Im Dienst von Demokratie und Diktatur
Die Reichsbahn in Weimarer Republik und Nationalsozialismus 1920-1945
Überspringen: Die Reichsbahn in Weimarer Republik und Nationalsozialismus 1920-1945Nur wenige Jahre trennen die Gründung der Reichsbahn in der ersten deutschen Demokratie von ihrer Indienstnahme in Krieg und Holocaust. Die Ausstellung führt durch die innovationsfreudige, aber auch politisch und wirtschaftlich turbulente Zeit der Weimarer Republik, um dann zu zeigen, wie die Reichsbahn den Zwecken der nationalsozialistischen Herrschaft diente.
Reichsbahn und Reichsbahn-Gesellschaft in der Weimarer Republik 1920-1933
Das Jahr 1920 war ein Wendepunkt in der deutschen Eisenbahngeschichte: In diesem Jahr wurde die "Deutsche Reichsbahn“ gegründet, das erste gesamtstaatliche und einheitlich verwaltete Bahnunternehmen in Deutschland. Die Ausstellung zeigt die politischen Hintergründe der Unternehmensgründung.
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Virtueller Rundgang |
Bereits 1924 wurde der Staatsbetrieb in eine privatwirtschaftlich orientierte Gesellschaft umgewandelt, die "Deutsche Reichsbahn-Gesellschaft“. Ziel der Reform war es, Gewinne zu erwirtschaften, die zur Tilgung der staatlichen Kriegsschulden beitragen sollten. Tatsächlich war die Reichsbahn-Gesellschaft in der Weimarer Republik sehr erfolgreich und innovativ. In der Ausstellung sind Meilensteine der Bahnhistorie zu sehen und zu hören, zum Beispiel ein BASA (Bahnselbstanschluss)-Telefon, Modelle der neu entwickelten Einheitslokomotiven, eine Radioreportage von der Rekordfahrt des Schienenzeppelins sowie zahlreiche Exponate zum berühmten Schnelltriebwagen "Fliegender Hamburger“.
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Modell des "Fliegenden Hamburgers" |
Auch Einblicke in die Arbeits- und Lebenswelt der Eisenbahner werden gezeigt. So spielte der Wohnungsbau durch die Reichsbahn eine große Rolle, genauso wie es Eisenbahnern zum ersten Mal gestattet war, sich gewerkschaftlich selbst zu organisieren.
Die Reichsbahn in der nationalsozialistischen Diktatur 1933-1945
Ab 1933 änderten sich die politischen Rahmenbedingungen für die Reichsbahn grundlegend. An zahlreichen Dokumenten und Objekten zeigt die Ausstellung, wie das Unternehmen nach und nach von den Nationalsozialisten vereinnahmt wurde. Durch gezielte Entlassungen, massive Propaganda und Veränderungen in der Unternehmensstruktur wurde die Reichsbahn "gleichgeschaltet“. Sie erhielt zusätzliche Aufgaben, die von Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen über die Organisation der "Kraft durch Freude-Urlaubsfahrten“ und den Bau der Reichsautobahnen bis zur logistischen Unterstützung der nationalsozialistischen Reichsparteitage reichten.
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Das Motto der Reichsbahn in dieser Zeit auf einem Ziergitter Bild vergrößern: Das Motto der Reichsbahn in dieser Zeit auf einem Ziergitter |
Die Einordnung in den NS-Staat hatte die unmittelbare Beteiligung des Staatsbetriebes am Zweiten Weltkrieg und an den Verbrechen des Regimes zur Folge. Dokumente, Bilder und filmisch festgehaltene Berichte von Zeitzeugen belegen, dass weder der Vernichtungskrieg im Osten noch die Deportation von Millionen Juden in die Vernichtungslager ohne die Transporte der Reichsbahn möglich gewesen wären. Ein eigener Ausstellungsabschnitt dokumentiert die Beteiligung der Bahn am Einsatz von Fremd- und Zwangsarbeitern. Die Ausstellung endet mit der Darstellung der Reichsbahn als Ziel der alliierten Luftangriffe und ihrer nahezu vollständigen Zerstörung.
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Der Reisekoffer stammt aus dem Lager Theresienstadt. Bild vergrößern: Der Reisekoffer stammt aus dem Lager Theresienstadt. |
Tipps zum Weiterlesen:
- Gall, Lothar/Pohl, Manfred: Die Eisenbahn in Deutschland. Von den Anfängen bis zur Gegenwart, München 1999.
- Gottwaldt, Alfred/Schulle, Diana: Die ‚Judendeportationen’ aus dem Deutschen Reich 1941-1945, Wiesbaden 2005
- Hilberg, Raul: Die Vernichtung der europäischen Juden. 9., erneut durchgesehene Auflage, 3 Bände, Frankfurt am Main 1999.
- Hilberg, Raul: Sonderzüge nach Auschwitz, Mainz 1981.
- Im Dienst von Demokratie und Diktatur. Die Reichsbahn 1920-1945. Katalog zur Dauerausstellung im DB Museum, Regensburg 2002. Der Katalog kostet 10 Euro und ist im Museumsshop erhältlich.
- Mierzejewski, Alfred C.: The Most Valuable Asset of the Reich. A History of the German National Railway, Volume II 1933-1945, Universty of North Carolina Press 2000.
- Wege in die Vernichtung. Die Deportation der Juden aus Mainfranken 1941-1943. Begleitband zur Ausstellung des Staatsarchivs Würzburg und des Instituts für Zeitgeschichte München-Berlin, hrsg. von der Generaldirektion der Staatlichen Archive Bayerns, München 2003
Letzte Aktualisierung: 21.07.2008
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