Royaler Zauber im DB-Literaturzug

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Royaler Zauber im DB-Literaturzug

Das Kronprinzenpaar von Norwegen, Haakon und Mette-Marit, reisen mit einem Sonderzug von Berlin zur Frankfurter Buchmesse. Mit an Bord des DB-Literaturzuges sind norwegische Autoren und Berliner Schulkinder mit jeder Menge Aktionen und den großen Fragen der Welt.

„Manche sagen, dass Lesen Spaß machen kann. Dass man etwas lernen kann. Viele von uns haben aber auch gemerkt, dass Literatur uns bei der Suche nach Antworten helfen könnte“, sagt Mette-Marit, Kronprinzessin von Norwegen. „Antworten zu den großen Fragen wie ‚Wer bin ich?‘ und ‚Warum sind wir hier?‘.“

Mit diesen Worten präsentiert sie neben ihrem Ehemann Haakon und DB-Chef Richard Lutz feierlich den DB-Literaturzug. Der startet wenige Minuten später seine Reise vom Berliner Hauptbahnhof über einen Stopp in Köln nach Frankfurt, wo die diesjährige Buchmesse am 16. Oktober startet. Die Kronprinzessin ist Botschafterin für norwegische Literatur im Ausland. Dass es hier um ein persönliches Anliegen geht, lässt nicht zuletzt ihre legere Kleidung erkennen. Während der Fahrt wirkt sie sehr authentisch. Mit einem Literaturzug ist sie schon viele Male durch Norwegen gefahren. In diesem Jahr bringt sie die Tradition nach Deutschland. Denn das Land Norwegen ist in diesem Jahr Ehrengast der Messe. Ihr Ziel: „Ich möchte noch mehr unbekannte Schriftsteller bekannt machen.“

Kronprinzessin Mette-Marit von Norwegen unterwegs mit dem Literaturzug zur Frankfurter Buchmesse

Am liebsten spreche sie mit Kindern über Bücher. Deshalb ist auch eine Gruppe von Berliner Schulkindern mit an Bord des Sonderzuges. In Wagen 27 ist ordentlich was los: Zusammen mit den Autoren Anna Fiske, Jostein Gaarder, Maria Parr und Svein Nyhus sprechen sie auf dem ersten Fahrtabschnitt nach Hannover über Bücher und lernen illustrieren. Nicht nur für Mette-Marit ist der Literaturzug eine Herzensangelegenheit, auch für die DB ist die Leseförderung ein wichtiger Bestandteil ihres gesellschaftlichen Engagements. Gerne unterstützt die Deutsche Bahn die Aktion der Norwegen. Nicht zuletzt fällt auch etwas Glanz ab. Öffentlichkeitswirksam ist ein Kronprinzenpaar allemal – deutsche und norwegische Presse tummeln sich in den engen Gängen des ICE. Für den Literaturzug kooperiert die DB mit dem norwegischen Außenministerium und der Organisation NORLA (Norwegian Literature Abroad).

Jostein Gaarder, der Autor des bekannten Philosophie-Kinderbuchs „Sophies Welt“, stellt sein Buch „Fragen fragen“ in der englischen Ausgabe vor. Darin geht es um die zentralen Fragen des Seins und der Welt, adressiert an Kinder ab 5 Jahren. Zusammen mit den Schulkindern geht er den Themen des Buches nach. Die eine Antwort scheint es allerdings nicht zu geben. Darum geht es Gaarder auch gar nicht, sondern vielmehr um die Auseinandersetzung mit bestimmten philosophischen Fragestellungen.

