhöfen sicherer als der Aufenthalt im übrigen öffentlichen Raum. Die registrierten Gewalttaten sowie der Vandalismus in Zügen und Bahnhöfen gehen insgesamt deutlich zurück.

Die Bahn ist Teil des öffentlichen Raums. Sie ist Spiegelbild der Gesellschaft. Wo tagsüber Manager in Anzügen auf dem Bahnsteig stehen und auf ihren Zug warten, kann sich abends schnell ein Gefühl der Unsicherheit breitmachen, wenn man allein unterwegs ist. Kriminologen kennen dieses Phänomen als Kriminalitätsfurcht-Paradox. Parkanlagen, Parkhäuser oder eben auch Bahnhöfe sind mit Anbruch der Nacht klassische Angsträume, die nur schwer von ihrem Stigma befreit werden können. Mit harten Zahlen lässt sich die Angst nicht begründen, es passiert hier nachts nicht viel mehr als am Tag. Dennoch bleibt bei vielen Menschen ein mulmiges Gefühl. Experten sprechen in diesem Fall vom subjektiven Sicherheitsgefühl.

Offenes System Bahn ist Teil des öffentlichen Raums

Die Bahn ist ein offenes System. Damit werden auf Bahnsteigen und in Zügen auch all jene Konflikte ausgetragen, die auch auf Plätzen und Straßen in den Städten stattfinden. Zwar registrierte die Bundespolizei 2015 in Zügen und auf Bahnhöfen 12.500 Körperverletzungsdelikte und damit 1.100 weniger als im Vorjahr. Der statistische Vergleich bestätigt jedoch, dass bei der Bahn viel weniger passiert als andernorts: Täglich nutzen 7,4 Millionen Menschen Bussen und Bahnen DB. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl von Niedersachsen. Mit mehr als 53.000 Körperverletzungsdelikten pro Jahr ist die Zahl rund vier Mal so hoch in dem Bundesland wie im Bereich der Bahn.

Diese Zahlen belegen: Die Bahn ist sicherer als andere öffentliche Räume. Ein Blick in die Statistik macht zudem deutlich, dass ein Großteil aller Rohheitsdelikte im Zusammenhang mit Massenveranstaltungen registriert wird und so die Statistik nach oben treibt. Fußballspiele, Konzerte oder Volksfeste, aber auch der Partyverkehr in den Wochenendnächten, wenn stark alkoholisierte Jugendliche unterwegs sind, lassen die Statistik in die Höhe schnellen. Alleine im Umfeld des Münchner Oktoberfests ereignen sich beispielsweise 20 Prozent aller Straftaten, die in bayerischen Zügen und Bahnhöfen pro Jahr registriert werden. 

Unter den folgenden Überschriften finden sich Details zu einzelnen Aspekten:

Mit besonderer Sorge beobachtet die DB die im letzten Jahr erneut um 20 Prozent auf rund 1.800 angestiegene Zahl von Übergriffen gegen ihre eigenen Mitarbeiter. Obwohl ernste Verletzungen von Mitarbeitern zum Glück die Ausnahme sind, stellt die DB eine Zunahme von Aggression fest. Der überwiegende Anteil der Übergriffe betrifft das Sicherheitspersonal der Bahn (rund 60 Prozent aller Taten). Mehr als 90 Prozent dieser Angriffe ereignen sich spontan und werden juristisch als einfache Körperverletzung eingestuft.

Rund 80 Prozent dieser Zwischenfälle entstehen bei der Durchsetzung des Hausrechts oder Fahrkartenkontrollen durch Sicherheitskräfte. Seit Anfang 2014 hat die DB die Präsenz eigener Sicherheitskräfte an hoch frequentierten Stationen verstärkt. Das konsequente Durchsetzen der Hausordnung führt jedoch auch zu vermehrten Attacken gegen Sicherheitskräfte. So werden die DB-Mitarbeiter beim Hinweis auf Rauchverbote, die Leinenpflicht für Hunde oder das Freihalten von Flucht- und Rettungswegen angespuckt, geschlagen und gestoßen. Mit der konsequenten Anzeige jeder Tat sowie straf- und zivilrechtlicher Verfolgung stellt die DB klar, dass Angriffe auf Bahnmitarbeiter keine Kavaliersdelikte sind.

