DB setzt Sanierung der Schnellfahrstrecke Hannover – Würzburg fort - Bauarbeiten zwischen Göttingen und Kassel beginnen am 24. April 2021

Stage

Schnellfahrstrecke Hannover - Fulda bei Morschen

Stage

DB setzt Sanierung der Schnellfahrstrecke Hannover – Würzburg fort - Bauarbeiten zwischen Göttingen und Kassel beginnen am 24. April 2021

Zwischen 2019 und 2023 macht die Bahn ihre ersten Schnellfahrstrecken Hannover – Würzburg und Mannheim – Stuttgart etappenweise fit für die Zukunft. Ab April 2021 saniert die DB den nächsten Streckenabschnitt zwischen Göttingen und Kassel. Seit Anfang November 2020 sind auf der erneuerten Verbindung Mannheim – Stuttgart wieder schnelle ICE und Güterzüge unterwegs.

Sanierung Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Kassel startet

Vom 24. April bis 16. Juli 2021 fließen 114 Millionen Euro in neue Gleise, Schwellen und Weichen auf der Schnellfahrstrecke zwischen Göttingen und Kassel. 75 Kilometer Gleise, 72.000 Schwellen, 95.000 Tonnen Schotter werden erneuert. Sieben Tunnel liegen auf dieser Strecke, darunter der Mündener Tunnel mit 10,5 Kilometern sowie der Rauheberg Tunnel mit 5,2 Kilometern Länge. Beide zählen zu den 10 längsten Tunneln in Deutschland.

Das Baupensum wird dank kundenfreundlicher Verfahren in 84 Tagen erledigt und die Züge werden umgeleitet. Die Fahrzeit verlängert sich für Fernverkehrszüge daher um bis zu 40 Minuten.

Mit den ersten Schnellfahrstrecken begann eine neue Ära im Bahnverkehr. Und sie sind mit Blick auf die dringend notwendige Verkehrswende heute wichtiger denn je. Allein zwischen Hannover und Würzburg sind jährlich rund 15,5 Mio. Fahrgäste mit Hochgeschwindigkeit auf der umweltfreundlichen Schiene unterwegs. Damit die Schnellfahrstrecken auch künftigen Verkehren gewachsen sind, modernisiert die DB zwischen 2019 und 2023 die ersten beiden Schnellfahrstrecken Hannover – Würzburg und Mannheim – Stuttgart von Grund auf. Durch ausgefeilte Baukonzepte und frühzeitige Information werden die Auswirkungen der Baumaßnahmen so gering wie möglich gehalten. 

Nach über einem Vierteljahrhundert Dauerbetrieb brauchen die „alten Damen“ nun eine Frischekur, damit sie auch für kommende Generationen weiter ihren Dienst tun können und die Erfolgsgeschichte Hochgeschwindigkeitsverkehr in Deutschland ein neues Kapitel erhält. Bei der gegebenen Größenordnung ist eine Sanierung der Infrastruktur nicht von heute auf morgen zu erledigen. Daher erarbeiteten die Fahrplaner der DB Konzepte, die nicht nur dem enormen Baupensum Rechnung tragen, sondern insbesondere mit Blick auf die Reisenden und Güterverkehrskunden vertretbare Lösungen bieten. In zahlreichen Abstimmungsrunden vor allem mit den betroffenen Transporteuren ist ein Etappenplan entstanden, bei dem die Bahn von 2019 bis 2023 mit mehreren Streckensperrungen zunächst zwei Hochgeschwindigkeitsverbindungen auf Vordermann bringt.


Sanierung der Schnellfahrstrecke Mannheim – Stuttgart abgeschlossen


Tempo 200+ zwischen großen Städten

Vor mittlerweile 30 Jahren gingen sie in Betrieb und sind bis heute aus dem Schienennetz der DB nicht mehr wegzudenken: die Schnellfahrstrecken, die eigens für Eisenbahnverkehre mit Tempo 160 plus konzipiert und errichtet wurden. Zwischen Hannover und Würzburg sowie Mannheim und Stuttgart machten sich im Frühjahr 1991 die ersten Personenzüge mit rasanter Geschwindigkeit auf die Reise und läuteten damit eine völlig neue Qualität des Bahnfahrens und den Siegeszug des ICE ein.

Die schnellen, komfortablen Verbindungen brachten nicht nur viele Menschen näher zueinander. Es entstanden auch neue Wirtschaftsräume und -konzepte. Außerdem sorgten die Strecken bundesweit für ein wahres Aufatmen, denn die Straßen konnten durch die attraktiven Zugverbindungen deutlich vom Individual- sowie Lkw-Verkehr – und somit CO2 – entlastet werden. Seitdem sind viele Millionen Reisende und Tonnen von Gütern über die Hochgeschwindigkeitsverbindungen gerauscht. Allein zwischen Hannover und Würzburg waren es bis heute rund 420 Millionen Fahrgäste im Fernverkehr – das entspricht fast der Gesamtbevölkerung Südamerikas.

Bildergalerie Schnellfahrstrecken

Interview: Hannes Tesch, Programmleiter Oberbausanierung Schnellfahrstrecke Hannover – Würzburg, DB Netz AG

Herr Tesch, Sie sind Programmleiter Oberbausanierung bei der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg. Was genau muss man sich darunter vorstellen?

