Der Winter ist da – die Deutsche Bahn hat sich auf Schnee und Eis vorbereitet

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DB75778 Schneeräumdienst auf den Bahnsteig im tief verschneiten Bahnhof Garmisch-Partenkirchen

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Der Winter ist da – die Deutsche Bahn hat sich auf Schnee und Eis vorbereitet

Spezialtechnik und zehntausende Einsatzkräfte bundesweit in Bereitschaft • Informationen für Reisende direkt vor Ort und über DB Navigator • Expertenteam wappnet Bahn gegen Folgen des Klimawandels

Auch in den Wintermonaten sollen die Züge möglichst reibungslos rollen und die Reisenden verlässlich ihr Ziel erreichen – deswegen stehen bei Schnee und Eis zehntausende DB-Mitarbeiter, Winterdienst-Profis und Spezialfahrzeuge bereit, um Bahnsteige und Gleise schnellstmöglich freizuräumen. Züge und Loks hat die Bahn in ihren Werkstätten winterfest gemacht und hält sie laufend instand. Kann der Fahrplan aufgrund widriger Witterung nicht eingehalten werden, ist oberste Priorität, die Reisenden unmittelbar zu informieren. Neben dem DB Navigator und Durchsagen erreicht die DB ihre Fahrgäste über mehr als 6.000 dynamische Schriftanzeiger auf den Bahnhöfen. Insgesamt hat die Deutsche Bahn 70 Millionen Euro für die diesjährigen Wintervorbereitungen ausgegeben.

Auf dem Weg zum Zug: Bahnsteige gestreut und geräumt

Reisende sollen in der kalten Jahreszeit wie gewohnt komfortabel zu ihren Zügen gelangen und die Angebote im Bahnhof nutzen können. Daher setzt die DB an ihren Stationen ein umfangreiches Winterprogramm um. Bereits bei sommerlichen Temperaturen werden Streugut, Schaufeln und Besen beschafft sowie Mitarbeiter und Räumfirmen geschult.

Diese stehen im Winter rund um die Uhr in Bereitschaft, um wichtige Flächen wie Zugänge und Bahnsteige von Schnee und Eis zu befreien. In größeren Bahnhöfen helfen Kehrmaschinen und Schneeräumfahrzeuge.  Mit geologischen Daten und Live-Auswertungen sorgt eine Winterdienst-Datenbank dafür, dass Mensch und Technik zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind. Durch die sogenannte Near Field Communication, die man vom bargeldlosen Bezahlen kennt, kann der Status der Arbeiten durch Ein- und Auschecken der Räumkräfte am Bahnsteig überprüft werden. Trotz dieser Steuerung sind extreme und regional unterschiedliche Witterungsverhältnisse dennoch eine große Herausforderung für den Winterdienst in den Bahnhöfen. 


Mit der Bahn unterwegs: Züge gecheckt und vorgeheizt  

Weit vor Einbruch der kalten Jahreszeit hat die DB ihre Züge und Fahrzeuge umfangreich gecheckt. Fachkräfte in den Werkstätten haben dafür unter anderem Stromabnehmer abgefettet, Sandstreuanlagen und Fahrzeugbatterien überprüft oder Scheibenwaschanlagen mit Wasser und Frostschutzmittel gefüllt. Dieses Programm absolvieren nicht nur Personenzüge. Auch Güterloks bekommen die vorbeugende Behandlung. Triebfahrzeuge, die mit Diesel unterwegs sind, erhalten außerdem einen speziellen Winterdiesel, der Temperaturen bis zu minus 20 Grad Celsius standhält.

Wenn es draußen kalt und ungemütlich ist, können die Fahrgäste schon zu Betriebsstart in einen angenehm warmen Fahrgastraum einsteigen. Dafür heizt die DB abgestellte Triebfahrzeuge und Personenzüge elektrisch vor, was nicht zuletzt auch die Batterien schont. Vor und während der Zugfahrt betätigt der Lokführer immer mal wieder kurz die Bremsen. Damit wird verhindert, dass diese wichtigen Bauteile festfrieren. Für den gleichen Effekt hebt und senkt der Lokführer – wenn der Zug steht – präventiv den Stromabnehmer. Moderne Triebzüge melden dank Diagnosetechnik die korrekte Funktion des Stromabnehmers selbstständig.  

Für die laufende Instandhaltung taut die Bahn ihre Fahrzeuge mit Warmwasser oder warmer Luft auf. Dafür stehen in Reinigungs- und Werkhallen des Personenverkehrs knapp 80 Spezialanlagen bereit. Im ICE-Werk Frankfurt am Main ist zusätzlich eine Glykol-Behandlungsanlage installiert, um die Anhaftung von Eis und Schnee am Fahrzeug zu vermeiden. An schweren Wintertagen sind die Werkstätten zudem länger geöffnet. Schichten werden nach Bedarf flexibel und kurzfristig umgeplant. 


Damit die Basis stimmt: Mensch und Spezialtechnik für schneefreie Gleise  

Im Winter besonders empfindlich sind die rund 70.000 Weichen. In Knoten und auf stark befahrenen Strecken verfügen daher etwa 13.500 dieser Anlagen über eine Antriebsabdeckung. Diese schützt die Weiche vor Schneeverwehungen und von Zügen herabfallenden Eisbrocken. Über 48.000 Weichen haben außerdem eine Heizung, die ein Einfrieren der beweglichen Teile verhindert. Alle Heizungen werden vor dem Wintereinsatz intensiv getestet.

