So läuft es bei den S-Bahnen während der Streiktage

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So läuft es bei den S-Bahnen während der Streiktage

Die S-Bahnen fahren während des GDL-Streiks mit einem verlässlichem Grundangebot. Was das an Mehraufwand und organisatorischem Geschick im Hintergrund bedeutet, zeigt ein Blick hinter die Kulissen in München, Hamburg, Berlin und Frankfurt am Main.

Sie sind groß, sie sind grün und sie sind immer in Bewegung: Die S-Bahnen in Deutschland bilden das Herzstück der Mobilität für die Menschen in den großen Ballungsräumen.

Verlässliches Grundangebot auch in Berlin

Das soll auch im Fall von Streiks so weit wie irgendwie möglich der Fall sein. „Das Wichtigste für unsere Fahrgäste ist jetzt ein Angebot, mit dem sie trotz des Streiks planen können. Deshalb setzen wir alles daran, das Grundangebot – vor allem in den Hauptverkehrszeiten – verlässlich auf die Schiene zu bringen. Sobald zusätzliche Lokführerinnen und Lokführer zur Verfügung stehen, verstärken wir natürlich zuerst das Angebot auf den am häufigsten genutzten Linien“, sagt Karsten Preißel, Geschäftsführer Produktion der S-Bahn Berlin. In Berlin fährt die S-Bahn einen stabilen 20-Minutentakt auf den meisten Linien, an den Wochenenden nachts einen 30- bzw. 40-Minutentakt.

Blick nach München 

Im Fall der S-Bahn München verkehren die S-Bahn-Linien mindestens im Stundentakt, auf mehreren Linienabschnitten auch alle 20 bis 40 Minuten. „Das Wichtigste für unsere Kundinnen und Kunden ist ein Fahrplan, mit dem sie trotz des Streik sicher planen können. Deshalb setzen wir alles daran, das Grundangebot – vor allem in den Hauptverkehrszeiten und auf stark nachgefragten Verbindungen – verlässlich auf die Schiene zu bringen", sagt Marcel Schäfer, stellvertretender Leiter der Leitstelle bei der S-Bahn München. 

Antonia Helmes, Leiterin Fahrgastmarketing und -kommunikation, ergänzt: "Ob per München Navigator, der App Streckenagent oder auf den Infomonitoren in unseren Zügen – wir informieren unsere Fahrgäste so früh und so umfassend wie möglich zum Ersatzfahrplan während der Streiktage. An stark frequentierten Bahnhöfen haben wir zusätzlich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter vor Ort, die bei Fragen weiterhelfen können."

Hauptlinie in Hamburg im Langzugbetrieb

Die S-Bahn Hamburg fährt im 20-Minuten-Takt. Dieses stabile und verlässliche Angebot im gesamten Streckennetz der S-Bahn Hamburg anzubieten, war auch hier wichtig. S-Bahn-Chef Kay-Uwe Arnecke: „Wir können sogar ein bisschen darüber hinaus fahren. Und wir haben unsere Hauptlinie, die S3, auf Langzugbetrieb umgestellt, so dass wir dort auch mehr und höhere Kapazitäten haben.“ 

Nahverkehr im engen Zusammenschluss

Wenn die Ersatzfahrpläne für die S-Bahnen ausgearbeitet werden, geschieht das oft in enger Zusammenarbeit mit dem Regionalverkehr, kommunalen Verkehrsunternehmen und den Verbünden. Auf Strecken, die gemeinsam befahren werden, hält dann zum Beispiel anstelle der S-Bahn die Regionalbahn. An anderer Stelle fahren die U-Bahnen oder die Straßenbahnen zum gewünschten Ziel. Die regionalen Nahverkehrsunternehmen erhöhen während des Streiks oft ihr Angebot, damit genügend Platz für die Fahrgäste zur Verfügung steht. Die ganze Branche steht zusammen, um die Mobilität mit öffentlichen Verkehrsmitteln bestmöglich aufrecht zu erhalten.

Kein Ersatzfahrplan auf Knopfdruck 

Damit dies gelingt, startet hinter den Kulissen bei jeder S-Bahn mit der Streikankündigung ein organisatorischer Kraftakt. Der Ersatzfahrplan ist ein „riesiger Aufwand, weil wir einen ganz neuen Fahrplan entwickeln, den wir dann umsetzen“, so Kay-Uwe Arnecke. Das habe auch dieses Mal wieder dank der engagierten Mitarbeitenden super funktioniert. Für alle S-Bahnen gilt: Auch wenn das Grundkonzept vorbereitet ist, geht es nun darum, das Ersatzkonzept bis zum Beginn des Arbeitskampfes innerhalb kürzester Zeit stabil umzusetzen. Bei den Metropol-S-Bahnen müssen die täglich bis zu 3.000 S-Bahn-Fahrten je Region nach aktueller Verfügbarkeit von Personal und Fahrzeugen neu geplant werden.

S-Bahn Rhein-Main: Viel los im Hintergrund

In allen Bereichen der S-Bahnen bedeutet die Streiksituation eine hohe Arbeitsbelastung: "Was hier vom Zeitpunkt des Streikaufrufs bis zum Start des Ersatzangebots alle gemeinsam leisten, verdient absoluten Respekt und hohe Anerkennung", sagt Michael Gödde, Leiter Produktion von der S-Bahn Rhein-Main. In Frankfurt am Main müssen im Streikfall die täglich rund 1.000 S-Bahnfahrten je nach aktueller Verfügbarkeit von Personal und Fahrzeugen neu geplant werden. Die Züge fahren im Stundentakt. 

Disponenten in der Leitstelle, Personal- und Fahrzeugplaner, die Kolleginnen und Kollegen vom Fahrplan und die Streckenagenten – sie alle arbeiten teils bis spät in die Nacht und am Wochenende mit Hochdruck daran, den Betrieb so zu organisieren, dass pünktlich zum Streikbeginn ein stabiler Ersatzfahrplan für die Kunden läuft und die Fahrgäste über ihre Reisemöglichkeiten verlässlich informiert werden. „Das ist vielen gar nicht klar, was das im Hintergrund für eine Arbeit bedeutet“, so Gödde. „Und das zusätzlich zum Tagesgeschäft, das ja auch weiterlaufen muss.“ An den Streiktagen gilt: Es fährt, wer fahren kann. Das sind dann auch die Teamleiter:innen und Führungskräfte oder Kolleg:innen, die mittlerweile gar nicht mehr im Fahrdienst arbeiten, sondern einen ganz anderen Job bei der S-Bahn machen.

Nach Streik-Ende: Alles zum Rollen bringen

Die Anzahl der Streikenden kann sich auch über den Tagesverlauf ändern. Dann heißt es wieder: Im Hintergrund gegensteuern, disponieren, Entscheidungen treffen und etwa einen Schienenersatzverkehr mit Bussen einrichten, um das Angebot für die Kunden aufrecht zu erhalten. Ähnlich groß ist der Aufwand auch zum Streik-Ende. Die Planerinnen und Planer haben dann alle Hände voll zu tun, damit morgens um 2 Uhr und zum Betriebsstart wieder jede S-Bahn und jeder Lokführer und jede Lokführerin wieder genau dort ist, wo sie zum regulären Betrieb sein sollen und gebraucht werden. Bei den ersten beiden Streikwellen ist dies dank des großen Engagements aller Mitarbeitenden der Metropol-S-Bahnen bereits gut gelungen.