Die Programmleitung hat den Blick aufs Ganze. Wir koordinieren übergreifend alle mit der Sanierung der Schnellfahrstrecke Hannover–Würzburg einhergehenden Projektaktivitäten – und das sind eine Menge – aus einer Hand. Den ersten Abschnitt von Hannover nach Göttingen haben wir ja 2019 erfolgreich saniert, in 2021 steht nun zwischen Göttingen und Kassel die Erneuerung von weiteren Gleisen, Weichen und Technik an. Die Regionen Nord und Mitte der DB Netz AG, verantworten die konkreten Bauarbeiten jeweils selbst vor Ort. Unser Job ist es, die vielen baulichen Einzelmaßnahmen mit Blick auf Qualität, Zeit und Kosten optimal in Einklang zu bringen. Dazu zählt auch die Abstimmung mit zentralen Bereichen wie Versorgung und Logistik, Baubetrieb, Vertrieb und Fahrplan.

Die Gesamtkoordination eines derart großen, anspruchsvollen und auf mehre Jahre angelegten Projektes ist immens wichtig, um einen optimal gebündelten Umbau in kürzest möglicher Zeit zu realisieren. Gerade mit Blick auf die Fahrgäste und Eisenbahnverkehrsunternehmen ist dies unabdingbar – schließlich wollen wir die Beeinträchtigungen für den Bahnverkehr auf einem notwendigen Minimum halten. Und wir haben noch einen weiteren Anspruch: durch eine kompetente Steuerung alle Effizienzvorteile für Bauverfahren, Umbaulängen und Vergabevolumina zu nutzen.


Warum muss die Strecke denn überhaupt derart aufwändig erneuert werden? Hätte nicht die „normale“ Instandhaltung mit weniger Auswirkungen gereicht?

Die Strecke wird seit mittlerweile fast 30 Jahren im Dauerbetrieb von schnellen Zügen befahren, da ist eine reine Instandhaltung, wie wir sie bislang regelmäßig durchgeführt haben, nicht mehr ausreichend. Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können. 2019 haben wir daher zunächst Oberbau und Technik zwischen Hannover und Göttingen auf Vordermann gebracht. Nun  folgt in 2021 die Sanierung des Bereichs Göttingen – Kassel. Mit der Erneuerung der beiden verbleibenden Abschnitte Fulda- Würzburg (2022) sowie Kassel – Fulda (2023) wird die durchgängige Streckensanierung abgeschlossen sein.


Mehrjährige Bauarbeiten zwischen Hannover und Würzburg treffen den bundesweiten Bahnverkehr mitten ins Mark - sprich sie führen dazu, dass sich die Reisenden über einen längeren Zeitraum auf Verzögerungen einstellen müssen. Warum hat sich die DB für dieses Sanierungskonzept entschieden?

Wir haben uns die Entscheidung selbstverständlich nicht leichtgemacht, denn es geht, wie Sie richtig sagen, um eine der wichtigsten Verkehrsadern in Deutschland. Schon im Vorfeld haben wir daher mit Eisenbahnen und Verbünden gesprochen, diskutiert und verschiedene Konzepte entwickelt. Nach Abwägung aller Optionen hat sich die jetzige Lösung als die für alle Beteiligten beste Variante herauskristallisiert. Sie ist gewissermaßen ein Kompromiss aus den Ansprüchen unserer Kunden und der technischen Realisierbarkeit der Bauverfahren.

Die Reisenden haben während der Bauphasen jeweils einen feststehenden Fahrplan und müssen sich nicht auf mehrmals wechselnde Angebote einstellen. Auch mit Blick auf die Infrastruktur macht diese Lösung den meisten Sinn. So stehen zum Beispiel in den 63 Tunnelbauwerken mit einer Länge von über 100 Kilometern die Gleise zur Sanierung an. Hierbei sind aufgrund der Staubentwicklung aufwändige Umbauverfahren mit Bewässerung des Schotters sowie Tunnelbewetterung für die Frischluftzufuhr erforderlich, die nur bei einer Streckensperrung sinnvoll realisiert werden können.


Wenn die Strecke gesperrt ist, könnte die Bahn doch gleich noch andere Arbeiten wie Grünrückschnitt oder ähnliches in einem Rutsch miterledigen, damit dafür später nicht nochmal an gleicher Stelle gearbeitet werden muss. Haben Sie das angedacht und wenn ja, was konkret?

Diese Punkte haben wir natürlich mit bedacht. Für den ersten Realisierungsabschnitt von Hannover nach Göttingen haben wir zum Beispiel eine Reihe von Instandhaltungsarbeiten in die Sperrpausen integriert. Dazu zählen der Austausch von ca. 8.000 Oberleitungshängern, der Neubau von ca. 3.000 Metern Kabelkanal oder die Instandsetzung von Entwässerungsleitungen in den Tunneln. Für den jetzt anstehenden Bauabschnitt Göttingen – Kassel wird parallel zur Oberbausanierung die Umrüstung von technischen Anlagen wie der Linienzugbeeinflussung (LZB), den Gleisstromkreisen auf Achszähler sowie der Austausch weiterer Komponenten durchgeführt.

Zudem wird die Strecke Hannover – Würzburg im Rahmen des „Aktionsplans Vegetation“ bereits in der nach Bundesnaturschutzgesetz festgelegten Rückschnittzeit bearbeitet, um den Waldbestand entlang der Gleise sturmsicherer zu machen. Wegen des zusätzlichen Verkehrsaufkommens auf den Umleitungsstrecken, werden vor Baubeginn in den Regionen die Instandhaltungsmaßnahmen verstärkt und viele weitere präventive Maßnahmen durchgeführt, um die Gleise sowie Anlagen der Strecken entsprechend vorzubereiten. 

Die Sanierung der Schnellfahrstrecke Hannover – Würzburg wird fortgesetzt

  • Fulda–Würzburg, 2022
  • Kassel–Fulda, 2023