3D-Druck macht Instandhaltung von Zügen einfacher

Stage

Stage

zurück zur Übersicht

Berlin

3D-Druck macht Instandhaltung von Zügen einfacher

Die Deutsche Bahn nutzt erstmals eigene großformatige Drucker, damit Fahrzeuge kürzer in der Werkstatt stehen • Schwer lieferbare Teile werden selbst gedruckt • Mitarbeitende entwerfen eigene Werkzeuge

Die Deutsche Bahn (DB) steigt in den industriellen 3D-Druck ein, um ihre Züge schneller und einfacher reparieren zu können. In den Instandhaltungswerken in Nürnberg und Neumünster nimmt das Unternehmen erstmals eigene großformatige und besonders leistungsfähige 3D-Druck-Maschinen in Betrieb. Sie produzieren Werkzeuge und Hilfsmittel für die Mitarbeitenden, aber auch Ersatzteile aus Kunststoff für Züge.

Der 3D-Druck ist für die DB eine Schlüsseltechnologie, um auch in Zeiten von weltweiten Lieferengpässen und Rohstoffmangel die richtigen Ersatzteile parat zu haben. So kann die Zahl der verfügbaren Fahrzeuge gesteigert werden. Die größeren Fahrzeugkapazitäten sind ein entscheidender Beitrag für mehr Qualität und Pünktlichkeit und machen die Bahn noch attraktiver. Es ist schneller, ressourcenschonender und mitunter sogar günstiger Teile im 3D-Druck-Verfahren herzustellen als auf konventionellem Weg zu beschaffen.

Seit 2015 hat die DB bereits mehr als 26.000 Teile aus dem 3D-Druck für insgesamt 300 verschiedene Anwendungen eingesetzt. Das Spektrum reicht vom Mantelhaken aus Kunststoff bis hin zur 17 Kilogramm „Kastenkulisse“ aus Metall für einen ICE. Gedruckt wurden die Teile vor allem mit Hilfe eines Partnernetzwerks. Jetzt rollt die DB den Einsatz des 3D-Drucks weiter aus und stellt immer mehr Produkte selbst her. In ihren Werken hat die Bahn den 3D-Druck inzwischen auch als festen Bestandteil in die Ausbildung integriert.

Daniela Gerd tom Markotten, DB-Vorständin für Digitalisierung und Technik: „Unsere Züge sollen für unsere Kunden rollen und nicht in der Werkstatt stehen. Mit 3D-Druck können wir Ersatzteile schneller beschaffen und nicht mehr lieferbare Teile selbst nachbauen. Es macht mich stolz, wenn ich sehe, wie viele Ideen unsere Mitarbeitenden für den Einsatz von 3D-Druck entwickelt haben und immer wieder neu entwickeln.“

In ihrem Instandhaltungswerk in Nürnberg druckt die DB Werkzeuge und Hilfsmittel, die den Mitarbeitenden die Arbeit erleichtern. Dazu gehören beispielsweise Schablonen, mit denen Piktogramme aufgeklebt oder Scheinwerfer abgedeckt werden, wenn ein Zug lackiert wird. Diese Schablonen sparen zeitraubendes individuelles Anpassen oder Abkleben und werden aus recyclebarem Material hergestellt.

Mit den Schablonen dauert etwa das Aufkleben von Sitznummern nicht acht, sondern nur noch drei Minuten – die im 3D-Druck erstellte Schablone spart fünf Minuten pro Sitz. Im Rahmen der Modernisierung werden in Nürnberg für alle 58 runderneuerten ICE 1 gut 8700 Sitznummern verklebt. Allein hier entsteht also eine Zeitersparnis von fast 730 Stunden.

Auch Montagehilfen werden in Nürnberg gedruckt. Sie erleichtern beispielsweise das Festziehen von schwer zugänglichen Schrauben. Auch das spart Zeit, die die Mitarbeitenden für andere Arbeiten haben. In einem DB-internen Wettbewerb können Mitarbeiter Vorschläge für neue Anwendungen einreichen.

Im Instandhaltungswerk in Neumünster wird die DB Ersatzteile aus Kunststoff für ihre Züge herstellen. Dazu gehören beispielsweise Lüftungsgitter, Griffe oder Abdeckungen. Diese Teile sind zum Teil nicht mehr lieferbar oder können nur nach sehr langer Wartezeit oder zu hohen Kosten beschafft werden. Die 3D-Druck-Maschinen in Neumünster können Werkstoffe verarbeiten, die die besonderen technischen Anforderungen für Bauteile in Zügen erfüllen, etwa besondere Flammfestigkeit.