Die DB bietet ihren Mitarbeitern systematisch Deeskalations- und Eigensicherungstrainings an. In diesen Schulungen lernen die Sicherheitskräfte und Zugbegleiter schwierige Situationen richtig einzuschätzen und anhand von Mimik und Körpersprache frühzeitig zu erkennen, ob und wann von einem Kunden eine Gefahr ausgeht. Vor allem aber lernen sie Verhaltenstechniken, um diese Gefahrensituationen zu entschärfen. Die Sicherheitskräfte der DB werden sechs Tage pro Jahr geschult, um schwierige Situationen zu deeskalieren, ohne sich selbst zu gefährden. Neben der Prävention hat die DB auch die Nachsorge weiter ausgebaut. So können sich Mitarbeiter, die angegriffen wurden, zunächst - auch anonym - beraten lassen und die Hilfe von Spezialisten zur Nachsorge in Anspruch nehmen. Zugleich analysiert die DB jeden einzelnen Fall, um wiederkehrende Verhaltensmuster und Schwerpunkte noch besser zu erkennen. Die Erkenntnisse daraus fließen in die Ausbildung, das Sicherheitskonzept und die Personalplanung ein.

Die Gefahrenabwehr im Bereich der Bahn ist Aufgabe der Bundespolizei. Sie ist mit rund 5.000 Beamten bundesweit für die Sicherheit in Zügen und Bahnhöfen neben der DB verantwortlich. Kommt es zu einem Zwischenfall, ist oft die Bundespolizei gefragt, die über die kostenlose Rufnummer 0800 68 88 000 zu erreichen ist.

Die DB-eigenen Sicherheitskräfte haben keine Polizeibefugnisse, sondern nur Jedermann-Rechte. So können sie beispielsweise den Täter einer möglichen Straftat festhalten, bis die Bundespolizei kommt. Eine weitere Rechtsgrundlage der DB-Sicherheitskräfte sind die Hausordnungen und Beförderungsbedingungen.

Natürlich hat die DB eine unternehmerische Verantwortung für die Sicherheit ihrer Kunden. Sie definiert deutschlandweit geltende Standards zum Schutz der Kunden und Mitarbeiter. Doch die entscheidenden Regelungsmöglichkeiten besitzen die Besteller der Regionalverkehre, also die Länder und ihre Bestellerorganisationen. In den Ausschreibungen dringt die DB schon heute darauf, dass mehr für die Sicherheit getan wird und feste Standards, wie beispielsweise Bestreifungsquoten, vorgeschrieben werden. Denn im Regionalverkehr werden von den Bahnunternehmen genau die Leistungen erbracht, die von den Verkehrsverbünden in den Ausschreibungen gefordert werden. Sicherheit muss nach Ansicht der DB hier ein fester Bestandteil werden. Auf diesen Punkt weisen auch immer wieder die Bahn-Gewerkschaften hin. Eine Lösung des Problems liegt dabei auf der Hand: Über Verkehrsverträge kann schon heute ein bedeutend höheres Maß an Sicherheit für die Kunden realisiert werden. So ist in vielen Verkehrsverträgen die Präsenz von Sicherheitspersonal vereinbart und entsprechend in der Kalkulation enthalten.

