Sprint für den neuen ICE

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Sprint für den neuen ICE

So schnell wie noch nie werden 30 neue Hochgeschwindigkeitszüge die Fernverkehrsflotte der DB verstärken. Insgesamt neun Monate brauchte das Projektteam, um die Beschaffung des neuen ICE zu verkünden. Christoph Koch, Leiter Fahrzeugmanagement ICE 3, erklärt im Interview, wie die Kolleginnen und Kollegen die Rekordzeit möglich machten.

Die DB beschafft innerhalb kürzester Zeit 30 brandneue Hochgeschwindigkeitszüge, von denen die ersten bereits im Herbst 2022 rollen sollen. Wie kam es zu dieser Entscheidung?

Durch die Mehrwertsteuersenkung auf Fernverkehrstickets haben sich die Rahmenbedingungen geändert. Wir mussten schnell auf den erheblichen zusätzlichen Bedarf an Zügen reagieren. Um die steigenden Fahrgastzahlen zu bedienen, benötigen wir mehr Zugfahrten und mehr Zugkapazität in Doppeltraktion, vor allem auf der Strecke Köln–Rhein/Main–München, wo die Hochgeschwindigkeitszüge ihren Vorteil ausspielen können.

Wie ist es Ihrem Team gelungen, die Beschaffung des neuen ICE so schnell voranzutreiben?

Ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist die hohe Expertise der Projektbeteiligten. Ein 13-köpfiges Kernteam hat im wahrsten Sinne des Wortes rund um die Uhr die Themen vorangetrieben. Los ging es für uns Anfang September, als die Entscheidung fiel, einen „Train as is“ zu bestellen, also eine voll entwickelte Zugplattform, die kurzfristig beschaffbar ist. Bereits im Oktober und im November wurden die notwendigen Beschlüsse gefasst, das Projekt umzusetzen und die Gelder dafür bereitzustellen. Dank dieser großen Unterstützung aller Stakeholder konnten wir direkt danach beginnen, die Ausschreibung vorzubereiten und bis Ende Juni 2020 erfolgreich zum Abschluss zu bringen. Auch Corona brachte unseren Zeitplan nicht durcheinander. Vielen Dank an unser fachkundiges Team für diese tolle Arbeit.

Als Gewinner steht nun Siemens mit der Velaro-Plattform fest. Diese findet sich schon mit der Baureihe 407, also dem letzten ICE 3, bei der DB. Welche Unterschiede gibt es nun mit dem neuen ICE?

Bereits die Baureihe 407 hat eine bessere Performance als der ursprünglich erste ICE 3, die Baureihe 403. Mit dem neuen ICE beschaffen wir nun die letzte Entwicklungsstufe der Velaro-Plattform und wir konnten trotz ambitionierter zeitlicher Zielsetzung zusätzliche kundenrelevante Eigenschaften des Zuges erreichen. So werden mobilfunktransparente Scheiben verbaut. Außerdem gibt es ein separates Kleinkind-Abteil und acht Stellplätze für Fahrräder. Vier zusätzliche Türen im Vergleich zur BR 407 sorgen für einen schnelleren Fahrgastwechsel. Ebenfalls ist die Bordgastronomie technisch überarbeitet an einigen zentralen Punkten. Außerdem wird der Zug mehrsystemfähig sein und die Zulassung für Belgien und die Niederlande bereits mitbringen. Das macht uns flexibler beim Einsatz der Züge.

Wo wird der Zug zum Einsatz kommen?

Zuerst werden wir sie zwischen Nordrhein-Westfalen und München, also insbesondere über die Hochgeschwindigkeitsstrecke Köln–Rhein/Main einsetzen. Wahrscheinlich gegen Mitte der 2020er-Jahre, wenn alle 30 Züge im Betrieb sind, fahren sie auch nach Belgien und die Niederlande.

Welche nächsten Schritte stehen nun für das Team an?

Wir müssen noch bis zum Ende des Jahres die letzten Details für das finale Design klären. Gleichzeitig beginnt bereits im Herbst die Fertigung von ersten Rohbauten für die Züge, nachdem Siemens den Velaro-Auftrag für die Türkei abgeschlossen hat. Parallel werden wir uns im Fernverkehr mit allen relevanten Bereichen, wie beispielsweise den Werken, dem Fahrplan, den Lokführern und Bordpersonalen auf die Betriebseinführung der neuen Züge intensiv vorbereiten. Das gilt ebenso für Vorbereitungen zur Markteinführung im Kundeneinsatz, wie unter anderem der Ausgestaltung des Servicekonzepts. So können wir davon ausgehen, dass wir bis Ende 2022 insgesamt bereits vier Züge besitzen. Bis Ende 2024 werden dann alle 30 Züge ausgeliefert sein. Und es gibt eine Option, bis zu 60 weitere neue ICE bei Siemens zu ordern.