Thema Vielfalt - Deutsche Bahn stellt Weltrekord auf

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Thema Vielfalt - Deutsche Bahn stellt Weltrekord auf

Der Weltrekordversuch der Deutschen Bahn ist geglückt: 2.861 Zuschauer:innen verfolgten am Mittwoch den weltgrößten Livestream zum Thema Vielfalt. Deutlich mehr als die für den Rekord benötigten 1.500 Teilnehmer:innen. Damit ist der Platz im Guinness-Buch der Rekorde gesichert.

Die Diskussion stand unter dem Motto: „Welcher Moment hat Dich dazu bewogen, für Vielfalt und Chancengleichheit einzutreten?“ Dieser Frage stellten sich die Influencerin Diana zur Löwen, die Journalistin und Menschenrechtsaktivistin Düzen Tekkal, der Diversity-Beauftragte der Axa-Versicherungen, Christian Riekel und die Civey-Geschäftsführerin Janina Mütze. Sie erzählten von ihren persönlichen Erfahrungen und diskutierten über Ideen, wie Vielfalt in Unternehmen und in der Gesellschaft in Zukunft noch mehr gestärkt werden kann. Der Mut, Veränderungen einzufordern, stand dabei im Mittelpunkt. DB-Vorstandsmitglied Dr. Sigrid Nikutta gab zusätzlich einen Einblick in die Vielfalt der Deutschen Bahn und ihre Ziele. Die Moderation des Livestreams aus dem Berliner Hauptbahnhof übernahm  Tijen Onaran, Geschäftsführerin von Global Digital Women.

Mit diesem Weltrekordtitel und einem weiteren der DB-Mitarbeitenden am 24. und 25. März hat die DB ein klares Zeichen für Vielfalt und Chancengleichheit gesetzt und unterstrichen, welche Relevanz das Thema für die Deutsche Bahn hat. Mit vielen Maßnahmen und Aktionen will der Konzern die Zielgröße „30 Prozent Frauen in Führung bis 2024“ erreichen und den Frauenanteil in der Gesamtbelegschaft deutlich erhöhen.


Eine von 80 Millionen: Tijen Onaran - „Wir müssen endlich die vorherrschenden Rollenbilder aufbrechen“

Diversity-Expertin Tijen Onaran moderierte die weltgrößte Online-Veranstaltung zum Thema Vielfalt. Im Interview erläutert die 36-Jährige ihre Vorstellungen einer bunteren Unternehmenskultur.

Ihr Netzwerk Global Digital Women berät Konzerne in allen Fragen rund um Diversität, Inklusion und Gleichberechtigung. Woran hapert es bei den meisten deutschen Unternehmen noch in Sachen Vielfalt?

Typisch ist, dass Diversität immer noch oft als Charity-Projekt angesehen wird. Viele Unternehmen denken, es genüge, ein paar Workshops zu dem Thema anzubieten, ändern aber ihre tradierten Rollenmuster nicht. Aber wenn die vorherrschenden Strukturen Frauen nicht bis an die Spitze lassen, helfen auch kein Frauenförderprogramm und kein Frauennetzwerk.



Wie lassen sich die vorherrschenden Rollenbilder aufbrechen?

Es müssen mehr verschiedene Lebensmodelle in einem Unternehmen umsetzbar sein. Es sollte zum Beispiel ganz normal sein, dass Männer in Elternzeit gehen oder sich ihre Stelle mit einer Frau teilen. Je öfter das geschieht, desto alltäglicher wird es auch. In Deutschland ist davon allerdings bisher kaum etwas zu sehen. Wir haben noch immer ein sehr starres Bild davon, wie eine Familie funktionieren sollte. Wenn sich Unternehmen mehr Frauen in ihren Vorständen wünschen, müssen sie auch Führungspositionen in Teilzeit ermöglichen. Denn das funktioniert durchaus! Außerdem müssen die Firmen sich klare Ziele setzen, und ihre Maßnahmen für mehr Diversität müssen messbar sein. Ein Ziel kann zum Beispiel lauten: Bis 2030 wollen wir Geschlechterparität auf allen Managementebenen schaffen. Unbewusste Vorurteile bauen sich nur sehr langsam ab. Deshalb müssen Unternehmen an dem Thema langfristig dranbleiben.

Global Digital Women ist ein europaweites Netzwerk, dem sich schon mehr als 30.000 Frauen aus der Digitalbranche angeschlossen haben. Welche Unterschiede beobachten Sie in den verschiedenen europäischen Ländern im Umgang mit Diversität?

Vorreiter sind hier die skandinavischen Länder. In Finnland etwa gibt es schon seit Jahren eine Frauenquote in Politik und Wirtschaft, und das hat bereits viel verändert. Deutschland ist bei ähnlichen Bestrebungen leider oft das Schlusslicht. Die Rollenvorstellungen hierzulande sind noch immer stark von den Fünfzigern geprägt. Oft habe ich den Eindruck, dass wir noch gar nicht in diesem Jahrhundert angekommen sind!

Woran lässt sich das festmachen?

Das merkt man allein schon daran, mit welchen Fragen weibliche und männliche Manager in der Öffentlichkeit konfrontiert werden: Frauen wird immer die Frage nach Vereinbarkeit von Familie und Beruf gestellt, ihr Aussehen wird thematisiert, und in den Gesprächen geht es meist um weiche Faktoren wie zum Beispiel Teamfähigkeit. Männer hingegen werden an ihren beruflichen Erfolgen gemessen, und niemand sorgt sich darum, ob sie Job und Familie unter einen Hut bekommen. Deswegen existiert auch der Begriff „Rabenvater“ nicht, „Rabenmutter“ aber schon. Working Dads gelten als cool, Fehler im Job werden ihnen gern mal verziehen. Wenn eine Working Mum mal nicht so funktioniert, wie sie es sollte, wird es darauf zurückgeführt, dass sie Familie und Karriere nicht vereinen kann.

Sie werden oft als Powerfrau bezeichnet. Was halten Sie von dem Begriff?

Das Wort klingt im ersten Moment positiv, aber es stört mich, dass es diesen Begriff nicht für Männer gibt. Man würde ja nie „Karrieremann“ sagen oder „Powermann“. Bei Frauen aber glaubt man, es müsse extra hervorgehoben werden, dass sie stark sind. So als wären sie es normalerweise nicht.

Das gesamte Interview ist auf dbmobil.de erschienen. Den Livestream gibt es hier noch einmal in voller Länge.