Salon- und Terrassenwagen von Ludwig II.

"Versailles auf Rädern" - Ludwig II. und sein Hofzug

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten der Fahrzeugsammlung des DB Museums gehören der Salon- und der Terrassenwagen aus dem Hofzug des Bayernkönigs Ludwig II. Der Zug umfasste ursprünglich acht Wagen, von denen die beiden prachtvollsten erhalten blieben.


Der Hauptsalon im Salonwagen von König Ludwig II.

Im Jahr seiner Krönung 1864 übernahm Ludwig den Hofzug seines Vaters Maximilian II. Er ließ den Zug erweitern und zu einem Prunkzug umbauen: 1865 bestellte er den offenen Terrassenwagen. 1868 ließ er die Außenfront des bereits für seinen Vater 1860 gebauten Salonwagens verschönern und die Krone anbringen. Wenig später gab er die Ausschmückung der Innenräume in Auftrag. Sie wurden 1870 fertig gestellt.

Der Salonwagen ist nach dem Willen Ludwigs im Stil des französischen Königs Ludwig XIV., dem berühmten Erbauer des Schlosses von Versailles, gehalten. Die Ausschmückung wurde von Franz Seitz entworfen, der auch andere Bauten des Bayernkönigs mitgestaltete. Im Innern ist der Wagen in vier Abteile untergliedert. Das Adjutantenzimmer, in dem sich persönliche Bedienstete aufhalten konnten, ist der kleinste Raum. Es folgen der Hauptsalon, das Schlafkabinett und ein Toilettenkabinett.

Schlafkabinett im Salonwagen von Ludwig II.

Schlafkabinett im Salonwagen von Ludwig II.

Bild vergrößern: Schlafkabinett im Salonwagen von Ludwig II.

Hauptsalon

Der Hauptsalon ist der prachtvollste Raum des Salonwagens. Die Wände und das Mobiliar sind reich vergoldet und mit edler Atlas-Seide bespannt. In der Mitte des Deckengemäldes befindet sich die Deckenbeleuchtung, die sinngemäß die „Sonne“ vorstellt. Dieses Emblem verweist auf den „Sonnenkönig“ Ludwig XIV. von Frankreich. Auf das große Vorbild Ludwigs II. nehmen auch einzelne Blumenornamente Bezug. Sie zeigen eine dem französischen Königswappen entlehnte, stilisierte Lilie. Die Lilie findet sich außen am Zug wieder.

Deckengemälde im Hauptsalon

Das Deckengemälde wurde von Rudolf Seitz gemalt, einem Sohn von Franz Seitz. Das große Bild in der Mitte zeigt die vier Erdkreise bzw. die vier Himmelsrichtungen. Im Norden bzw. Europa sieht man zwei Kinder in Pelzmänteln und Eisberge im Hintergrund. Im Süden verweisen zwei leicht bekleidete schwarze Kinder auf das sonnige Afrika. Der Westen bzw. Amerika wird symbolisiert durch zwei Indianerkinder mit Federschmuck und Lendenschurz. Den Osten bzw. Asien vertreten zwei Kinder in chinesischer und persischer Tracht. Die Darstellung wird ergänzt durch vier Eckgemälde, die Allegorien der vier Jahreszeiten darstellen.

Deckengemälde im Salonwagen von Ludwig II.

Deckengemälde im Salonwagen von Ludwig II

Bild vergrößern: Deckengemälde im Salonwagen von Ludwig II

Der Betrieb des Hofzugs von Ludwig II.

Der Hofzug Ludwigs II. umfasste 1876 acht Wagen. Neben dem Salon- und dem Terrassenwagen gab es noch zwei Wagen für den Reisekommissar und das Gefolge, einen Dienerschaftswagen, einen Packwagen und zwei Küchenwagen. Von diesen Wagen existieren nur noch Zeichnungen und Fotos.

Über die Fahrten Ludwigs mit dem Hofzug ist wenig bekannt. Belegt ist, dass er mit ihm 1866 seine berühmte Frankenreise unternahm. Damals war allerdings der Salonwagen noch in seinem alten Bauzustand.

In späteren Jahren reiste Ludwig mehrfach inkognito. Da sein Hofzug hierfür zu auffällig war, benutzte er zunächst Wagen, die „dem allgemeinen Verkehr dienten“. 1876 dann wurde der Bau eines „Incognito-Zuges“ beauftragt.

Nach dem Tod Ludwigs 1886

Der Hofzug Ludwigs II. war nach seinem Tod noch bis 1918 betriebsfähig. Offenbar wurde er weiterhin benutzt, denn zwischen 1891 und 1893 wurden sämtlich Wagen modernisiert. Der Salonwagen erhielt in dieser Zeit Drehgestelle und die Westinghouse Druckluftbremse wurde eingebaut.

Nach dem Ende der Monarchie kamen die beiden Prunkwagen, der Salonwagen und der Terrassenwagen, in das Verkehrsmuseum Nürnberg. Hier fanden sie einen Platz in der Fahrzeughalle des 1925 eröffneten Museumsneubaus.

Während des Zweiten Weltkriegs beschädigten Fliegerbomben die Fahrzeughalle. Dabei wurden die beiden Ludwigswagen in Mitleidenschaft gezogen. Darüber hinaus stahlen Plünderer nach Kriegsende große Teile des Inventars. Entwendet wurden u.a. sämtliche Bodenbeläge und die seidenen Wandverkleidungen, die Marmorplatten auf den Tischen und die Eckgemälde an der Decke des Salonwagens. Bis zur Wiedereröffnung des Verkehrsmuseums 1953 ließ man die Gemälde neu herstellen, Verzierungen ausbessern und neu vergolden, Spiegel, Marmorplatten und Putten ergänzen und sämtliche Bodenbeläge und Stoffbezüge erneuern.

Technische Daten

Baujahr1860/1865
HerstellerKlett & Comp.
Länge Salonwagen14.024 mm
Länge Terrassenwagen7.585 mm

Publikation "Versailles auf Rädern"

Zu den beiden Ludwigswagen hat das DB Museum ein Buch veröffentlicht unter dem Titel "Versailles auf Rädern". Nähere Informationen dazu finden Sie rechts über die Rubrik "Verwandte Themen".

Veranstaltungen zum 125. Todestag von Ludwig II.

Das DB Museum bietet anlässlich des 125. Todestages von Ludwig II. mehrere Sonderveranstaltungen zu den Eisenbahnwagen des "Märchenkönigs" an. Informationen zu den Veranstaltungen finden Sie in unserem Programmheft zum downloaden unter der Rubrik "Verwandte Themen".

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Letzte Aktualisierung: 15.05.2011
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