Kreative Masken und mehr Hilfsbereitschaft

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Kreative Masken und mehr Hilfsbereitschaft

Triebfahrzeugführer Andreas Konhoff fährt die S-Bahnlinien 1 und 4 quer durchs Ruhrgebiet. Seit den ersten Lockerungen sind langsam wieder mehr Fahrgäste unterwegs – aber es herrscht noch lange nicht so viel Betrieb wie sonst. Ein Einblick in die neue Normalität.

Seit dem 27. April nur noch mit Maske, Abstandsgebot auch auf dem Bahnsteig: Wir alle müssen uns seit der Corona-Krise an eine sich ständig ändernde Situation anpassen. So auch Andreas Konhoff. Er arbeitet seit 2015 als Triebfahrzeugführer bei DB Regio NRW und fährt seit Anfang dieses Jahres die Linien S1 und S4 zwischen Dortmund, Solingen und Unna. Noch bevor er sich an die neue Strecke gewöhnt hatte, ging es mit den bundesweiten Einschränkungen zur Eindämmung der Corona-Pandemie los.

Auch die DB hat sich gleich zu Beginn dafür eingesetzt, die Mitarbeitenden zu schützen, zum Beispiel durch erhöhte Reinigungsintervalle: „Die DB hat umgehend Sicherheitsvorkehrungen getroffen und die Führerstände der Züge werden regelmäßig gründlich gereinigt. Außerdem gibt mir die räumliche Trennung zwischen Führerstand und Fahrgastraum ein Gefühl von Sicherheit.“

Mehr Fahrgäste seit der Maskenpflicht

Mit der schrittweisen Ausweitung des Sonderfahrplans in Nordrhein-Westfalen sowie den ersten Lockerungen ist an den S-Bahnstationen inzwischen wieder etwas mehr Leben eingekehrt. Konhoff schätzt, dass inzwischen wieder etwa ein Drittel der gewohnten Fahrgäste unterwegs sind. „Es ist schon spürbar mehr los, aber die Züge sind nicht voll. Es ist weiterhin ausreichend Platz, um die Sicherheitsabstände zu wahren“, sagt er. 

Insbesondere seit Einführung der Maskenpflicht hat Konhoff den Eindruck, dass sich wieder mehr Leute ins öffentliche Leben zurücktrauen. Wenn er in diesen Tagen mal den Führerstand verlässt, sei es zur Zugwende oder um mobilitätseingeschränkte Fahrgäste beim Einsteigen zu unterstützen, heißt es jetzt auch für ihn: Maske auf und Abstand halten. „Auf dem Bahnsteig habe ich natürlich eine gewisse Vorbildfunktion. Im Großen und Ganzen halten sich die Fahrgäste aber an die neuen Regeln. Außerdem hat mir meine Lebensgefährtin eine Maske aus einem alten Diensthemd genäht, also mit DB-Logo, die trage ich wirklich gerne“, erzählt er. 

Triebfahrzeugführer Andreas Konhoff

Etwas ungewohnt ist die Kommunikation mit Maske für den Triebfahrzeugführer aber schon: „Die Mimik fällt jetzt weg. Wenn mir ein Fahrgast eine Frage stellt, muss ich immer erst ein paar Worte mit ihm wechseln, bis ich einschätzen kann, in welcher Stimmung er gerade ist“, sagt der Triebfahrzeugführer. Umso wichtiger sei es, noch mehr miteinander zu sprechen. Das merkt Konhoff auch mit den Kollegen im Pausenraum: „Wir sind zwar alle auf Abstand und lassen ein paar Meter Platz zwischen uns, aber wir quatschen immer noch so viel miteinander wie vorher. Das hat sich zum Glück nicht verändert.“

Ein positiver Effekt, den Konhoff am Bahnsteig beobachtet: Die Fahrgäste nehmen mehr Rücksicht aufeinander, halten ausreichend Abstand. Außerdem herrscht mehr Hilfsbereitschaft untereinander, etwa gegenüber mobilitätseingeschränkten Mitreisenden. „Es wäre schön, wenn wir solche positiven Entwicklungen langfristig beibehalten“, sagt er. Sein persönliches Mantra in diesen Tagen: Man darf nicht nur die negativen Dinge in den Fokus rücken, sondern sollte auch die positiven Entwicklungen sehen. 

Der größte Wunsch des 51-Jährigen dieses Jahr: Mit seiner Lebensgefährtin im Wohnwagen an die deutsche Nord- oder Ostsee reisen zu dürfen – selbstverständlich mit der neuen Lieblingsmaske im Gepäck.