Die „alte Linde“ – Was Bahnhof und Baum gemeinsam haben

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Die „alte Linde“ – Was Bahnhof und Baum gemeinsam haben

Die „alte Linde“, so könnte der traditionsreiche Güterbahnhof in Linden in Anlehnung an den symbolträchtigen Baum heißen. Tief verwurzelt blickt der Güterbahnhof auf eine 148-jährige Geschichte zurück. Und heute? Ist er ein wichtiger Satellit in der Logistikkette Europas.

„Das große Geschäft hier ist der Einzelwagenverkehr“, erklärt Detlef Steinwedel. Der 59-Jährige arbeitet schon knapp 45 Jahre bei der Eisenbahn und ist heute operativer Leiter Produktion bei DB Cargo in Seelze. „Die Wirtschaft in Hannover profitiert von dem Güterbahnhof in Linden, ja, sie hängt vielleicht sogar ein Stück weit von uns ab“, sagt Steinwedel und lächelt. 

Von Seelze aus fahren mehrere Züge am Tag nach Linden. Dort sortieren die Mitarbeiter diese dann für den Nahbereich. Rangiermeister Recep Yilmaz sitzt heute im kleinen „Kontrollzentrum“. Er erklärt das Ganze wie folgt: „Die Züge kommen bunt rein und werden dann lang gemacht. Danach lässt man die Wagen über den kleinen Hügel in eines der 15 Ablaufgleise ablaufen.“ Züge mit ganz unterschiedlicher Fracht werden so neu gebildet. Im Umkreis von rund 100 Kilometern bedient die DB Kunden aus den verschiedensten Bereichen wie der Automobilindustrie und der Forst- und Papierwirtschaft. 

50 Mitarbeiter, sechs moderne Loks und rund 450 Wagen täglich 


Insgesamt stehen den Mitarbeitern für ihre Arbeit hier rund 70 Gleise zur Verfügung. Sind die Wagen erst einmal perfekt zusammengestellt, werden sie von einer der sechs modernen Gravita-Loks an ihr Ziel gebracht. Die knallroten Loks können aus dem Stand hohe Gewichte in beide Richtungen bewegen und lassen sich mittels Funkfernsteuerung auch von außerhalb des Führerstandes steuern. „Mit den Loks fahren wir bis in die Hallen unserer Kunden“, sagt Steinwedel. Voraussetzung dafür ist natürlich, dass das Unternehmen einen Gleisanschluss hat. Alternativ transportieren die Loks die Wagen zum Beispiel auch zu Häfen, Güterverkehrszentren sowie zu öffentlichen Ladestellen in Bahnhöfen. Hameln, Celle und Verden sind nur drei der rund 35 Ladestellen, die die Bahn von Linden aus anfährt. 

Alle Zahnräder greifen ineinander


Enrico Schulz, Leiter Planung und Durchführung Zugbildungsanlage/ Nahbereich Seelze/ Bremen/ Bremerhaven bei DB Cargo, war früher selbst mal Lokführer. Er plant mit seinem Team die Verkehre vorab genauestens durch und achtet vor allem auf die Wirtschaftlichkeit. Die auf der Hinreise abgekuppelten Wagen sollen auf der Rückfahrt wieder mitgenommen werden. Jedes Zahnrad greift hier perfekt ineinander. Deshalb arbeiten die Kollegen in Linden auch im 24-Stunden-Betrieb. Im Drei-Schicht-System schaffen es die rund 50 Mitarbeiter täglich, um die 450 Wagen auf die Reise zu bringen. Umgerechnet sind das 20 bis 25 Züge am Tag. Die Anlage liegt dafür in bester Lage: direkt an der S-Bahnstrecke Richtung Deister und an der Güterumgehungsbahn von Wunstorf nach Lehrte. Güterzüge, die in die Region Hannover fahren, müssen nicht einmal den Hauptbahnhof passieren. Dafür gibt es zusätzliche Gleise. 

Philip Grahlmann (29) hat seine Ausbildung in Linden gemacht. Seit 2013 ist er ausgebildeter Lok- und Rangierführer bei DB Cargo. Die Arbeit macht ihm Spaß: „Es ist genau das Richtige für mich“, sagt er. „Deutschland ist Exportweltmeister und wir tragen als kleines Rädchen dazu bei.“ Dem Lok- und Rangierführer liegt auch das tierische Wohl am Herzen. „Wir machen auch Katzen im Ausland glücklich“, scherzt Grahlmann. Zehn bis 15 Wagen Katzenstreu werden von hier aus täglich ins europäische Ausland transportiert. Ein besonderes Highlight ist auch der jährliche Umschlag der Wagen für den Zirkus Roncalli. Die Kollegen sind sich ziemlich sicher, dass es keinen anderen Zirkus gibt, der in Europa mit der Bahn reist. Über eine Rampe können die Zirkuswagen den Zug in Linden verlassen. Die Geschichten zeigen: Der Güterbahnhof in Linden ist keineswegs Geschichte. Im Gegenteil: Er wird noch viele weitere erzählen!