Meilenstein im automatisierten ÖPNV

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Meilenstein im automatisierten ÖPNV

Passagierbetrieb für selbstfahrende Shuttles auf Abruf in Karlsruhe gestartet

Im Karlsruher Stadtteil Weiherfeld-Dammerstock können Bürger:innen jetzt ein einzigartiges Mobilitätskonzept erleben: Im Rahmen des Forschungsprojekts EVA-Shuttle bringen autonom fahrende, emissionsfreie Minibusse ihre Fahrgäste nach Bedarf bequem von A nach B. Das Besondere dabei: Die Fahrzeuge bewegen sich frei im regulären Straßenverkehr, agieren dort selbstständig und reagieren auf Fußgänger:innen, Radfahrer:innen und motorisierte Verkehrsmittel. Die Bestellung erfolgt on-demand via App „eva-shuttle“ von ioki. In dieser Konstellation ist das bisher einzigartig in Deutschland. Die drei Fahrzeuge mit den Namen „Ella“, „Vera“ und „Anna“ sind im Rahmen von EVA-Shuttle (EVA = elektrisch, vernetzt, automatisiert) nach einer intensiven Erprobungszeit in der letzten Projektphase nun in den Publikumsverkehr gestartet. Bis Ende Juni können Fahrgäste das neue Mobilitätskonzept nun testen – und das kostenlos.

Am Forschungsprojekt EVA-Shuttle beteiligt ist ein Konsortium aus fünf Partner:innen: Neben dem FZI Forschungszentrum Informatik sind das die Robert Bosch GmbH, die Verkehrsbetriebe Karlsruhe GmbH, die TÜV SÜD Auto Service GmbH und die Deutsche Bahn Tochter ioki GmbH.

"Mit der Förderung dieses Projekts leistet der Bund einen wichtigen Beitrag, um die Mobilität in den Städten weiterzuentwickeln. Wir brauchen solche innovativen Vorhaben, um international eine Vorreiterrolle einnehmen zu können, wenn es um fahrerlosen ÖPNV geht", sagt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer und ergänzt: "Mit unserem neuen Gesetz zum autonomen Fahren werden wir als erstes Land weltweit selbstfahrende Fahrzeuge aus den Forschungslaboren auf die Straße holen - und zwar im Regelbetrieb. Projekte wie das hier in Karlsruhe können dann viel leichter umgesetzt werden. Ich bin mir sicher: Indem wir die Technik Stück für Stück zum Teil des Alltags machen, können wir die Menschen für das autonome Fahren begeistern.“

Den Betrieb der EVA-Shuttles übernehmen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe als erfahrenes Verkehrsunternehmen. Sie betten die Shuttles in die Meldekette ihrer Zentralen Leitstelle ein und können bei Wartungsbedarf jederzeit auf die Logistik der Pkw-Werkstatt im Karlsruher Rheinhafen zurückgreifen.

Dass die Fahrzeuge in der Lage sind, sich frei innerhalb der Fahrbahngrenzen zu bewegen und damit eigenständig auf verschiedene Verkehrssituationen im innerstädtischen Mischbetrieb reagieren können, ist möglich, weil am FZI Forschungszentrum Informatik völlig neuartige Planungsalgorithmen zur Entscheidungsfindung entwickelt wurden. Diese bauen auf der Sensorik, Umfelderkennung und der Selbstlokalisierung des Projektpartners Bosch auf.

Digitalisierung des ÖPNV nimmt Fahrt auf

Fahrgäste können sich via Smartphone-App von ioki ein Fahrzeug bestellen und damit barrierefrei den Weg von der Stadtbahnhaltestelle Dammerstock bis zur Haustür im Quartier zurücklegen oder bequem von daheim zum Bäcker im Statteilzentrum fahren. Die Bedienzeiten sind bis 30. April täglich zwischen 9 und 16 Uhr, vom 1. Mai bis 30. Juni täglich von 8 bis 17 Uhr.

