Deutsche Bahn
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20.10.2015 Leipzig

Per Funk zum Ziel

Als erste Strecke in Deutschland bekommt Erfurt-Halle/Leipzig neues Streckenleitsystem

Das europäische Schienennetz wird moderner, die technischen Systeme der einzelnen Länder werden schrittweise harmonisiert. Als wesentlicher Baustein für das grenzüberschreitende Zusammenwachsen Europas im Bahnverkehr wird derzeit an der Installation des Zugbeeinflussungssystems ETCS (European Train Control System) gearbeitet, das die bisher mehr als 20 existierenden nationalen Zugleit- und Sicherungssysteme in Europa ablösen soll. Kern ist die ständige Kommunikation zwischen Zug und Streckenzentrale über Funk. Diese neue Technologie macht Verbindungen schneller und sicherer. Ein langwieriger Wechsel zwischen den Systemen bei Fahrten über die Grenzen wird dann nicht mehr nötig sein.

Die erste in Deutschland mit dem System ausgerüstete Strecke geht im Dezember zwischen Leipzig/Halle und Erfurt ans Netz. Der Abschnitt im Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 8 (VDE 8) ist damit eine der modernsten Bahnstrecken Europas und kann durch die automatische Steuerung mit bis zu 300 km/h befahren werden. Mit herkömmlicher Technik ist das schwer möglich, denn ein Triebfahrzeugführer kann Signale an der Strecke bei Geschwindigkeiten von 250-300 km/h nicht mehr manuell überwachen und darauf reagieren.


Das ETCS System

Kern des ETCS, in der Version ETCS Level 2, ist ein kontinuierlicher Informationsaustausch zwischen Fahrzeug und Gleisen. Die Strecke wird zentral elektronisch geprüft und freigegeben, die Züge von der Betriebszentrale geleitet. Sogenannte Eurobalisen, magnetisch gekoppelte Transponder auf der Strecke, funktionieren als elektronische Kilometersteine. Sie übertragen standortbezogene Informationen an das Fahrzeug - Position und Verlauf des Zuges sind damit immer abrufbereit und steuerbar.

Durch die schneller befahrbaren Strecken werden auf dem Weg von Erfurt nach Halle und Leipzig rund 30 Minuten eingespart.

Wozu ist ETCS da, wie funktioniert es und wie wird es von der Betriebszentrale in Leipzig gesteuert? Hören Sie hier dazu den Kommentar von Jens Jäger, Bezirksleiter in der Betriebszentrale Leipzig:




Elektronische Stellwerke in den Regionen

Bedient und überwacht wird das System in den regionalen Betriebszentralen in denen die Aus- und Neubaustrecke komplett über Elektronische Stellwerke (ESTW) gesteuert wird. Insgesamt 17 so genannte ESTW-Unterzentralen (zwölf an der Strecke, fünf in den Knoten Erfurt, Leipzig und Halle) sind direkt mit den Betriebszentralen in Leipzig und München verbunden, von wo die Fahrdienstleiter per Computer die Fahrstrecken regeln.

Die Betriebszentrale Leipzig, von der aus das gesamte Streckengeschehen der Region Südost gesteuert wird, befindet sich in der Nähe des Hauptbahnhofs. Von hier werden die knapp 6.000 Kilometer umfassenden Oberleitungsnetze des Regionalbereichs Südost gesteuert und überwacht.