Drei Tage grüner Bahnstrom aus dem Norden

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Drei Tage grüner Bahnstrom aus dem Norden

DB Energie kauft kontinuierlich mehr Ökostrom ein, um die Deutsche Bahn bis 2038 mit 100 Prozent erneuerbarer Energie zu versorgen. Seit kurzem kommen 80 Gigawattstunden grüner Strom pro Jahr aus einem Solarpark bei Plau am See in Mecklenburg-Vorpommern. Wir haben uns das Projekt einmal genauer angeschaut und Torsten Schein, Vorsitzender der Geschäftsführung von DB Energie, nach der Ökostrom-Strategie für die nächsten Jahre befragt.

Lavendelfelder so weit man sehen kann. Im Süden von Mecklenburg-Vorpommern? Kann das sein? Nähert man sich den vermeintlichen lila schimmernden Feldern, entpuppen sie sich als großer Solarpark in Gaarz in der Nähe von Plau am See. Hunderte von Solarmodulen speisen vor Ort seit kurzem grüne Energie in das öffentliche Netz. Grünen Strom, den die DB Energie für 30 Jahre einkauft. Künftig kommen pro Jahr rund 80 Gigawattstunden Ökostrom aus der 90 Hektar großen Anlage. „Der Park ist ein wichtiger Baustein für unsere Strategie“, erklärt Torsten Schein, Vorsitzender der Geschäftsführung von DB Energie. Er ist extra in die Nähe von Plau am See gekommen, um sich den nun fertigen Solarpark genauer anzuschauen.

Corona sorgt für angespannte Lieferzeiten

Knapp ein Jahr hat der Aufbau des Projekts vor Ort gedauert. Durch Corona bedingt verzögerte sich teilweise der Nachschub an Kabeln und Solarmodulen. Doch seit Ende Mai produziert die Anlage grünen Strom. Einzig die mit der Stadt vereinbarte Randbepflanzung des Solarparks (heimische Hölzer und Büsche) fehlt noch. Sie folgt im Herbst, wenn die Pflanzen besser anwachsen können. Die Gemeinde ist in jedem Fall zufrieden mit der Zusammenarbeit, erzählt Bürgermeister Norbert Reier. Große Teile der Solarpark-Flächen verpachtet Plau am See auch selbst an den Betreiber Enerparc. So profitiert die Stadt ebenfalls vom grünen Projekt vor ihrer Haustür. Eine wichtige Einnahmequelle neben dem Tourismus in der sonst strukturschwachen Region.

Größter Gewinner ist aber in der Tat die Deutsche Bahn. Wie wichtig das Projekt für die grüne Strategie ist, erklärt Torsten Schein im Kurzinterview:

Herr Schein, wie wichtig ist der eingekaufte Strom aus dem Solarpark in Gaarz, um die Deutsche Bahn bis 2040 klimaneutral zu machen?

Mit dem grünen Strom, den wir hier einkaufen, können wir für bis zu drei Tage alle unsere elektrischen Züge in Deutschland betreiben. Zusammen mit weiteren grünen Stromverträgen für Wind- und Wasserkraft hilft Gaarz uns, möglichst steil und schnell unser Portfolio auf erneuerbare Energie umzustellen. Dieser Solarstrompark ist also ein wichtiger Baustein neben dem Bezug von Wasserkraft sowie Windkraft an Land wie auf hoher See und wird definitiv nicht der letzte seiner Art sein.

Der Strom aus Gaarz gelangt ins öffentliche Netz und wird dem Bilanzkreis der DB gutgeschrieben. Wann wird grüner Strom auch direkt ins Bahnstromnetz eingespeist?

Vorneweg: Wasserkraft wird seit mehr als 100 Jahren schon direkt eingespeist. Sie ist fast immer verfügbar. Die anspruchsvolle Aufgabe ist es heute, die volatile Sonnenenergie mit dem sehr zuverlässigen Bahnstromnetz bekannt zu machen. Wir machen das erstmalig noch in diesem Jahr. In Thüringen werden wir dann erstmals aus einer Solaranlage direkt über einen Wechselrichter Sonnenenergie in die Oberleitung einspeisen. Wahrscheinlich kommendes Jahr wollen wir dann Grünstrom eines ganzen Solarparks in Neumünster direkt in unser Bahnstromnetz einspeisen. Genauer gesagt in ein Umrichterwerk vor Ort. Das ist Neuland für uns.

Warum ist die Direkteinspeisung so anspruchsvoll?

Bisher setzen wir im Bahnstromnetz auf gut regelbare Energiequellen. Wasserkraft gehört dazu, genau wie Kohle- oder Gaskraftwerke. Photovoltaik und Windkraft sind volatile Energieträger. Sie machen einen immer größeren Teil unserer Energie aus. Wir müssen diese Herausforderung für die Versorgungssicherheit also lösen, indem wir unser Netz ständig neu ausregeln – teilweise in kurzen Sekundenabständen. Denn Strom muss verbraucht werden, wenn er erzeugt wird. Um Spitzen nach oben und unten auszugleichen, setzen wir verstärkt auf Speicher. Wir bei DB Energie arbeiten daran, dass in den kommenden Jahren auch grüner Wasserstoff zur Verfügung steht.

Was passiert, wenn der Wind kaum weht und die Sonne kaum scheint?

Das nennen wir dann Dunkelflauten. Solche Phasen gibt es. Die Erzeuger-Anlagen sind in den vergangenen Jahren immer effizienter geworden. Alle acht Jahre hat sich die Energieausbeute der Photovoltaiktechnik verdoppelt. Die Module produzieren auch Strom, wenn es regnet oder der Himmel bedeckt ist. Aber wir brauchen, wie bereits angesprochen, in Zukunft verstärkt Speichertechnologien. Da es davon Stand heute noch zu wenige gibt, wird es für eine Übergangszeit bei der Bahnstromversorgung ohne den Energieträger Gas kaum gehen. Dieser kann bei einem vergleichsweisen geringen Ausstoß von CO2 vorerst als Absicherung für die unstete Einspeisung aus Erneuerbaren dienen.

Sind Sie bei DB Energie im Zeitplan, um die grünen Ziele der DB zu erreichen?

Der Bedarf ist groß, es wird immer mehr grüne Energie nachgefragt. Als größter Nutzer von Erneuerbaren in Deutschland können wir als DB aber mit guten Konditionen und langen Laufzeiten attraktive Verträge aushandeln. Damit haben wir gute Voraussetzungen bis 2030 den Anteil der Erneuerbaren bei uns auf 80 Prozent zu erhöhen und bis 2038 100 Prozent Grünstrom zu erreichen. Da liegen wir mit einem Anteil von 62 Prozent bis zum Ende des Jahres 2021 genau im Zeitplan.