Trotz aller Vorkehrungen können Weichenheizungen bei Extremfrost oder starken Schneeverwehungen an ihre Grenzen geraten. Dann kommen rund 18.000 Räum- und Sicherungskräfte zum Zuge, die die Fahrbahn per Hand wieder freimachen. Abhängig von den Straßenverhältnissen sind die Winterdienst-Profis dabei so schnell wie möglich vor Ort. Ergänzend setzt die DB schwere Loks ein, die über verschneite Gleise fahren und eine Spur durch den Schnee ziehen. Die den „Spurloks“ nachfolgenden leichtere Züge können die Gleise so wieder ungehindert befahren. Bei Schneehöhen von über vierzig Zentimetern und langandauernden Schneefällen reichen diese Maßnahmen auch nicht mehr aus. Für diese Fälle stehen an strategischen Punkten im Netz 72 Schneepflüge, -schleudern und Instandhaltungsfahrzeuge mit Schneeräumtechnik bereit.

Da es erfahrungsgemäß eher selten ist, dass das gesamte Bundesgebiet gleichzeitig unter einer hohen Schneedecke versinkt, helfen gerade nicht benötigte Fahrzeuge in stark verschneiten Regionen aus. Die Koordination dieser Aktivitäten übernehmen sieben regionale und ein zentrales Lagezentrum.  

Energieschub für den Winter: Stromversorgung für Fahrzeuge und Netz  

Für eisfreie Weichen und vorgeheizte Züge braucht die Bahn mehr Energie. Damit alle Stromerzeugungsanlagen wie gewünscht auf Knopfdruck bereitstehen, führt die DB vor Einzug der kalten Jahreszeit eine umfangreiche Wartung für die Energieerzeugung durch. Das Gleiche gilt für das mehr als 7.900 Kilometer lange 16,7-Hertz-Bahnstromnetz.  

In Regionen, in denen üblicherweise mit einem strengen Winter zu rechnen ist, sind die Bahnstromleitungen mit speziellen Eiswarngeräten ausgestattet. Diese Systeme erkennen frühzeitig, wenn sich eine zu starke Schnee- oder Eislast auf den Leitungen bildet. Schlagen die Geräte an, kann kontrolliert mehr Strom durch die Leitungen geführt werden, sodass Eis und Schnee tauen. Beispielsweise auf der Schnellfahrstrecke zwischen Frankfurt am Main und Köln werden so bereits bei Temperaturen um den Gefrierpunkt Raureif- und Eisbildung an der Oberleitung verhindert.

Störungen beheben, bevor sie entstehen: Digitale Tools und Sensoren

Die DB erhält bei dem Thema Winter zunehmend digitale Unterstützung. So kommt etwa im Personenverkehr die innovative Internet of Things-Technologie des Startups Embever sprichwörtlich zum Zug: Damit die Lokomotiven der Baureihe 101, die vor allem ICs durchs Land bringen, auch bei niedrigen Temperaturen jederzeit einsatzbereit sind, bleiben sie in den Bereitstellungsanlagen am Stromnetz. Sensoren überwachen die Verbindung zur Oberleitung, damit sich die Starterbatterie nicht entlädt. Kommt es zu einer Störung, wird automatisch die Leitstelle informiert. Die Personale können dann sofort nach dem Rechten sehen und die Fahrzeuge sind ohne aufwändige Kontrollgänge bei Schnee und Eis pünktlich start- und einsatzbereit.

Bei Weichenheizungen überwacht ebenfalls smarte Technik, ob alles reibungslos funktioniert. Die DB hat dafür bereits ein Drittel ihrer ferngesteuerten Weichenheizungen an eine digitale Diagnoseplattform angeschlossen. Durch kontinuierliche Überwachung können sich anbahnende Störungen an den Anlagen frühzeitiger erkannt und behoben werden.

Wetterlage einschätzen: Prognosesysteme liefern streckengenaue Daten  

Es geht nichts über die richtige Wettervorhersage. Daher greift die DB gleich auf mehrere Prognosesysteme zurück, um Wetterentwicklungen genau im Auge zu behalten. Vor allem bei zu erwartendem Schnee oder Extremwetter nutzt sie die Daten, um möglichst weit im Vorfeld die Lage einzuschätzen und daraus Schlüsse für den weiteren Verlauf des Zugverkehrs zu ziehen. Das kann von reduzierten Geschwindigkeiten bis zum Warten der Züge in den Stationen reichen. Präzise Prognosen helfen außerdem dabei, den Einsatz von Technik und Personal sowie Bereitschaften besser zu planen.

Wichtig ist, dass die Vorhersagen frühzeitig vorliegen. Gleichzeitig müssen die Daten bundesweit verfügbar und belastbar sein. An der Schnellfahrstrecke Erfurt–Nürnberg hat die DB für streckenbezogene Livedaten zusätzlich vier eigene Wetterstationen errichtet.

Perspektivisch extremer: Spezialistenteam wappnet DB für Klimawandel

Untersuchungen von Klimaforschern zeigen, dass schwere Stürme, Starkregen, Hitzeperioden sowie örtlich starker Frost und Schneefall zunehmen werden. Mit ihrem 34.000 Kilometer langen Streckennetz, rund 5.800 Bahnhöfen und täglich 40.000 Zugfahrten ist die DB – trotz aller Vorbereitungen – nicht immer gegen derartige Extremwetter gefeit. Um den klimatischen Veränderungen und deren Folgen besser zu begegnen, hat die DB ein neues Team aus Forstwirten, Bauingenieuren, Wasserwirtschaftlern und Geowissenschaftlern ins Leben gerufen. Die DB-Spezialisten werten bisherige Wetterereignisse aus und entwickeln konkrete Maßnahmen, mit denen sich die Bahn personell, technisch und betrieblich für die klimatischen Veränderungen wappnet. So wurde unter Federführung des Teams etwa das Vegetationsmanagement an Bahnstrecken intensiviert, um einen robusten, wetterfesten Baumbestand zu generieren. 

Bilder Wintervorbereitungen