Rund 160 Millionen Euro investiert die DB pro Jahr in die Sicherheit. Hinzu kommen weitere Investitionen Dritter – zum Beispiel in die Nachrüstung von Videotechnik in Nahverkehrszügen, die in einigen Regionen ganz oder teilweise von den Ländern finanziert wird. Die rund 3.700 Sicherheitskräfte im Dienst der DB bleiben die wichtigste Säule des Sicherheitskonzeptes. Denn Sicherheitsexperten sind sich einig: Nur die Präsenz von Personal sorgt für nachhaltige Effekte. Insbesondere wird so das subjektive Sicherheitsgefühl der Reisenden gestärkt. Dabei erhalten die Kräfte der Bundespolizei und die eigenen Sicherheitskräfte der DB AG Unterstützung von 3.000 Servicemitarbeitern auf den Bahnhöfen, 4.800 Zugbegleitern im Nahverkehr sowie den 4.000 Zugbegleitern im Fernverkehr. Deren Aufgabe ist es nicht, in kritischen Situationen einzugreifen, aber notfalls schnell Hilfe zu holen. Die 3-S-Zentralen und regionale Leitstellen der Bahn rufen im Gefahrenfall Einsatzkräfte an den Ort des Geschehens. In kürzester Zeit fällt die Entscheidung, wer am schnellsten eingreifen kann und Bundespolizei, DB Sicherheit oder die jeweilige Landespolizei werden zum Ereignisort geschickt. Die mit der Bundespolizei im Jahr 2000 vereinbarte Ordnungspartnerschaft haben die DB und das Bundesinnenministerium 2010 erneuert. Gemeinsam betreiben Bahn und Bundespolizei das Sicherheitszentrum Bahn, das rund um die Uhr alle Bahn-relevanten Sicherheitsthemen im Blick hat. Beamte der Bundespolizei und DB-Mitarbeiter beobachten und bewerten hier gemeinsam Ereignisse und Meldungen. Entscheidungen und Anordnungen gelangen von hier schnell zu Führungskräften und Leitstellen von Bahn und Polizei. Ergänzend werden Mitarbeiter von DB und Bundespolizei zu bestimmten Themen zusammen weitergebildet, um das gemeinsame Vorgehen in Einsatzsituationen zu stärken.

Auch mit den Polizeibehörden der Länder, den Feuerwehren und Hilfsdiensten steht die DB in engem Dialog, um Sicherheitsmaßnahmen abzustimmen und zu planen. Standardsituationen oder fiktive Szenarien sind Gegenstand gemeinsamer Übungen. Alle Sicherheitsorganisationen arbeiten so als eingespieltes Team zusammen und bilden das Fundament der vernetzten Sicherheitsstrategie der DB.

Um die Sicherheit der Reisenden kümmern sich die Deutsche Bahn und die Bundespolizei gemeinsam: Dabei stellt Videotechnik neben der Präsenz von Sicherheitspersonal eine wichtige Säule des Sicherheitskonzepts dar. Für die DB dient Videotechnik in erster Linie der Beobachtung und Überwachung betrieblicher Abläufe und zur Hausrechtswahrung. Aufgabe der Bundespolizei hingegen sind Gefahrenabwehr und Strafverfolgung auf Bahnhöfen und in Zügen. Allerdings: einen gewaltbereiten, oftmals im Affekt handelnden Täter kann keine Kamera abhalten. Doch können die Bilder nach einer Straftat wichtige Beweise bei der Strafverfolgung liefern. Derzeit sind etwa 5.000 Kameras an rund 700 Bahnhöfen im Einsatz. Weitere 27.000 Videokameras sind in Regional- und S-Bahnzügen der DB installiert, Tendenz zunehmend. Damit sind mehr als 80 Prozent der Fahrgastströme von Kameras erfasst. 

Das Bundesministerium des Innern und die Deutsche Bahn AG haben 2013 vereinbart, dass bis 2019 rund 60 Millionen Euro in Modernisierung und Ausbau von Videotechnik an Bahnhöfen fließen sollen. 2015 haben DB und Bund das Programm auf 10 Jahre verlängert und das Investitionsvolumen auf 85 Millionen erhöht.

