Wir machen den Navigator zum Alleskönner

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Wir machen den Navigator zum Alleskönner

Haben Sie schon mal die S-Bahn verpasst, weil die Schlange am Ticketautomaten zu lang war? Oder mussten auf halber Strecke zur Bushaltestelle kehrtmachen – das Münzfach im Geldbeutel war leer? Fährt Ihr Bus durch Nordhessen, Oberlausitz-Niederschlesien, Freudenstadt oder dem bayerischen Untermain, gehört das jetzt der Vergangenheit an. Denn das sind die vier neuen Verkehrsverbünde, deren Tickets man seit dem 28. April im DB Navigator kaufen kann. Insgesamt sind damit bundesweit fast 50 Verkehrsverbünde in die App integriert. Warum man mancherorts immer noch Schlange stehen muss? Das erklären Jörg Wiedelbach und Christoph Keller von „PUNK“.

Viele Fahrgäste kennen das: Am Fahrkartenautomaten hat sich eine lange Warteschlange gebildet, alles dauert gefühlt ewig und nervt. Genau da kommt PUNK ins Spiel. Aber erst einmal nachgefragt: Was verbirgt sich hinter diesem Begriff eigentlich? 

Jörg Wiedelbach: „PUNK“ ist das Programm für die Digitalisierung des Nahverkehrs. Wir machen die Verbünde für unsere Kund:innen digital, sowohl im DB Navigator als auch auf bahn.de, d. h.  wir kümmern uns um die Digitalisierung des Ticketings im Nahverkehr. Dazu gehören vor allem die technische Aufbereitung und Integration des Ticketangebots der Verbünde in unsere Systeme, so dass Kund:innen ihre Tickets mobil auf unseren Plattformen kaufen können.

Welche Vorteile haben digitale Tickets gegenüber der herkömmlichen Papier-Variante  außer, dass Papier eingespart wird? 

Christoph Keller: Der große Vorteil für Kund:innen ist, dass sie sich nicht zehn verschiedene Apps auf ihr Handy laden müssen, wenn sie in verschiedenen Verkehrsverbünden unterwegs sind. Denn keine andere App vereint so viele Verkehrsverbund-Tarife und Ticketarten unter einem Dach wie der DB Navigator. Reisende können in ganz Deutschland unterwegs sein und dabei ihre gesamte Reisekette in nur einer App buchen.

Jörg Wiedelbach: Die Buchung erfolgt ganz einfach, schnell und bequem. Am Fahrkartenautomat anstellen und nach Kleingeld suchen ist im Rahmen der Digitalisierung hinfällig geworden. Kund:innen haben mit dem DB Navigator ihren eigenen Fahrkartenautomaten 24/7 im Smartphone verfügbar. Er ist der ideale digitale Reisebegleiter für alle, die sich für die Bahn entscheiden.

Seit dem 28. April werden Tickets von vier neuen Verbünden im Navigator buchbar sein – knapp 50 sind es insgesamt. Hinzukommen: Der Zweckverband Verkehrsverbund Oberlausitz-Niederschlesien (ZVON), der Nordhessische Verkehrsverbund (NVV), die Verkehrs-Gemeinschaft Landkreis Freudenstadt (VGF) und die Verkehrsgesellschaft am bayerischen Untermain (VAB). Ein Grund zu feiern?

Christoph Keller: Der öffentliche Nahverkehr war lange Zeit nur sehr rudimentär digitalisiert. Viele Verbünde hatten nicht mal eine eigene Website und verkauften ihre Tickets ausschließlich am Schalter oder am Automaten. In der heutigen Zeit ist das kaum mehr denkbar. Denn rund 65 Millionen Menschen wohnen innerhalb von Verkehrsverbünden: potentielle digitale Ticket-Käufer:innen, die lange Zeit überhaupt nicht mitgedacht wurden! Es ist wichtig, dass auch sie Zugang zu digitalen Tickets bekommen. Dass unsere Kund:innen Tickets von inzwischen fast 50 Verbünden im DB Navigator kaufen können, freut uns natürlich sehr.

Warum sollte sich ein Verbund für die Integration in den DB Navigator entscheiden? Wäre eine eigene – vielleicht sogar kostengünstigere – Lösung nicht sinnvoller? 

Christoph Keller: Die Marke DB ist den Kund:innen bekannt. Über neun Millionen Menschen nutzen den DB Navigator pro Monat. Damit ist er die Reise-App Nummer eins in Deutschland und hat sich dementsprechend im Markt bereits etabliert. Hinzu kommt: Die Grundinfrastruktur ist vorhanden. Wir wissen, wie die Digitalisierung funktioniert.

Vom ersten Gespräch bis zum digitalen Ticketkauf – welche Schritte sind notwendig?

Jörg Wiedelbach: Die Verbünde haben inzwischen die Wichtigkeit eines digitalen Vertriebs und kontaktloses Ticketing erkannt und fragen DB Vertrieb als Partner an. Gemeinsam mit den Kolleg:innen aus dem Bereich Vermarktung kümmern wir uns um die Kontaktaufnahme mit den Verbünden. Wir beraten den Verbund, wie eine maßgeschneiderte digitale Lösung im DB Navigator und auf bahn.de aussehen kann, welche Möglichkeiten im Hinblick auf den Barcode und das Ticketlayout existieren und welche für den jeweiligen Verbund geeignet wären. Nachdem wir die Rahmenbedingungen festgelegt haben, erstellen wir ein technisches Konzept, das dann durch unsere Dienstleister umgesetzt wird. Es jedes Mal spannend, wenn der Verbund auf unsere Testumgebungen eingespielt wird und die ersten digitalen Buchungen durchgeführt werden. Nach einer erfolgreichen Testphase gehen wir live.

Christoph Keller: Ein wichtiger Schritt vorab: Der Verbund muss alle Tarife digitalisiert haben. Er muss also über eine passende Schnittstelle verfügen, über die der Navigator die Tarife abrufen kann. Wir übernehmen Ticketerstellung, Zahlungsabwicklung und Kundensupport, die Digitalisierung der Ticketangebote übernehmen wir nicht.

Gibt es denn immer noch Verbünde, deren Tickets man nur am Automaten oder Schalter kaufen kann?

Christoph Keller: Ja, gerade bei kleinen Verbünden ist das so. Die meisten großen haben wir bereits im Navigator integriert, deshalb konzentrieren wir uns jetzt auf die kleineren.

Welche Tickets sind im Navigator buchbar? 

Jörg Wiedelbach: Grundsätzlich bilden wir die Produktgruppen Einzelfahrkarten, Tageskarten, 24-Stundenkarten, Mehrfahrtenkarten und Zeitkarten ab. Welche Produkte wir vertreiben, richtet sich allerdings nach den geltenden Tarifbestimmungen – der Verbund entscheidet. Oftmals ist es so, dass beispielsweise Zeitkarten erst in einem zweiten Schritt live genommen werden.

Christoph Keller: Ein wichtiges Thema für unsere Kund:innen ist der Zugang zu digitalen Abonnements. Hier konnten wir beim Verkehrsverbund Stuttgart die Abo-Produkte im Produktsortiment DB Navigator ergänzen und so die Buchung vereinfachen. Weitere Verbünde folgen dieses Jahr. Kein Verbund ist wie der andere, aber wir sind bestrebt, für jeden Verbund die perfekte digitale Lösung zu bauen.