Glamour auf der Schiene

Stage

Stage

zurück zur Übersicht

Glamour auf der Schiene

Er war in den 1950er-Jahren die Design-Ikone der Deutschen Bundesbahn: der legendäre „Trans Europ Express“ (TEE). Jetzt hat ihn das Team von Lokführer Wolfgang Ihrlich nach Berlin gebracht. Warum sein Herz ganz besonders für diesen Zug schlägt, der jetzt vier Wochen im Technikmuseum zu sehen sein wird.

Der legendäre Wirtschaftswunderzug ging 1957 erstmals auf die Schiene. Mit seinem stromlinienförmigen Design, dem runden Triebkopf und der weich geschwungen Binde entlang des Schriftzugs wurde der Dieseltriebzug schnell zur Ikone des modernen Fernverkehrs.

Er begeisterte aber nicht nur durch die Optik seiner Außenhülle, sondern auch durch sein Innenleben. „Die Ausstattung der ursprünglich 7-teiligen Garnitur war vom Feinsten“, schwärmt Wolfgang Ihrlich, Triebfahrzeugführer und stellvertretender Direktor des DB Museums. „Damals ging es nicht darum, möglichst schnell von A nach B zu kommen, sondern die Menschen haben die Reise selbst als Luxus empfunden, als ein ganz besonderes Erlebnis. Das war eine außergewöhnliche Reisekultur.“

Wenn die Landschaft vorüberfliegt

Wer sich auf einem der über 120 Sessel niederließ, fühlte sich wie in einem eleganten Salon. Die Wände waren mit Kirschbaum-, Teak- oder Nussbaumholz verkleidet. In den Abteilen spendeten Leseleuchten Licht, und Klimaanlagen sorgten für angenehme Temperaturen. Bei einem Blick durch die schallschutzverglasten Fenster flog die Landschaft nur so vorbei. Bis zu 140 km/h fuhr der Zug. Unerhört schnell in einer Zeit, in der meist noch Dampfloks auf Europas Schienen unterwegs waren.

In den beiden Speiseabteilen wurden fünfgängige Menüs auf Porzellan serviert. Mit goldenem TEE-Emblem versteht sich. Anschließend genoss man in der Bar noch einen Digestiv. Umsorgt wurden die Gäste von Zugbegleiter:innen, die damals erstmals Stewardessen genannt wurden – wie im Flugzeug. Wer hier arbeiten wollte, musste sich gut auskennen in der gehobenen Gastronomie. Auf dem Schulungsplan für den TEE standen deshalb Tee- und Weinkunde. Aber auch Kosmetikkurse, damit die Stewardessen schick aussahen.

Nach Berlin geschleppt

Wolfgang Ihrlich und sein Team sind mit vier Teilen des ehemals siebenteiligen Zugs in Berlin angekommen: zwei Triebköpfe, ein Großraumwagen und ein Abteilwagen. Gut 15 Stunden haben er und seine Kollegen Walter Gras und Patrick Petersen gebraucht, um den Zug aus Koblenz in die Hauptstadt zu schleppen, per E-Lok und mit einer Geschwindigkeit von maximal 80 km/h. Aus eigener Kraft kann der Schnellzug nicht mehr fahren, die Antriebe sind nicht mehr funktionstüchtig. Entlang ihrer Strecke warteten bereits viele Eisenbahnfans, um die Attraktion mit dem Handy einzufangen.

Mit im Zug war auch ein ehrenamtliches Team der Stiftung Bahn-Sozialwerk. „Während wir unterwegs waren, hat es den TEE nochmal auf Hochglanz gebracht, Teppiche gesaugt und auf den Fenstersimsen die letzten Staubkörnchen entfernt“, so Wolfgang Ihrlich. Feinschliff nach anderthalb Monaten Vorbereitung. Schließlich sollte der TEE glänzen bei seiner Ankunft am Südkreuz, wo er auf den EU-Sonderzug Connecting Europe Express (CEE) traf. Gemeinsam wurde der historische Klassiker von DB-Chef Richard Lutz, Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und Berlins Bürgermeister Michael Müller empfangen. Und Wolfgang Ihrlich bekam eine Förderurkunde überreicht für einen lokbespannten TEE des DB Museums.

Anschließend ging es dann Richtung Berliner Technikmuseum. Dort können Besucher:innen den Luxuszug bis zum 31. Oktober besichtigen. Danach wird er von Wolfgang Ihrlich und seinem Team per E-Lok wieder nach Hause gebracht. „Mein Traum wäre natürlich, dass der TEE eines Tages wieder fahrtüchtig ist und meine Kollegen oder ich wieder im Führerstand sitzen können“, sagt der leidenschaftliche Eisenbahner, der seit über 45 Jahren bei der Bahn ist.

Über den TEE und das TEE-Netz

Nach dem Zweiten Weltkrieg entwickelte die Bundesbahn und die Nürnberger Schienenfahrzeugsparte von MAN den TEE-Dieseltriebzug. Die Herausforderung: In einer Rekordzeit von nur 15 Monaten sollten die beiden Triebköpfe und die fünf Mittelwagen der Öffentlichkeit präsentiert werden. Keine leichte Aufgabe für die Konstrukteure, die von vielen Rückschlägen begleitet war. Am 15. Mai 1957 nahm die DB dann die erste Garnitur ab. Im gleichen Jahr begründete die Deutsche Bundesbahn zusammen mit sechs weiteren europäischen Eisenbahnen das TEE-Netz in Europa. Es sollte die wichtigsten Metropolen miteinander verbinden und die Menschen einander näherbringen. Die Züge hatten nur eine 1. Wagenklasse und waren wegen ihrer kurzen Fahrzeiten sowie der Pass- und Zollkontrolle im fahrenden Zug bei Geschäftsreisenden sehr beliebt. Die Fahrgastzahlen stiegen schnell, sodass schon 1958 Mittelwagen von der DB nachbestellt werden mussten. In den ersten zehn Jahren legten die Züge 21 Millionen Kilometer mit einem statistischen störungsfreien Laufleistungsintervall von 1,4 Millionen Kilometern zurück. Das war lange Zeit der beste Wert in der gesamten Fahrzeugflotte der DB. Die VT 11.5 kam bis 1969 im TEE-Verkehr zum Einsatz. Danach fuhr sie im innerdeutschen IC-Verkehr und bis 1988 im Reisezugsonderverkehr.