Mette-Marit hakt direkt ein: „Woher kommt denn nun die Welt und warum sind wir da?“ Jostein Gaarder nähert sich den philosophischen Fragen mit Hilfe von naturwissenschaftlichen Erkenntnissen. Er spricht von der Fügung von Ereignissen, die die Entstehung der Erde ermöglicht haben. „Letztendlich bleibt es aber doch ein Rätsel“, sagt Jostein Gaarder. „Wir wissen es nicht ganz sicher.“

Und wohin geht die Reise? „Ich habe nach 25 Jahren mal wieder in ‚Sophies Welt‘ geschaut“, sagt er. „Wenn die Geschichte der Philosophie weitergehen würde, ginge es jetzt um die Frage: Wie können wir unseren Planeten erhalten?“

Kronprinz Haakon zeichnet unterdessen mit einigen Kindern. Am Vierertisch ist es ruhig, alle sind konzentriert, obwohl ein paar Reihen weiter laut gestikuliert wird. Am Ende sieht man das Portrait eines Kindes auf seinem Blatt, farbenfroh ausgemalt. Im Zentrum unserer Fragen scheinen wir doch immer wir selbst zu stehen. „Uns selbst besser zu verstehen – ich glaube, darum geht es beim Lesen“, hatte die Kronprinzessin kurz vor Start des Zuges verraten. 
Ein paar Sitzreihen weiter gibt Svein Nyhus einen Illustrationsworkshop. Er hat schon zahlreiche norwegische Kinderbücher illustriert. „Achtung, es gibt ein Rätsel!“ Die Kinder hören gebannt zu. „Ich zeichne etwas und ihr sagt mir, was das ist.“ Er beginnt, mit einfachen Strichen ein Gesicht zu malen und macht dabei lustige Geräusche. „Eine Person!“, ruft das erste Kind. Die anderen Stimmen zu. Doch Nyhus mag die Antworten nicht bestätigen: „Ihr sagt, das ist eine Person? Aber nein. Es ist die Abbildung einer Person, eine Zeichnung.“ Mit dieser Lektion beginnen die Kinder ihre eigenen Übungen zur Darstellung unterschiedlicher Gefühle, indem sie versuchen, unterschiedliche Mimiken darzustellen. Nyhus arbeitet mit vollem Körpereinsatz und hat dadurch die Aufmerksamkeit der Kinder. Am Ende können sich die Resultate wirklich sehen lassen. Er klatscht ab und verbeugt sich vor der Leistung der Nachwuchstalente.

Mette-Marit wirkt während der Zugfahrt entspannt. Ausgelassen plaudert sie mit den Kindern, die auch persönliche Fragen stellen: „Wie oft warst du schon in Deutschland?“, fragt ein Junge. „Oh, das kann ich gar nicht mehr zählen. Oft. Als ich ein Kind war, bin ich auch einmal wie jetzt mit dem Zug durch Deutschland gereist.“ Doch Mette-Marit spricht lieber über Bücher als über sich selbst: „Welches Buch hat euch denn am besten gefallen?“ Die Kinder quasseln drauf los und hüpfen vor Freude auf und ab.

In Hannover verlassen die Kinder den Zug. Der fährt weiter nach Köln, wo Mette-Marit die Buchhandlung Ludwig für eine Lesung besucht. Am nächsten Tag geht es mit 19 norwegischen Autoren an Bord, darunter Johan Harstad, Mona Høvring und Lars Mytting, weiter nach Frankfurt. Dort endet die zweitägige Reise des DB-Literaturzuges, mit einer Mischung aus royalem Zauber, den großen Fragen der Welt und jeder Menge ICE-Charme. Neben Angela Dorn, der hessischen Staatsministerin für Wissenschaft und Kunst, und Jürgen Boos, Direktor der Frankfurter Buchmesse, empfangen auch Klaus Vornhusen, DB-Konzernbevollmächtigter für das Land Hessen, und Michael Peterson, Vorstandsvorsitzender DB Fernverkehr, das Kronprinzenpaar. Bei der Eröffnung der Buchmesse wird Mette-Marit dann einige Worte an das Publikum richten und vielleicht kann sie dem einen oder anderen norwegischen Autor in den nächsten Tagen tatsächlich zu mehr Bekanntheit verhelfen. Und der Deutschen Bahn in Norwegen und darüber hinaus.