Für diesen Mann ist schon lange 2022

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Für diesen Mann ist schon lange 2022

Der Fahrplan für 2021 ist gerade erst in Kraft getreten - für Roland Sperber ist er bereits Schnee von gestern: Der Angebotsplaner bei DB Regio Bayern befasst sich längst mit dem Fahrplan für 2022.

Roland Sperber ist Herr über hunderte Verbindungen in Mittel- und Unterfranken: Wann die Züge wo fahren, ob Schüler bequem zum Unterricht und Pendler zur Arbeit kommen, ob Reisende ihre ICE-Anschlüsse erreichen – für all das ist der 56-Jährige zuständig. Er plant das Angebot für die S-Bahn Nürnberg, die Mittelfrankenbahn, die Mainfrankenbahn und den Main-Spessart-Express (siehe Infokasten am Ende des Artikels). Und das keineswegs im stillen Kämmerlein: Jede Menge Gespräche und Abstimmungen sind nötig – und eine Menge Geduld und viel Erfahrung. Die hat Sperber reichlich, schließlich ist er seit 40 Jahren bei der Bahn. Der Franke hat Eisenbahner gelernt, war Fahrdienstleiter und arbeitet seit fast 20 Jahren als Angebotsplaner im Regionalverkehr.

Baukorridore vereinbart

Und wie steht es um den Fahrplan 2022? „Schon im vergangenen Sommer hatten wir erste Gespräche, anderthalb Jahre bevor er in Kraft tritt“, berichtet Sperber. DB Netz, die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) als Auftraggeber des Regionalverkehrs, DB Regio und andere Verkehrsunternehmen stimmten die Baukorridore ab. Sie haben in groben Zügen geklärt, wo und wann DB Netz 2022 an den Strecken bauen kann und Schienenersatzverkehre fahren werden. „Wir vertreten dabei natürlich unsere regionalen Interessen“, sagt Sperber. Etwa wenn DB Netz zu Pfingsten zwischen Nürnberg und Bamberg bauen will, obwohl – vorbehaltlich der Corona-Pandemie – die Erlanger Bergkirchweih stattfindet. „Das ist eines der großen Volksfeste in Bayern mit einer Million und mehr Besucher. Da ein Schienenersatzverkehr nicht funktionieren würde, kann DB Netz in dieser Zeit nicht bauen“, so Sperber.

Kundenwünsche und Tipps von Kollegen

Seit Herbst bastelt der Angebotsplaner an den Fahrplänen seiner vier Franken-Netze für 2022. Dabei stützt er sich auf die Bestellungen der BEG und auf den aktuellen Fahrplan. Sperber schaut auch, ob sich eventuell bessere Anschlüsse im Fernverkehr oder zu Zügen anderer Verkehrsunternehmen ergeben. Außerdem greift er Kundenwünsche und Tipps von Kollegen auf. „Wenn ein Triebfahrzeugführer erzählt, dass Schüler regelmäßig zum Zug rennen müssen, schaue ich, ob er nicht ein bisschen länger warten kann.“ Allerdings dürfen die Reisenden auch nicht zu spät am nächsten Knotenbahnhof ankommen, damit sie ihre Anschlüsse nicht verpassen. Manchmal melden sich Schulen und bitten beispielsweise darum, dass die Verstärkerzüge in der Woche vor den Ferien nicht erst um 13 Uhr, sondern früher fahren. „Die Pendler dagegen wollen am liebsten gar keine Änderungen.“ Das weiß Sperber aus eigener Erfahrung, schließlich wohnt er in Hartmannshof und pendelt mit der S-Bahn ins gut 40 Kilometer entfernte Nürnberg.

Jede Änderung wird abgeklärt

Alle Änderungen bespricht Sperber mit der BEG und mit den Regio-Kollegen. Umlauf-, Fahrzeugeinsatz- und Personalplaner prüfen, ob die Ressourcen ausreichen und die Zugfahrten machbar sind. „Jede Änderung ist ein Einzelfall und muss mit allen Seiten abgeklärt werden.“ Danach wird alles in ein System eingepflegt. DB Netz schaut, ob die gewünschten Trassen vorhanden und die Gleise in den Bahnhöfen geeignet sind.

Trassen bei DB Netz bestellt

Im März beginnt die „Trassenbestell-Phase“ bei DB Netz: Bis zum zweiten Montag im April bestellen alle Eisenbahnverkehrsunternehmen in Deutschland – DB Regio, DB Fernverkehr, Güter- und externe Unternehmen – die Trassen für ihre Züge. Zweieinhalb Monate arbeiten die Kollegen von DB Netz die Bestellung ab und lösen Interessenkonflikte zwischen den Unternehmen – in enger Absprache natürlich auch mit Roland Sperber. „Bei Änderungen fange ich wieder von vorn an: Ich prüfe jeden Vorschlag, bespreche ihn mit den Planern intern und mit der BEG und gebe den Kollegen von DB Netz Bescheid.“ Im Juni kommt das vorläufige Fahrplan-Angebot von DB Netz, das Sperber und seine Kollegen bei den Verkehrsunternehmen deutschlandweit innerhalb eines Monats zu bearbeiten haben. Legt jemand Einspruch ein, schaltet sich die Bundesnetzagentur ein, um den Konflikt zu lösen. 

Trassenvertrag im August

Ende August verschickt DB Netz den Trassenvertrag – aber auch das ist noch nicht der endgültige Fahrplan. „Von unserer Bestellung im April bis zum Trassenvertrag Ende August kann viel passieren: Schulen beginnen zehn Minuten früher mit dem Unterricht, oder wir haben neue Kenntnisse, auf die wir reagieren müssen“, so Sperber. Diese Einzelfälle werden – wieder in Abstimmung mit allen Beteiligten – im September in das Angebot eingearbeitet. Am zweiten Dienstag im Oktober aber ist es dann endlich so weit: Der Fahrplan für das kommende Jahr wird veröffentlicht. Und Sperber? Der arbeitet da längst wieder an einem neuen Fahrplan – für das darauffolgende Jahr.

Die vier Netze in Franken

S-Bahn Nürnberg

Seit 2017 auf den Linien S1 Hartmannshof–Bamberg, S2 Altdorf–Roth, S3 Nürnberg Hbf–Neumarkt (Oberpf.), S4 Nürnberg Hbf–Dombühl, ab 13. Dezember: S5 Nürnberg–Allersberg (Rothsee) 

Mittelfrankenbahn (Dieselnetz Nürnberg)

Von Nürnberg Hbf nach Markt Bibart, Neuhaus (Pegnitz) und Simmelsdorf-Hüttenbach, von Fürth (Bay) Hbf nach Cadolzburg und Markt Erlbach. Außerdem die Strecken Nürnberg Nordost–Gräfenberg, Neustadt a. d. Aisch–Steinach und Steinach–Rothenburg o. d. Tauber

Mainfrankenbahn

Seit 2010 auf den Strecken Würzburg–Kitzingen–Nürnberg, Würzburg–Schweinfurt–Bamberg, Würzburg–Ansbach–Treuchtlingen und Würzburg–Gemünden–Lohr/Schlüchtern

Main-Spessart-Express

Seit 2015 zwischen Bamberg, Schweinfurt, Würzburg, Karlstadt, Gemünden, Lohr, Aschaffenburg und Frankfurt