Endlich am Zug

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Endlich am Zug

Seit fünf Jahren bildet die DB in besonderen Programmen Menschen aus, die einst geflüchtet sind. Die DB-mobil hat für ihre Juli/August-Ausgabe mit drei von ihnen gesprochen.

Bevor sie nach Deutschland kam, war Hajar Pirniaghalati genau einmal mit dem Zug gefahren. Mit ihrer Schwiegermutter und ihrer Schwägerin ging es von ihrer damaligen Heimatstadt Schiras im Süden des Irans hinauf in die Hauptstadt Teheran. „Wir saßen im Speisewagen und bestellten etwas zu trinken“, erinnert sie sich, „es gab dort auch persische Gerichte wie Hühnchen mit Safranreis.“ Mittlerweile kann die heute 29-Jährige nicht mehr zählen, wie oft sie mit der Bahn unterwegs war und im Bordrestaurant stand. Sie hat kürzlich ihre Ausbildung bei der Deutschen Bahn abgeschlossen und arbeitet nun als Fachfrau für Systemgastronomie. Genau wie ihr Mann, Hossein Shabanehbooshehri, 30, der im Iran nie Bahn fuhr. „Das Netz ist einfach nicht so dicht wie hierzulande“, sagt er. Wegen der Corona-Beschränkungen fanden alle Gespräche per Telefon statt.

"Die DB versteht Integration als gesellschaftliche Aufgabe, der wir auch sehr gerne nachkommen. Wichtig ist uns, den Geflüchteten über anerkannte Qualifizierungen nachhaltige Perspektiven zu bieten." 

Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht der Deutsche Bahn AG

Das Paar hatte sich beim IT-Studium in Schiras kennengelernt und dort ein Internetcafé betrieben. Vor sechs Jahren hatten sie sich entschieden, den Iran zu verlassen. Von der Slowakei aus reisten sie per Zug nach Berlin, sie erhielten einen Wohnheimplatz in Bremen. Es dauerte eineinhalb Jahre, bis Anfang 2016 ihr Asylantrag bewilligt wurde. Sie meldeten sich zum Deutschkurs an und machten sich über ihre berufliche Zukunft Gedanken. Damit waren sie beileibe nicht allein. Die Jahre 2015/16 gelten als Höhepunkt der sogenannten Flüchtlingskrise, als Millionen Menschen nach Europa kamen.

Bald wurde klar, dass viele Migranten längere Zeit im Land bleiben würden. Wie könnte es gelingen, sie in Gesellschaft und Arbeitsmarkt zu integrieren? Die DB hatte sich früh damit beschäftigt – schließlich waren viele der Schutzsuchenden an Bord ihrer Züge ins Land gereist und auf den Bahnhöfen oft freundlich empfangen worden. „Was wir als Unternehmen gut können, ist ausbilden“, sagt Ulrike Stodt, Leiterin Integrationsprogramme bei der DB. Mehr als 4000 Azubis starten jährlich eine Ausbildung. Zudem gab es bereits ein Programm namens „Chance plus“, das Jugendliche fit für den Arbeitsmarkt macht. „Das haben wir ausgebaut“, sagt Stodt. Außerdem entwickelte die DB das Programm „Check Up für Geflüchtete“. In diesem achtwöchigen Kurs lernen die Teilnehmer verschiedene Bahnberufe kennen, verbessern ihre Deutschkenntnisse und finden heraus, wo ihre Talente liegen. Das Paar aus dem Iran schloss ihn ab und machte direkt mit „Chance plus für Geflüchtete“ weiter. Dieses sechs- bis zwölfmonatige Programm verbindet einen Praxisteil mit Unterricht. Die Teilnehmer haben Mathematik, Englisch und Deutsch, und sie üben, einen Lebenslauf zu schreiben. Danach steht ihnen eine Ausbildung bei der DB offen.

Beide Eheleute mögen es, an Bord unterwegs zu sein. Zudem suchten sie eine Ausbildung, bei der sie ihr kaufmännisches Talent und ihre IT-Erfahrung einbringen können: Auch Büroarbeit gehört dazu, wenn etwa Dienstpläne erstellt werden. „Neulich wurde eine neue Kasse eingeführt“, sagt Shabanehbooshehri, „damit konnte ich direkt gut umgehen.“

Nach bislang etwa 400 Teilnehmern haben die Ausbilder der DB ein Gespür, wie sie Geflüchtete zum Erfolg führen – vier von fünf Teilnehmern werden in Ausbildung übernommen. Sprache spielt eine große Rolle. „Erklären Sie mal ein Wort wie Abisolierzange“, sagt Stodt. „In den Ausbildungsbetrieben hängen solche Begriffe nun neben einem Bild.“ Auch soziale Begleitung ist wichtig: Manche Geflüchtete verschulden sich, weil sie ihre Handyverträge nicht verstehen. Bei solchen Problemen beraten andere DB-Mitarbeiter ehrenamtlich.

Für Geflüchtete, die passende Berufserfahrung mitbringen, bietet die DB auch Umschulungen an. Dieses Angebot nutzte Mohamad Rekabi. Der heute 32-Jährige floh mit zwei Brüdern 2015 aus Damaskus, weil sie fürchten mussten, in den Krieg hineingezogen zu werden. In Syrien hatte er Klimaanlagen repariert. Daran wollte er anknüpfen. „Es war klar: Ich muss etwas lernen“, sagt Rekabi. Er fing eine Umschulung zum Elektroniker für Betriebstechnik an. Eine stressige Zeit, zeitweise sechsmal wöchentlich pendeln von Augsburg nach München. „Ich wollte es aber unbedingt schaffen.“ Seine Prüfung bestand er mit guten Noten, seit Februar arbeitet Rekabi als Elektroniker bei der DB Netz AG in Augsburg, wo er heute in einer Wohnung lebt, die ihm sein Arbeitgeber vermittelt hat.

Was Rekabi mit Pirniaghalati, Shabanehbooshehri und vielen Flüchtlingen verbindet: Sie sind motiviert, bei der DB weiter Karriere zu machen. Einmal arbeitete das Paar schon gemeinsam im Bordrestaurant. Soll das häufiger passieren? Spontan antwortet sie: „Ja.“ Und ihr Mann: „Nein.“ Beide lachen. Und einigen sich darauf: Ab und zu wäre doch nett.

Die DB stellt ein und sucht Bewerber jeglicher Herkunft. Infos unter deutschebahn.com/karriere