Deutsche Bahn
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08.11.2017 München

Bahnübergänge: Wo Straße und Schiene sich kreuzen

Anzahl von Bahnübergängen in Bayern innerhalb von 25 Jahren halbiert • Gemeinschaftsaufgabe von Bund, Bahn und Straßenbaulastträger

In Bayern hat die Deutsche Bahn in den vergangenen 25 Jahren die Anzahl an Bahnübergängen halbiert, von 7000 auf aktuell rund 3100. Vielfach führen heute Straßenbrücken über die Gleise oder kleinere Übergänge etwa für Feldwege werden gänzlich aufgelassen. Von den 3100 Bahnübergängen verfügen rund 1500 über eine technische Sicherung. Insgesamt hat das Flächenland Bayern die meisten Bahnübergänge. Dies korreliert mit der Anzahl von Unfällen. Im Jahr 2016 ereigneten sich bayernweit an den Bahnübergängen im Netz der Deutschen Bahn 35 Unfälle. Das sind 22 Kollisionen weniger als 2012. Dabei hätten die Kollisionen an den Kreuzungen von Straße und Schiene in über 90 Prozent der Fälle durch richtiges Verhalten der Fahrzeuglenker und Fußgänger vermieden werden können.

Daher setzt die Bahn gerade auch in Bayern auf intensive Aufklärung. Ein weiteres Ziel ist es, in Zusammenarbeit mit den anderen verantwortlichen Stellen, die Anzahl der Bahnübergänge weiter zu verringern bzw. die Sicherungsanlagen bei veränderter Verkehrssituation an die neuen Gegebenheiten anzupassen.

Bahnübergänge an kleineren Nebenstrecken

Ein Großteil der Bahnübergänge in Bayern entfällt auf kleinere Nebenstrecken. Seit Jahren reduziert die DB auch dort die Anzahl der Bahnübergänge. Auch in den nächsten Jahren sollen weitere Bahnübergänge aufgelassen werden – Voraussetzung ist die Mitwirkung und Zustimmung der beteiligten Straßenbaulastträger. Dabei sind insbesondere Bahnübergänge im Blick, die sich als unfallträchtig erwiesen haben. Auch arbeitet die DB in vielen Fällen streckenbezogen, d.h. sie betrachtet nicht nur einen Bahnübergang, sondern die Übergänge der gesamten Strecke – und sucht gemeinsam mit den beteiligten kommunalen Stellen nach Möglichkeiten, die Sicherheit an der Strecke zu erhöhen, beispielsweise indem nicht mehr benötigte Übergänge beseitigt, dafür andere technisch aufgerüstet werden.

Leichtsinn, Unaufmerksamkeit, Unkenntnis: häufigste Unfallursache

Vielen Verkehrsteilnehmern ist die Bedeutung des Andreaskreuzes und der Sicherungsanlagen nicht richtig bekannt. Das belegen verschiedene Umfragen, wie eine im Auftrag der Deutschen Bahn AG durchgeführte infas-Studie. 2.500 Bundesbürger wurden hier um ihre Einschätzung zur Sicherheit an Bahnübergängen gebeten – mit teils erschreckenden Resultaten. So stimmte etwa fast ein Viertel der Befragten zu, dass ein rotes Blinken am Bahnübergang dem Gelb der Ampel entspricht und ein Anhalten demnach nicht erforderlich sei. Auch geschlossene Schranken stellen kein Hindernis dar. Immer wieder überqueren Straßenverkehrsteilnehmer (v.a. Fußgänger) trotz geschlossener Bahnschranken die Gleise.

Um die Straßenverkehrsteilnehmer über das richtige Verhalten zu informieren und für Gefahren am Bahnübergang zu sensibilisieren, betreibt die Deutsche Bahn seit Jahren gemeinsam mit dem Allgemeinen Deutschen Automobilclub (ADAC), der Bundespolizei, dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und den gesetzlichen Unfallversicherungen UVB und VBG intensive Aufklärungsarbeit. In der Kampagne „sicher drüber“ setzen die Partner neben zielgruppenspezifischen Publikationen, audiovisuellen Medien sowie Presseaktivitäten insbesondere auf Informations- und Präventionstermine vor Ort. Mehr Informationen zu der Kampagne gibt es im Internet unter www.deutschebahn.com/sicherdrueber

Spot: Verhalte Dich nicht leichtsinnig an Bahnübergängen


Gemeinschaftsaufgabe von Bahn und Straßenbaulastträger

Da Bahnübergänge sowohl Straße als auch Schiene berühren, sind sie eine Gemeinschaftsaufgabe. Sollen beispielsweise an einem Bahnübergang Änderungen an bestehenden Anlagen vorgenommen werden, müssen Bahn, Bund und Straßenbaulastträger - also alle Beteiligten – dies vereinbaren. Die Gemeinschaftsaufgabe wird auch bei der Kostenverteilung deutlich. So schreibt der Gesetzgeber im § 3 des Eisenbahnkreuzungsgesetzes vor, dass die Kreuzungspartner Kosten für Maßnahmen, die aus Gründen der Sicherheit oder Abwicklung des Verkehrs an Bahnübergängen erforderlich sind, zu je einem Drittel tragen müssen. 

Die Kosten für die Installation einer Schrankenanlage belaufen sich pro Bahnübergang auf mindestens 500.000 Euro, der Nachbau einer Halbschranke rund 350.000 Euro und dauern im Schnitt rund drei bis fünf Jahre. Wie lange sich der Prozess hinzieht, hängt dabei nicht nur vom Umfang der Maßnahme ab, sondern unter anderem auch davon, wie lange das Baurechtsverfahren (bis zu zwei Jahre und mehr) dauert, wie schwierig die Verhandlungen mit den Betroffenen, unter anderem etwaigen Grundstückseigentümern, sind oder wie schnell das Eisenbahnbundesamt bzw. die zuständige Aufsichtsbehörde (z.B. Regierung von Oberbayern) den Bauplan genehmigt. Auch sind Einsprüche gegen die genehmigte Planung möglich.

Sicherung folgt rechtlichen Vorgaben und örtlichen Gegebenheiten

Die Sicherung eines Bahnübergangs hängt unter anderem von der Art der Bahnstrecke (Hauptbahn / Nebenbahn), der Geschwindigkeit des Zuges sowie der Verkehrsstärke auf der kreuzenden Straße ab. Dies ist verbindlich im § 11 der Eisenbahn-Bau- und Betriebsordnung (EBO) festgelegt. In regelmäßigen Abständen werden die Bahnübergänge durch die Bahn geprüft. Auch werden Verkehrsschauen an den Bahnübergängen durchgeführt. (Teilnehmer: Polizei, Bundespolizei, Straßenbaulastträger, Eisenbahnbundesamt und Bahn). Hierbei wird geprüft, ob die vorhandene Sicherung und Ankündigung des Bahnüberganges auf der Straße für die örtlichen Gegebenheiten angemessen ist.

„Der beste Bahnübergang ist der, den es nicht mehr gibt“

Für die Beseitigung eines Bahnübergangs durch den Neubau einer Brücke ist von Kosten von einer oder mehreren Millionen Euro auszugehen. Zu den Baukosten gehören unter anderem auch die Aufwendungen für den Straßen- und Eisenbahnbau, das Brückenbauwerk, den Grunderwerb u.v.m. Die Beseitigung eines Bahnübergangs kann auch durch den Bau von Seitenwegen erfolgen, die in der Regel eine kostengünstigere Lösung darstellen. 

Hinweis an die Redaktionen: 
Ein umfassendes Medienpaket zum Thema finden Sie unter www.deutschebahn.com/bahnuebergaenge