Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe: Deutsche Bahn fährt das Ahrtal wieder an

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Frankfurt a.M.

Wiederaufbau nach der Flutkatastrophe: Deutsche Bahn fährt das Ahrtal wieder an

Stark zerstörte Strecke Remagen–Ahrweiler ab 8. November freigegeben • Rund 4.200 Tonnen Kies sowie 7.800 Tonnen Schotter neu verbaut • Reparatur- und Instandsetzungsarbeiten laufen weiter auf Hochtouren

Rund vier Monate nach der verheerenden Flutkatastrophe sind Teile des Ahrtals wieder an den Bahnverkehr angeschlossen. Der erste Streckenabschnitt der stark zerstörten Ahrtalbahn ist seit heute in Betrieb: Zwei Mal pro Stunde und Richtung fahren die Züge wieder zwischen Remagen und Ahrweiler. Die Wassermassen hatten die über 110 Jahre alte Ahrtalbahn auf vielen Streckenabschnitten geradezu weggeschwemmt. Besonders betroffen war unter anderem Heimersheim: Hier trug das Wasser den kompletten Bahnsteig davon, zerstörte den Bahndamm auf 1,5 Kilometer Länge und riss mehr als 1,2 Kilometer Gleise aus ihrer Lage. Für den Wiederaufbau der zerstörten Gleise mussten die Fachkräfte der Deutschen Bahn (DB) und Spezialfirmen Tonnen angeschwemmten Schuttes entfernen. Anschließend haben sie Gleise, Bahndämme und Technik repariert und teilweise neu gebaut.

Ronald Pofalla, Infrastrukturvorstand der DB: „Die Züge sind zurück im Ahrtal – und damit ein weiteres Stück Normalität für die Menschen hier in der Region. Der Wiederaufbau war ein echter Kraftakt. Unermüdlich haben unsere Mitarbeitenden gemeinsam mit den Fachkräften der Bauunternehmen daran gearbeitet, die zerstörten Bahnanlagen zu reparieren und wiederaufzubauen. Mit diesem Engagement und der hervorragenden Zusammenarbeit konnten wir die Arbeiten vier Wochen früher abschließen als ursprünglich gedacht. Dafür bin ich allen Beteiligten besonders dankbar. Auch für die restlichen Streckenabschnitte wollen wir Tempo machen: Überall in den von der Flut getroffenen Gebieten sollen die Menschen so schnell wie möglich wieder Bahnfahren können.“

Andreas Scheuer, Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur: „Schritt für Schritt, Strecke für Strecke, Hoffnung und Signal zugleich. Ab Montag ist Ahrweiler wieder etwas besser angebunden. Ab nächsten Monat geht dann auch die Strecke nach Walporzheim wieder in Betrieb. Angesichts der Schwere der Schäden kommen wir gut voran. Wir werden zwar noch längere Zeit mit den Langfristfolgen dieser Flutkatastrophe zu kämpfen haben, aber ich versichere Ihnen, dass wir in unserem Engagement beim Wiederaufbau der Infrastruktur nicht nachlassen werden. Die notwendigen Gelder stehen bereit, die Arbeiten laufen mit Hochdruck. Ich danke allen Beteiligten für ihren unermüdlichen Einsatz.“

Malu Dreyer, Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz: „Heute ist ein wichtiger Tag für das Ahrtal, der zeigt, dass wir bei der Mammutaufgabe des Wiederaufbaus mit sichtbaren Schritten vorankommen. Für die Menschen bringt er große Erleichterungen in ihrem Alltag, denn sie können nun im rheinnahen Streckenabschnitt wieder jeden Tag gut mit der Bahn unterwegs sein. Mein Dank gilt der Deutschen Bahn AG und allen Beteiligten, die diesen Streckenabschnitt in Rekordzeit wiederhergestellt haben. Die Landesregierung steht weiterhin an ihrer Seite, damit die Reaktivierung auch der restlichen Strecke schnell vorangeht. Unser gemeinsames Ziel ist ein zügiger und gleichzeitig nachhaltiger Wiederaufbau des Ahrtals. Dafür setzt sich die Landesregierung mit höchster Priorität und unter breiter Einbindung von Unternehmen, Verbänden, Kommunen und der Bürger und Bürgerinnen in der Region ein.“

Der Erste Kreisbeigeordnete Horst Gies MdL zeigt sich erleichtert: „Dass die Strecke der Ahrtalbahn von Remagen bis nach Ahrweiler in so kurzer Zeit wieder instand gesetzt wurde, ist angesichts der Zerstörung ein kleines Wunder. Mein großer Dank gilt allen, die diese Herausforderung angenommen und gemeistert haben. Für die Menschen im Ahrtal ist das ein großartiges Signal und ein Zeichen dafür, dass der Wiederaufbau Stück für Stück vorangeht. Das lässt uns optimistisch in die Zukunft blicken.“

Für die Instandsetzung des Streckenabschnitts zwischen Remagen und Ahrweiler hat die DB insgesamt 4.200 Tonnen Kies sowie 7.800 Tonnen Schotter verbaut. Zudem mussten fünf Kilometer Kabel, ein Kilometer Schiene, 1.500 Schwellen sowie zwei Bahnübergänge erneuert werden. Zunächst fahren die Züge allerdings nur auf einem Gleis – die Reparatur des zweiten Gleises wird noch weitere Zeit in Anspruch nehmen. Zudem muss der Haltepunkt Heimersheim zunächst noch entfallen.

Ab dem Fahrplanwechsel am 12. Dezember wird der nächste Streckenabschnitt der Ahrtalbahn in Betrieb gehen: Dann nimmt die DB auch wieder den Verkehr zwischen Ahrweiler und Walporzheim auf.

Die Arbeiten auf der restlichen Ahrtalbahn zwischen Walporzheim und Ahrbrück werden noch deutlich länger andauern. Hier sind die Schäden besonders schwerwiegend: Unter anderem muss die DB acht Brücken und nahezu alle Stützbauwerke ersetzen und neue Schienen verlegen. Hinzu kommt die Instandsetzung von sieben Bahnübergängen und der zerstörten Stellwerke in Dernau und Kreuzberg. Das im Bau befindliche elektronische Stellwerk der Ahrtalbahn wird von Grund auf neu konzipiert. Parallel laufen erste Planungen für die Rundum-Erneuerung der Eisenbahninfrastruktur und eine mögliche Elektrifizierung. Konkrete Prognosen zur Wiederinbetriebnahme sind hier ebenso wie für die Strecken Euskirchen–Bad Münstereifel (Erfttalbahn) sowie Rheinbach–Euskirchen (Teilstrecke der Voreifelbahn) derzeit noch nicht möglich.