Pünktlichkeit Teil 5 - Top im Plan, sagt die Netzleitzentrale

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Pünktlichkeit Teil 5 - Top im Plan, sagt die Netzleitzentrale

In dieser Episode schauen wir in die Netzleitzentrale Frankfurt am Main.

7:10 Uhr. Die Netzleitzentrale ist voll besetzt. Fünf Kollegen arbeiten hier pro Schicht, sie teilen sich in Bereichs- und Störkoordinatoren auf. Von hier aus haben sie das gesamte deutsche Schienennetz und den bundesweiten Zugverkehr genau im Blick, hier laufen alle Informationen zusammen.

Kommt es irgendwo in Deutschland zu einer größeren Störung mit signifikanten, also überregionalen Auswirkungen auf den Bahnbetrieb, werden sie aktiv – immer in enger Abstimmung mit den Disponenten einer der acht Betriebszentralen (BZ) und den Transporteuren. Und das sind eine Menge – mehr als 440 Eisenbahnverkehrsunternehmen sind mittlerweile auf dem Schienennetz mit ihren Zügen unterwegs. Auch den ICE 944 auf seiner Fahrt von Berlin über Hannover nach Düsseldorf hat die NLZ auf dem Schirm.

Netzleitzentrale Frankfurt/Main

Am Arbeitsplatz des „Bereichskoordinators Personenverkehr 1“ steht in dieser Schicht Mandy Pöghe. „So, wir schauen mal nach, was auf der HGV gerade los ist“, sagt sie und klickt auf einen der vielen Bildschirme, die sich auf dem Schreibtisch türmen. HGV, das ist die Abkürzung für Hochgeschwindigkeitsverkehr und meint in diesem Fall die Schnellfahrstrecke Berlin-Hannover. „Ok, alles ruhig!“

Detaillierte Streckenkenntnis

Es läuft für den ICE 944. „Das wird voraussichtlich auch so bleiben“, sagt Pöghe. In der Regel gehe es gerade auf dieser Strecke ziemlich störungsfrei zu. „Und wenn doch etwas wäre, haben wir Umleitungsmöglichkeiten.“

Pöghe und ihre Kollegen kennen alle überregionalen Bahnstrecken sehr genau. In erster Instanz aber ist immer die jeweilige BZ mit ihren Disponenten zuständig. Die Netzleitzentrale kommt dann ins Spiel, wenn Störungen überregionale Auswirkungen haben und/oder länger andauern. „Unsere Aufgabe lautet dann, in der Störung die höchstmögliche Kapazität und Betriebsqualität zu erreichen, verbunden mit dem Endziel, die Planmäßigkeit des Betriebsablaufs wiederherzustellen.“

Im Falle des ICE 944 ist das bisher nicht nötig. Pünktlich um 7:01 rollte der Zug von Rummelsburg in Richtung Berliner Ostbahnhof. Dort konnte er pünktlich um 7:22 Uhr losfahren. Die Bereichskoordinatorin ist zufrieden. Und so herrscht auch zwischen der Netzleitzentrale in Frankfurt und der Betriebszentrale in Hannover Funkstille, Anrufe sind nicht nötig.

Viel Zeit in Wolfsburg

8:26 Uhr. Der Zug liegt im Plan, demnächst fährt er in den Zuständigkeitsbereich der Betriebszentrale Hannover. Nächster Halt: Wolfsburg. „Er ist sogar vor Plan unterwegs!“ bestätigt Pöghe nach einem erneuten Blick auf den Bildschirm.

Vor Plan, wie ist das möglich? Der Grund dafür sind Bauarbeiten auf dem Streckenabschnitt Wolfsburg – Berlin: Hier wird die Linienzugbeeinflussung (LZB) erneuert (mehr dazu hier). Die Arbeiten sind als Langsamfahrstelle in den Fahrplan eingearbeitet, daher fällt das Zeitfenster für diesen Abschnitt entsprechend großzügig aus – der sogenannte Bauzuschlag. Dies bedeutet, dass die Fahrzeiten so großzügig berechnet sind, dass trotz Bautätigkeit möglichst keine Verspätungen entstehen – oder wie an diesem Morgen der Zug 14 Minuten früher als geplant in Wolfsburg eintrifft.

Wann greift die Netzleitzentrale ein?

Als sich der ICE 944 Hannover nähert, ist er aus Sicht der Netzleitzentrale immer noch perfekt unterwegs. Ein ruhiger Morgen für Pöghe. Sie würde dann eingreifen, wenn die Betriebszentralen ein Thema nicht mehr alleine lösen können.

Im Störfall gibt es genau definierte Dispositionskonzepte, und zwar bezogen auf die Gesamtbetriebslage. Die Netzleitzentrale entscheidet zum Beispiel in Abstimmung mit den Transporteuren darüber, ob ein Zug den anderen überholt oder ob er auf Anschlüsse warten darf. „Wir schauen schon immer, dass wir die Fahrgäste glücklich machen können, betrachten aber auch immer die Pünktlichkeitswirkung auf das Gesamtnetz!“ so Pöghe. Ähnlich verhält es sich auch mit Sonderhalten, die von der Netzleitzentrale genehmigt werden müssen. Auch das wird in den allermeisten Fällen möglich gemacht.

Ankunft in Hannover, weiter nach Duisburg

Als sich der ICE 944 dem Hauptbahnhof in Hannover – einem der meistfrequentierten Bahnhöfe Deutschlands – nähert, ruft Mandy Pöghe auf ihrem Bildschirm die dazu passende Bahnhofsgrafik auf. „Ah ja, der 944 fährt auf ein anderes Gleis als geplant“, sagt sie.

Warum? Pöghe hebt die Schultern. „Das weiß ich nicht, aber das ist für uns auch nicht relevant“, sagt sie. Der Zug ist nach wie vor pünktlich, das zählt.


10:20 Uhr. Der ICE 944 verlässt das Einzugsgebiet der Betriebszentrale Hannover, ab jetzt übernimmt die BZ Duisburg. Aber die Bereichskoordinatoren der Netzleitzentrale werden ihn auch weiterhin im Auge behalten, bis er sein Ziel Düsseldorf Hbf erreicht hat.

Die große Pünktlichkeits-Reportage – Weitere Folgen: 

1: Bereitstellung im Werk Rummelsburg: Aus zwei wird eins

2: Im Führerstand beim Lokführer: Am Ende geht es um Sekunden

3: Betriebszentralen Berlin-Pankow und Hannover: Ein Zug auf 17 Bildschirmen

4: An Bord mit der Zugchefin: „Vorsicht, Türen schließen“

5: Netzleitzentrale Frankfurt am Main: Top im Plan, sagt die Netzleitzentrale

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