Beziehung am Arbeitsplatz: „Offener Umgang ist entscheidend“

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Frank und Nicole Berlin: „Offener Umgang ist entscheidend.“  (Foto: privat)

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Beziehung am Arbeitsplatz: „Offener Umgang ist entscheidend“

So manches Paar lernt sich bei der Arbeit kennen. Denn nach wie vor ist der Arbeitsplatz der Ort, an dem viele Menschen die meiste Zeit des Tages verbringen. Auch bei Nicole und Frank Berlin ist das nicht anders, beide arbeiten bei DB Regio. Welche Erfahrungen sie im Umgang mit dem Thema „Beziehung am Arbeitsplatz“ gemacht haben, schildern sie hier.

Sie arbeiten beide seit etwa dreißig Jahren für die Eisenbahn. Wie haben Sie sich kennengelernt?

Nicole Berlin: Ich habe 1989 bei der damaligen Bundesbahn im gehobenen Dienst angefangen, mein späterer Mann zwei Jahre darauf bei der damaligen Deutschen Reichsbahn. Im März 2001 waren wir zufällig gemeinsam bei einer Weiterbildung in Frankfurt und kamen ins Gespräch. 
Frank Berlin: Wir haben uns damals zum „Black Belt“ qualifiziert. Dabei handelt es sich um eine Stufe innerhalb des Management-Systems „Six Sigma“. Man lernt dort, wie man im Unternehmen komplexe Verbesserungsprojekte erfolgreich steuern kann. 


Seit 2001 sind Sie auch privat ein Paar – Ihre beruflichen Wege im Konzern sind Sie aber jeweils eigenständig gegangen?

Frank Berlin: Ja, das war uns beiden auch immer wichtig. Aktuell bin ich Leiter des Baureihenmanagements Lok und Reisezugwagen. Das heißt, ich bin für den Zustand der Fahrzeuge verantwortlich. Vorher habe ich in unterschiedlichen Führungspositionen im Personenverkehr gearbeitet. Schwerpunkte dort waren die Bereiche Flottenmanagement und die Bereitstellung bzw. Instandhaltung. 
Nicole Berlin: Einige berufliche Stationen kommen da mittlerweile auch bei mir zusammen. Verschiedene Führungspositionen gehören dazu, wie zum Beispiel die Geschäftsführung bei der DB ERS GmbH, einer Tochter der DB AutoZug GmbH. Die Neuorganisation bei DB Regio mitgestalten zu können, war ebenfalls eine tolle Erfahrung. Aktuell bin ich Bereichsleiterin bei DB Regio und damit für den Betrieb verantwortlich. 

Welchen Anlass gab es für Sie, Ihre Beziehung auch im beruflichen Umfeld öffentlich zu machen?  

Nicole Berlin: Aus unserer Sicht war immer ein offener Umgang gegenüber unserem Arbeitgeber und den Kollegen wichtig, um eine professionelle Zusammenarbeit sicherstellen zu können. Da ist es dann hilfreich, ab einem bestimmten Punkt offen mit dem Thema umzugehen.
 
Haben Sie damals Ihre jeweiligen Vorgesetzen eigentlich über Ihre private Beziehung informiert, bevor Sie andere einbezogen haben? 

Frank Berlin: Es ist schwer, das auf einer Zeitachse einzuordnen, es gab keinen „Tag X.“ Enge Kollegen haben sicher schon etwas geahnt oder vielleicht auch gewusst, bevor wir unsere Vorgesetzten einbezogen haben.

Mit welchen Reaktionen hatten Sie bei Kolleginnen und Kollegen gerechnet – und welche sind tatsächlich eingetreten?

Frank Berlin: Wir hatten uns entschieden, Kollegen und auch Vorgesetzte recht früh einzubinden. Von daher waren die Reaktionen eher unspektakulär. Genau das hatten wir auch erwartet. Weil wir früh offen mit unserer Beziehung umgegangen sind, sind Gerüchte gar nicht erst entstanden, und auch Getuschel haben wir nicht erlebt.  

Wie ist Ihr damaliges berufliches Umfeld mit der Thematik umgegangen? Haben Sie Unterstützung erfahren?
 
Nicole Berlin: Wenn man in einer Beziehung lebt, ist es normal, dass man privat so viel Zeit wie möglich miteinander verbringen möchte. Das war auch unser Wunsch. Unsere damaligen Führungskräfte haben uns bei der Jobsuche am gleichen Ort ziemlich gut und unkompliziert unterstützt. 

Auf welche Schwierigkeiten sind Sie gestoßen? Gab es Vorbehalte? 

Nicole Berlin: Wir haben beide ja nun schon in einigen Führungspositionen gearbeitet. Nie gab es irgendwelche Probleme, weil wir ein Paar sind. Auch nicht, als wir 2003 geheiratet haben. Wir haben immer die Chance gehabt, dass wir hauptsächlich als Mitarbeiter in Erscheinung treten konnten und nicht so sehr als Ehepaar. Seit 2017 sind wir beide ja bei DB Regio als Führungskräfte in der Zentrale beschäftigt. Dass wir ein Ehepaar sind, war nur beim Einstieg meines Mannes mal kurz ein Thema. Er ist ja nach mir zu DB Regio gewechselt.
Frank Berlin: Es gab offene Gespräche mit den Vorgesetzten. Genau wie wir haben auch sie kein Problem darin gesehen, dass wir beide für DB Regio tätig sind. Seitdem arbeiten wir beide professionell – jeder für sich – an den Aufgaben und Zielen, die uns gestellt werden. Um es mal salopp zu formulieren: Wir versuchen als Paar wie viele andere auch, Privatleben und Beruf in Einklang zu bringen – und bisher ist uns das sehr gut gelungen. 

Inwiefern können Sie sich gegenseitig Tipps für Ihre Tätigkeiten geben und in gewisser Weise als Sparringspartner fungieren?

Nicole Berlin: Wir haben ein ähnliches Führungsverständnis, da brauchen wir uns nicht als Sparringspartner. Da mein Mann aber ein sehr sachlicher und ich dagegen ein sehr emotionaler, direkter Mensch bin, hilft es an der ein oder anderen Stelle, einen Perspektivenwechsel zu machen. Aber ehrlich: da gehe ich lieber zu meinem Chef.

Gibt es die Regel, zu Hause nicht über die Arbeit zu sprechen?

Frank Berlin: Wir brauchen für zu Hause keine Regeln. Wir kommen natürlich – wie übrigens auch jedes andere Paar, das nicht zusammen in derselben Firma arbeitet – ab und zu mal auf die Arbeit zu sprechen. Dann sind es aber meist Freunde und Bekannte, die ihre Erlebnisse mit uns teilen wollen.

Was raten Sie anderen Beschäftigten im Konzern im Umgang mit Beziehungen am Arbeitsplatz? 

Nicole Berlin: Wir glauben, dass der offene Umgang – unabhängig von der Position im Unternehmen – entscheidend ist. Je dichter die jeweiligen Positionen räumlich und organisatorisch zusammenrücken, desto wichtiger wird der offene Umgang mit dem Thema. Das hilft der Firma und den Paaren im Umgang damit.