Franzosen als Vorreiter
Der Hochgeschwindigkeitsverkehr vor 1991
Überspringen: Der Hochgeschwindigkeitsverkehr vor 1991Anders als in Japan und in Frankreich ist das Hochgeschwindigkeitszeitalter bei der Deutschen Bahn noch relativ jung. In Japan ging bereits 1964 die Tokaido-Shinkansen-Linie, konzipiert für Tempo 210, in Betrieb. Die Strecke zwischen Tokio und Osaka gilt als erste Hochgeschwindigkeitstrecke der Welt, denn nach alter Definition begann der Hochgeschwindigkeitsverkehr oberhalb von 200 km/h. (Als Schwelle zum Hochgeschwindigkeitsverkehr wird heute üblicherweise eine Geschwindigkeit von 220 oder 230 km/h angesetzt.)
In Europa Franzosen als Vorreiter
In Europa waren die Franzosen die Vorreiter im Hochgeschwindigkeitsverkehr. Nach Versuchsfahrten 1955 begann die französische Staatsbahn SNCF 1964 mit der Entwicklung des ersten europäischen Hochgeschwindigkeitszuges – dem TGV. Seit 1981 fährt die SNCF mit dem TGV im fahrplanmäßigen Verkehr, der im Regelbetrieb eine Höchstgeschwindigkeit von 320 km/h erreicht.
Der lange Weg zum deutschen Hochgeschwindigkeitszug
Vor 20 Jahren kam schließlich auch in Deutschland der Vorläufer der ICE-Familie, der IC-Experimental (ICE-V) – das Kürzel V stand für Versuch – auf die Schiene. Im Laufe von unzähligen Probefahrten erreichte der fünfteilige Versuchszug schrittweise immer höhere Geschwindigkeiten.
Am 14. November 1985 schließlich überschritt er erstmals die 300-km/h-Grenze, und am 26. November 1985, das Datum der offiziellen Jungfernfahrt, erreichte er zwischen Rheda-Wiedenbrück und Oelde in Westfalen die damalige Spitzengeschwindigkeit von 317 km/h.
Drei Jahre später, am 1. Mai 1988, fuhr der ICE-V auf der Neubaustrecke Hannover – Würzburg mit einer Geschwindigkeit von 406,9 km/h einen neuen Weltrekord. Damit war auch in Deutschland die Epoche des Hochgeschwindigkeitsverkehrs angebrochen.
Federführung des Bundesbahn-Zentralamtes München
Von der ersten Konzeption eines deutschen Hochgeschwindigkeitszugs bis zur Fertigstellung des ICE-V dauerte es mehr als zwölf Jahre. Finanziert wurde der IC-Experimental gemeinsam von Bund, Bundesbahn und Industrie. An der Entwicklung und am Bau des Fahrzeugs waren unter der Federführung des Bundesbahn-Zentralamtes München rund 300 Unternehmen beteiligt, darunter MBB, Thyssen-Henschel, Krupp, Krauss-Maffei, Siemens, BBC, Duewag, LHB und AEG.
Die Testfahrten des ICE-V lieferten Erkenntnisse, die maßgeblich in den ICE 1 einflossen und die Serienentwicklung absicherten. So zählte vor allem die Erprobung von Komponenten für die erste ICE-Generation zu den Aufgaben des Versuchszugs.
ICE 1: Zeitalter des Hochgeschwindigkeitsverkehrs beginnt
Das eigentliche Zeitalter der Hochgeschwindigkeitszüge wurde auf dem deutschen Schienennetz 1991 mit der Inbetriebnahme der ICE 1-Flotte und der Fertigstellung der beiden ersten Hochgeschwindigkeitsstrecken eingeläutet: der 99 Kilometer langen Verbindung Mannheim – Stuttgart und der 327 Kilometer langen Verbindung Hannover – Würzburg. Der ICE 1 stellte damals einen gewaltigen technologischen Fortschritt dar und galt als bedeutendste großtechnische Innovation der Deutschen Bundesbahn im Personenfernverkehr nach dem Zweiten Weltkrieg.
Letzte Aktualisierung: 02.08.2007
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