Friseurin, Soldatin, Eisenbahnerin – Hier fühle ich mich angekommen.

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Friseurin, Soldatin, Eisenbahnerin – Hier fühle ich mich angekommen.

Friseurin, Soldatin, Eisenbahnerin, außerdem eine Ausbildung zur Kauffrau für Bürokommunikation und ein Studium in Business Administration. Tanja Memmler, heute Teamassistentin für Personalentwicklung, hat einiges ausprobiert, bevor sie zur DB kam.

Tanja-Monika Memmler ist seit Mai 2019 Teamassistentin Strategische Personalentwicklung und Grundsätze Nachwuchskräfte. Zuvor war sie über die DB Zeitarbeit in verschiedenen Funktionen für die DB tätig. In ihrem Leben vor der Bahn absolvierte sie eine Ausbildung zur Friseurin und zur Kauffrau für Bürokommunikation, holte an der Abendschule ihr Abitur nach, war acht Jahre als Personalunteroffizier bei der Bundeswehr tätig und hängte noch ein Studium in Business Administration dran. Im Gespräch erzählt sie über bunte Lebensläufe, Bauchgefühl und die Erkenntnis, dass einem kein Job auf dem Silbertablett präsentiert wird.

Sie haben so einiges ausprobiert und dadurch den direkten Vergleich: Was hat die Bahn, was andere nicht haben?

Vielfalt. Und das in jeglicher Hinsicht! Es gibt so viele verschiedene Berufe und Bereiche. Mein Lebenslauf zeigt, dass ich mich gerne weiterentwickle und Neues lerne. Hier habe ich die Möglichkeit, im selben Unternehmen zu bleiben und mich trotzdem auszuprobieren und unterschiedliche Aufgaben zu übernehmen.

Friseurin, Bürokauffrau, Soldatin, Bahnerin. Nicht gerade der klassische Lebenslauf. Wie kam’s?

Wie soll man mit 16 wissen, was man sein Leben lang machen möchte? Bei mir hat sich alles nach und nach ergeben. Eine Bekannte meiner Eltern war Maskenbildnerin, das fand ich als 16-Jährige toll. Da habe ich erstmal die Friseurlehre gemacht. Hier habe ich aber erkannt, dass das auf Dauer kein Beruf für mich ist. Deshalb direkt im Anschluss die Ausbildung als Kauffrau für Bürokommunikation bei einem Mittelständler. Als ich fertig war, war ich 21 und dachte mir: Das kann doch nicht alles sein? Also habe ich, neben meiner Tätigkeit als Assistentin der Verkaufsleitung, mein Abi nachgeholt. Die Entscheidung kam ganz spontan einem Bauchgefühl folgend, einen Tag vor den Sommerferien. Die Anmeldefrist war schon vorbei, aber ich bin trotzdem zur Anmeldung gegangen und es waren tatsächlich spontan noch zwei Plätze frei. An der Abendschule lernte ich dann eine Soldatin kennen, deren Erzählungen mich neugierig machten.

Und die hat Sie von der Bundeswehr überzeugt?

Ich wollte mich bei ihr eigentlich für meine Schwester nach den Möglichkeiten bei der Bundeswehr erkundigen und dachte dann: Warum nicht ich? Es hörte und fühlte sich richtig an. Also habe ich mich als Soldatin auf Zeit für acht Jahre verpflichtet.

Und wie sind Sie nun bei der DB gelandet?

Ich habe bei der Bundeswehr meinen Mann kennen gelernt und zwei Kinder bekommen. Wäre ich geblieben, hätte ich möglicherweise in den Auslandseinsatz gemusst und Berlin als Wohnort war nicht mehr gesichert. Als Mutter trifft man andere Entscheidungen. Also habe ich zum Ende meiner Bundeswehrzeit, im Rahmen des Berufsförderungsdienstes, ein Studium drangehängt. Schon früh im Studium habe ich gedacht: Ich möchte zur Bahn. Das war wieder so ein Bauchgefühl. Und es hat sich bewiesen. Für mich ist dieser Laden genau der Richtige.

Haben Sie bei Ihren vorigen Stationen etwas gelernt, das für Ihren jetzigen Beruf hilfreich ist?

Mit 16 war ich eher introvertiert. In der Friseurausbildung wird man schnell erwachsen und lernt den Umgang mit Menschen, auch den mit unsympathischen, und wie man sich in schwierigen Situationen verhält. Das kann in der Arbeitswelt sehr hilfreich sein.

Bei der Bundeswehr habe ich sehr viel über Führung gelernt, in jeder Hinsicht: Was macht gute Führung aus und was schlechte? Und was macht das jeweils mit einem selbst, mit der eigenen Motivation? Ich habe gelernt, dass man mit einer Führungsaufgabe verantwortungsvoll umgehen muss.

