Deutsche Bahn

Kristallklar verständliche Ansagen am Bahnsteig

Innovatives Audiosystem von HOLOPLOT wird im Frankfurter Hauptbahnhof sechs Monate getestet

Auf den S-Bahn-Gleisen im Tiefbahnhof des Hauptbahnhofs in Frankfurt (Main) verkehren Züge auf acht Linien im Minutentakt. Verschiedene Ansagen erklingen in sehr kurzen Intervallen. Damit auch im Trubel des Berufsverkehrs die Informationen aus den Lautsprechern bei allen Fahrgästen klar und sauber ankommen, setzt die Deutsche Bahn gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund seit 23. Januar 2019 auf das innovative Audiosystem von HOLOPLOT, das an den S-Bahngleisen 103 und 104 in den nächsten sechs Monaten ausführlich getestet wird (Bild rechts). 23 Audio-Module wurden an 11 Standorten an der Tunneldecke über dem Bahnsteig installiert.

Präzise ausgerichtete Schallwellen vermitteln die Informationen punktgenau

Die Akustik auf Bahnsteigen und in Bahnhofshallen lässt oft zu wünschen übrig. Das Berliner Startup HOLOLPLOT hat eine Lösung für dieses Problem entwickelt. Das innovative Audiosystem von HOLOPLOT kann Schallwellen gezielt wie einen Lichtstrahl auf bestimmte Personengruppen im Raum fokussieren. Die Durchsagen werden präzise auf bestimmte Bereiche des Bahnsteigs gerichtet. Die Fahrgäste bekommen, egal wo am Bahnsteig sie sich gerade befinden, nur die für sie relevanten Informationen verständlich vermittelt. Niemand muss mehr befürchten, dass er eine Ansage zu seiner Zugverbindung nicht mitbekommt. Ansagen für das jeweils gegenüberliegende Gleis sind nicht mehr zu hören. Das sorgt für eine leichtere Orientierung und eine insgesamt geringere Geräuschkulisse. 

Das innovative Audiosystem kann Schallwellen gezielt wie einen Lichtstrahl auf bestimmte Personengruppen im Raum fokussieren.

Intelligente Software sorgt für gleichbleibende Klangqualität

Herkömmliche Lautsprecher verteilen den Schall kugelförmig und damit ungerichtet im Raum. Technische Grundlage des Audiosystems ist das physikalische Prinzip der Wellenfeldsynthese, mit dem virtuelle akustische Räume erzeugt werden. Dadurch kann der Schall nach Bedarf auch außerhalb des realen Wiedergaberaums positioniert werden. Auch über größere Distanzen bleiben damit Klangqualität und Lautstärke erhalten. Gleichzeitig erlaubt die Richtbarkeit, störende Gebäudeteile nicht anzustrahlen und so entsprechende Reflektionen zu vermeiden, die die Sprachverständlichkeit verschlechtern. Das Know-how des Systems steckt vor allem in der Software. Diese berechnet ohne Verzögerung, wie die Lautsprecher angesteuert werden müssen. Jeder einzelne Lautsprecher der Audiomodule erhält ein eigenes Signal und hat dafür auch einen eigenen Verstärker und ein eigenes Netzteil. Vor einigen Jahren noch hätte das bezahlbare Computer und Signalprozessoren vor unlösbare Aufgaben gestellt. Mittlerweile sind die Chips erheblich leistungsfähiger und kostengünstiger zu haben. Das System ermöglicht es bis zu 16 verschiedene Schallfelder gleichzeitig zu erstellen, welche an unterschiedlichen Positionen, mit unterschiedlichen Größen und unterschiedlichem Inhalt befüllt werden können.

Vorab-Tests in Frankfurt und München waren erfolgreich

HOLOPLOT nahm 2016 am Startup-Förderprogramm in der DB mindbox teil. Über die DB mindbox in Berlin kam die Kooperation mit DB Station & Service zustande. Aufgabenstellung war innerhalb von drei Monaten das Akustiksystems an Bahnhöfen zu erproben und die möglichen Integration der Lautsprechermodule unter Berücksichtigung der technischen und baulichen Anforderungen von Bahnhöfen zu konzipieren. Vorab wurde das HOLOPLOT-System in den Bahnhöfen Frankfurt (Main) Hauptbahnhof und Frankfurt (Main) Flughafen Ende November 2016 erprobt. Die Testreihen wurden durch Kundenbefragungen und elektroakustische Messungen begleitet. Ein zweiter Vorab-Test in München Hbf tief am Gleis 1 wurde im Mai/Juni 2017 durchgeführt. Die Bedingungen dort sind denen im Testfeld im Tiefbahnhof des Frankfurter Hauptbahnhofs vergleichbar.