Deutsche Bahn
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10.02.2016 Frankfurt am Main

Vom Stellhebel zum Mausklick: Wie die Bahn in ihrem Schienennetz täglich 40.000 Züge steuert

Mehr als 12.000 Fahrdienstleiter bundesweit stellen Weichen und Signale • Investitionen in moderne Leit- und Sicherungstechnik zur Steigerung der Leistungsfähigkeit des Eisenbahnbetriebs

Rund 40.000 Züge im Personennah-, -fern- und Güterverkehr sind tagtäglich auf dem deutschen Schienennetz unterwegs, bringen Millionen Reisende von A nach B oder Güter zur rechten Zeit zu ihrem Bestimmungsort. Gesteuert wird der Zugverkehr durch bundesweit rund 3.000 Stellwerke.

So lange es die Eisenbahn gibt, wird an der Verbesserung von Abläufen im Betrieb gearbeitet. Denn das technische System Rad / Schiene eignet sich sehr gut dazu, die Steuerung und Überwachung von Betriebsabläufen weitgehend zu automatisieren.

Betriebliche Grundlage auf Strecken mit konventioneller Leit- und Sicherungstechnik ist das Fahren im durch Hauptsignale begrenzten Raumabstand. Das heißt, nur ein Zug darf in einen freien Streckenabschnitt eingelassen werden. Die Gleise in den Bahnhöfen und deren Fortsetzung auf der Strecke bilden den Fahrweg der Züge. Weichen ermöglichen den Wechsel von einem Gleis zum anderen. Der Fahrweg der Züge wird eingestellt, gesichert und dadurch zur Fahrstraße. Durch die Fahrtstellung eines Signals wird die Fahrstraße freigegeben.

Das Einstellen der Fahrstraßen bedeutet das Stellen und Sichern aller für eine Zugfahrt erforderlichen Weichen und Signale vom Stellwerk. Zahlreiche technische Sicherungen und Abhängigkeiten verhindern, dass die Fahrstraße während einer Zugfahrt verändert oder von einer anderen Zugfahrt benutzt werden kann. Die Durchführung von Zugfahrten wird durch Fahrdienstleiter auf Grundlage von Fahrplänen geregelt. Dazu bedient man sich des so genannten Zugmeldeverfahrens. Dieses ist erforderlich, um für den jeweiligen Zug die richtige Fahrstraße zu wählen sowie Signale rechtzeitig zu stellen.

Einst wurden die Züge durch Fahrdienstleiter von Bahnhof zu Bahnhof geleitet. Aufgrund des gestiegenen Verkehrsaufkommens und daraus resultierender zunehmender Streckenbelegung waren die Möglichkeiten der örtlichen Fahrdienstleiter für die Disposition auf Grund der damaligen Technik jedoch bald erschöpft. Um das wachsende Verkehrsaufkommen zu bewältigen, wurden daher übergeordnete betriebsleitende Stellen eingerichtet, die den Zugverkehr überwachten und den Sonderverkehr organisierten.

Bis Ende der neunziger Jahre des 20. Jahrhunderts gab es bundesweit 15 regionale und zwei zentrale Betriebsleitungen. Heute wird die Betriebsführung in der Netzleitzentrale Frankfurt am Main und in sieben Betriebszentralen Berlin, Duisburg, Frankfurt am Main, Hannover, Karlsruhe, Leipzig und München sowie den beiden Betriebszentralen für den S-Bahnverkehr in Berlin und Hamburg konzentriert.

Der Betriebsablauf für das komplette Streckennetz wird von der Netzleitzentrale disponiert. Hier überwachen die Mitarbeiter rund um die Uhr Züge des Personenfernverkehrs, des überregionalen Güterverkehrs sowie Sonderverkehre. Zusätzlich werden Kontakte zu den ausländischen Bahnen gehalten und die sieben Betriebszentralen koordiniert. Letztere steuern, überwachen und disponieren den regionalen Eisenbahnbetrieb aus einer Hand, da die Aufgaben der Fahrdienstleiter mit denen der Zugdisponenten verschmelzen.

(Stand: Juli 2014)

In den Anfängen der Eisenbahn stellten Bahnmitarbeiter Signale und Weichen noch einzeln unmittelbar vor Ort. Mit zunehmender Dichte von Streckennetz und Zugverkehr wurde es jedoch bald notwendig, technische Lösungen zu schaffen und Bedieneinrichtungen für Weichen und Signale in Stellwerken zusammenzufassen.

Mechanische Stellwerke 
Bei dieser Bauart werden Signale und Weichen über Hebel und Drahtzüge per Hand gestellt. Weichen können damit nur bis zu 800 und Signale bis maximal 1.800 Meter Entfernung gestellt werden. Die Stellbezirke, also die Streckenabschnitte, für die der Fahrdienstleiter in seinem Stellwerk verantwortlich ist, sind daher vergleichsweise klein. Hinzu kommt, dass sich der Stellwerksmitarbeiter per Augenschein davon überzeugen muss, ob das Gleis, in das ein Zug fahren soll, auch wirklich frei ist. Größere Bahnhöfe erfordern deshalb stets mehrere dieser Stellwerke.

Elektromechanische Stellwerke 
Diese Bauform wandelt mechanische Bedienhandlungen des Personals in elektrische Impulse um. Weichen und Signale stellen sich elektrisch um. Die Betriebszustände der Signale und Weichen werden im Stellwerk über verschiedenfarbige Lichtpunkte angezeigt. Der Fahrdienstleiter überzeugt sich per Augenschein davon, dass die Gleise für Zug- oder Rangierfahrten frei sind. 

Relaisstellwerke
Die Gleispläne der Bahnhöfe und der angrenzenden Streckenabschnitte sind bei diesem elektrischen Stellwerk schematisch auf Stelltischen abgebildet. Hier werden alle Bedienhandlungen vorgenommen und Betriebszustände angezeigt. Die Gleise werden überwiegend automatisch frei gemeldet. 

Elektronische Stellwerke (ESTW) 
Bei dieser Bauart werden die Signale und Weichen mit Computertechnik per Mausklick gestellt. Fahrdienstleiter können in den ESTW größere regionale Bereiche steuern und überwachen. Viele Fahrdienstleiter arbeiten inzwischen in bundesweit sieben Betriebszentralen, wodurch ein hoher Automatisierungsgrad in der Betriebsführung erreicht wird. 

Ein elektronisches Stellwerk


Anzahl Stellwerke in Deutschland nach Bauart
 (Quelle: Daten aus dem Infrastrukturzustandsbericht 2014)

BauformAnzahlAnteil am Gesamtbestand
Mechanische Stellwerke83927%
Elektromechanische Stellwerke33910%
Relais- / Drucktastenstellwerke1.39745%
Elektronische Stellwerke42413%
Sonstige Bauformen912%
Summe3.090