Sie kennen kleine, mittlere und große Unternehmen. Gibt es etwas, das alle eint?

Meine erste Erkenntnis: Egal, wie groß das Unternehmen ist, es braucht klare Regeln und Vorschriften. Und die zweite: Manchmal muss man Vorschriften außen vor lassen, dann zählt nur der Mensch und seine Situation. Außerdem: Es geht nicht ohne eine gute Kommunikation in alle Richtungen. Für mich persönlich habe ich festgestellt, dass ich für ein großes Unternehmen arbeiten möchte.

Wie sieht es mit Gemeinsamkeiten und Unterschieden von Bahn und Bund aus?

Bei beiden dauern Entscheidungen lange, weil so viele Gremien einbezogen werden müssen. Und bei beiden gibt es die Sicherheit darüber, dass das Unternehmen und der Job Bestand hat.

Ein Unterschied zwischen Bahn und Bundeswehr ist, dass ich bei der Bahn ganz unterschiedliche Sachen ausprobieren kann. Ich interessiere mich zum Beispiel für New Work, beispielsweise flexibles und agiles Arbeiten. Und habe dabei die eben genannte Sicherheit des Großkonzerns im Rücken. Außerdem habe ich das Gefühl, dass – zumindest in meinem Bereich – eigenständiges Denken und intrinsische Motivation gefördert werden. Das gab es beim Bund so nicht. Insgesamt empfinde ich bei der DB den Umgang mit den Mitarbeitenden als sehr wertschätzend. Man merkt, dass die Vorstände es ernst meinen und wirklich versuchen, jeden einzubeziehen.

Das sehen nicht immer alle Kolleginnen und Kollegen so.

Das ist eben Großkonzern. Es geht nicht schnell, Veränderungen kommen nicht überall direkt an. Vielleicht fehlt einigen auch der Vergleich mit anderen Unternehmen. Aber ganz grundsätzlich ist es doch auf jeder Plattform so, dass es mehr Frust-Posts gibt als Kommentare von glücklichen zufriedenen Menschen. Manchmal wundere ich mich auch über die Kollegen. Es gibt einfach viele Berufe bei der Bahn, bei denen zum Beispiel Homeoffice oder flexibles Arbeiten nicht realisierbar sind, und das weiß man doch vorher. Wenn man dann merkt, dass man mit dem Job oder den Arbeitsbedingungen nicht glücklich ist oder es einfach nicht mehr passt, weil sich die eigenen Lebensbedingungen geändert haben, muss man sich selbst mögliche Alternativen überlegen! Das kann einem niemand abnehmen.

Viele sehnen sich nach Veränderung, haben aber das Gefühl auf der Stelle zu treten. Haben Sie Tipps?

  • Es kommt keiner, der dir einen neuen Job auf dem Silbertablett präsentiert. Wenn du unglücklich bist, musst du überlegen, ob und wie sich der Grund dafür beseitigen lässt. Wenn das nicht geht, muss man sich umorientieren und sich etwas anderes suchen.
  • Wichtig ist die ehrliche Auseinandersetzung mit sich selbst. Ist es vielleicht auch ein bisschen bequem, wenn ich mich nicht weiterentwickle? Mancher muss sich vielleicht insgeheim eingestehen, dass er auch einfach gerne meckert.
  • Offen mit der Führungskraft sprechen, sich trauen, zu sagen, dass man unglücklich ist. Manchmal meint man ja auch nur, dass nichts geht.
  • Sich umschauen. Ich gebe zu, dass es bei der DB manchmal schwierig ist, den Überblick zu bewahren, was alles möglich ist. Aber das zeigt auch: Es ist sehr viel möglich.
  • Nicht auf DEN Traumjob warten, denn den gibt es nicht. Durststrecken gehören in jedem Job dazu.
  • Es hilft auch zu wissen, was man nicht will. Ich zum Beispiel strebe momentan keine Führungsposition an, ich habe meine Priorität auf die Familie gesetzt.

Gibt es noch einen Beruf, den Sie gerne noch ausprobieren würden? Und wenn ja, geht das auch bei der DB?

Ich würde gerne mehr inhaltlich arbeiten, und eines Tages nicht mehr Assistentin, sondern Referentin sein. Inhaltlich interessiert mich auch der Bereich Logistik und Operations, der eine Vertiefung in meinem Studium war. Zum Glück geht das auch bei der DB. Im Moment bin ich aber mit meiner jetzigen Tätigkeit sehr glücklich. Ich kann mir gut vorstellen, dass die Bahn mein letzter Arbeitgeber ist. Hier fühle ich mich angekommen.