Die Shuttles fahren ohne festen Fahrplan (on-demand) immer nur dann, wenn sie per Smartphone-App angefordert werden. Sie bedienen dabei virtuelle Haltestellen, zu denen sie bei Fahrtanfrage von der App gelotst werden. Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden dank eines intelligenten Algorithmus zu Fahrgemeinschaften gebündelt (Ridepooling). Die DB-Tochter ioki präsentiert in diesem Projekt erstmalig ihre eigens entwickelte technische Schnittstelle, die die Kombination aus autonomem Fahren und On-Demand-Buchung ermöglicht, eine Deutschland-Premiere. „Wir erklimmen heute die nächste Technologie-Stufe beim autonomen Fahren: Erstmals kombinieren wir autonom und on-demand, außerdem verzahnen wir die Shuttles per App mit Bus und Bahn. Unsere ioki-Plattform ermöglicht genau diese Verknüpfungen. Die Digitalisierung des ÖPNV nimmt dadurch weiter an Fahrt auf. Damit stärken wir auch die Schiene, beschleunigen so die Mobilitätswende und den Klimaschutz. Deshalb reicht die Bedeutung dieses Forschungsprojekts noch weit über Karlsruhe hinaus“, sagt DB-Personenverkehrsvorstand Berthold Huber.

Sicherheit steht an erster Stelle: Sicherheitsfahrer immer an Bord/Corona-Konzept

Die Sicherheit steht beim Fahrgastbetrieb an erster Stelle. Das unter der Leitung von TÜV SÜD entwickelte Sicherheitskonzept sorgt für die Sicherheit der Fahrgäste und anderen Verkehrsteilnehmenden. Die drei Fahrzeuge Ella, Vera und Anna haben dazu monatelange Entwicklungsfahrten und Tests auf dem Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg sowohl auf einer privaten Teststrecke als auch im öffentlichen Zielgebiet hinter sich. Vor dem Start des Personenbetriebs wurden sie wiederholt von TÜV SÜD-Sachverständigen geprüft und vom Regierungsbezirk Karlsruhe für den Straßenverkehr mit einer maximalen Fahrtgeschwindigkeit von 20 Stundenkilometer zugelassen.

Auch wenn sich der Mini-Bus selbstfahrend im Quartier bewegt, ist zu jeder Zeit ein ausgebildeter Sicherheitsfahrer:in des Karlsruher Verkehrsverbunds (KVV) an Bord, der im Notfall eingreifen kann und den Betriebsablauf sichert. Dieser hat jederzeit die Möglichkeit, in das Fahrgeschehen einzugreifen und eine Korrektur vorzunehmen, das Fahrzeug zum Stillstand zu bringen oder in einen manuellen Bedienungsmodus zu wechseln. Auch steht er in Fahrtpausen für alle Fragen bereit oder kann mobilitätseingeschränkten Fahrgästen beim Ein- und Ausstieg helfen.

Wo normalerweise bis zu sechs Fahrgäste Platz finden würden, deren Fahrtanfragen über das sogenannte Ridepooling intelligent zusammengelegt werden können, werden nun aufgrund der Corona-Pandemie zum Infektionsschutz maximal drei Personen einsteigen können. In Abstimmung mit dem Karlsruher Gesundheitsamt haben die VBK ein Hygienekonzept erarbeitet. Die Mitfahrt ist wie bei allen öffentlichen Verkehrsmitteln nur mit medizinischer Maske erlaubt. Alle Oberflächen werden regelmäßig von den Sicherheitsfahrern desinfiziert.

Autonome Shuttles nutzen Infrastruktur des Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg

Die EVA-Shuttles fahren auf dem Testfeld Autonomes Fahren Baden-Württemberg. Das Testfeld ist seit 2018 mit über 200 Kilometer Netzlänge aller Straßentypen in Betrieb und wird zurzeit von über zehn Forschungsprojekten genutzt.