Yukiko Kreikenbohm
Goldblüten für das Glück
Überspringen: Goldblüten für das GlückWo Yukiko Kreikenbohm Seide drapiert, fließen Kirschblüten von Schultern und Schmetterlinge von Schals. Hier zupft sie einen Kranich zurecht, dort streicht sie ein Goldmuster glatt. Sie bietet „Kimono Kitsuke“ – die „Kunst des Kimonokleidens“.
„Viele Japanerinnen wissen heute gar nicht mehr, wie man einen Kimono korrekt anlegt – gerade, wenn sie schon länger im Ausland leben“, erklärt die 36-Jährige, die im Alltag Longshirt und minimalistischen Schmuck trägt. Yukiko Kreikenbohm selbst zog vor Jahren von Fukuoka in die Bundesrepublik. Auf die Idee mit dem Service kam die Marketing-Assistentin bei ihrer Hochzeit mit einem Deutschen: Damals fand sich partout niemand für das Zeremoniell. Also legte sie das Seidenkleid selbst an – und machte sich drei Jahre später, mittlerweile Mutter, mit der Kimono-Idee selbstständig.
Die Kunst des Kimonokleidens ist vielschichtig – und nicht etwa mit dem Umlegen eines Morgenmantels zu vergleichen. Die hüftlange Bluse „Naga jyuban“ vertäut Kreikenbohm mit gezwirbelten Seidentüchern. Dann wallt sie den schweren schwarzen Seidenkimono mit dem goldenen Chrysanthemenmuster über die Schultern der Kundin, legt ihn zurecht und fixiert ihn mit weiteren Seidentüchern. „Am Bauch“, erklärt sie dabei, „soll der Kimono schön flach anliegen.“ Dafür sorgen auch der Gürtel „Datejime“, der Obiita, eine Art stoffüberzogenes Brett, und schließlich der vier Meter lange Schmuckgurt „Obi“, der im Rücken spektakulär zum Seidenpaket geknotet wird. Ein geflochtenes Schmuckband presst den Obi noch einmal an den Bauch.
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Yukiko Kreikenbohm (li.) assistiert beim Anlegen. |
Auch auf dem Oktoberfest kann man Münchner Japanerinnen zuweilen im Kimono bestaunen. Ähnlich dem Dirndl verstecken sich viele Signale in dem Seidenkleid: Schwingen die Ärmel fast bis zum Boden, ist die Trägerin ledig. Feine geometrische Muster sind für den Alltag, Goldfarben und Glücksmotive – wie Pflaumenblüten oder Kraniche – für Hochzeiten, Taufen und andere Familienfeiern.
Rund 50 Kundinnen hat Yukiko Kreikenbohm im Jahr – allesamt Japanerinnen, allesamt Frauen. „Dabei gibt es natürlich auch Männer-Kimonos“, erklärt sie. Nur 35 Euro kostet ihr Kitsuke-Service – eher eine Aufwandsentschädigung. Teuer sind dagegen, mit Preisen um 25000 Euro, die seidenen Festtags-Kimonos selbst, die viele Japanerinnen sich im Heimatland schneidern lassen.
Letzte Aktualisierung: 22.01.2010
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