Bundespolizei und Deutsche Bahn planen die Installation der neuen Videotechnik gemeinsam. Der erste Bahnhof, bei dem die neue Videotechnik bereits zum Einsatz kommt, ist der Berliner Bahnhof Ostkreuz. In Mannheim ist die neue Videoanlage seit Sommer 2015 in Betrieb. In den Hauptbahnhöfen von Nürnberg, Hamburg und Bremen beginnen noch in diesem Jahr die Arbeiten für die Modernisierung und Erweiterung der Videotechnik. Die Auswahl der Bahnhöfe des Videoprogramms treffen die DB, das Bundesministerium des Innern und die Bundespolizei nach bahnbetrieblichen und polizeifachlichen Kriterien.

Den Zugriff auf die von Videokameras in den Bahnhöfen aufgezeichneten Bilder hat in jedem Fall allein die Bundespolizei. 

Im Kampf gegen Kriminelle setzt die DB zunehmend auf Technik. Bereits im Praxiseinsatz sind Farbpatronen in den Geldkassetten von Fahrschein-automaten. Bei Erschütterungen sorgen die Patronen dafür, dass alle Geldscheine mit einer nicht ablösbaren Farbe durchtränkt werden. Das Geld ist damit wertlos, der Aufbruch sinnlos. Nachdem im Jahr 2015 mit 450 etwa 20 Prozent mehr Automaten aufgebrochen wurden als im Vorjahr, hofft die DB, die Zahl weiter zu reduzieren. Besonders ärgerlich: Obwohl die Automaten wegen häufiger Leerungen oft nur wenige hundert Euro an möglicher Beute enthalten, kann der Ersatz eines beschädigten Automaten bis zu 30.000 Euro kosten.

Oftmals ist es nur kleines Gekritzel, häufig überzieht es ganze Wände, oft verunstaltet es Züge: Graffiti. Die DB geht energisch dagegen vor. Jeder einzelne Fall ist eine Straftat.  Im Jahr 2015 konnte die DB einen Rückgang um 15 Prozent auf 16.250 Fälle registriert. Der entstandene Schaden lag bei über  8 Millionen Euro. Ein Grund für den Rückgang ist die verstärkte personelle Präsenz und der zunehmende Einsatz von Technik zum Schutz vor Graffiti.

Neben der intensiven Zusammenarbeit mit der Bundespolizei zeigt vor allem das verbesserte Einsatzkonzept der DB eigenen Sicherheitskräfte Wirkung. Konzertierte Einsätze an Schwerpunkten und eine verstärkte Bestreifung von Abstellanlagen haben die Zahl der auf frischer Tat gestellten Täter deutlich erhöht. Spezielle Einsatz-Teams der DB Sicherheit in den Ballungsgebieten haben im Jahr 2015 rund 300 Sprayer auf frischer Tat ertappt.

In der Graffitiszene genießen die Sprayer die größte Beachtung, die einen ganzen Zug verschandeln, oder neudeutsch „bomben“. In einem solchen Fall geht der Schaden schnell in die Zehntausende. Die einzelnen Lackschichten müssen Schicht für Schicht mit hohem Aufwand abgetragen werden. Die Umweltbelastungen sind groß. Mit Schutzlacken versucht die Bahn hier einen Vorsprung gegenüber den Sprayern zu erlangen. 

Was den wenigsten Tätern klar ist: Auch wenn sie strafrechtlich unter das Jugendstrafrecht fallen und oft sogar ohne Strafe davonkommen, kann die DB den materiellen Schaden als zivilrechtliche Schadensersatzforderung über 30 Jahre im Nachhinein geltend machen. Forderungen von oft vielen Tausend Euro können so noch Jahre später eingefordert werden, auch wenn der Täter zum Zeitpunkt der Tat minderjährig war oder kein Einkommen hatte.

Im April 2016 stellte die Deutsche Bahn AG ihren Sicherheitsbericht für das Bundesland Nordrhein-Westfalen vor. 

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