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Die Top 5: So halten die größten S-Bahnen der DB Deutschlands Großstädte in Schwung

1,3 Milliarden Reisende pro Jahr in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart und im Rhein-Main-Gebiet • Multi-Millionen-Euro-Infrastruktur- und Qualitätsprogramme • S-Bahn-Steckbriefe • Drei Fragen an Dr. Jörg Sandvoß, Vorstandschef DB Regio AG

(Berlin, Juni 2019) Es sind beeindruckende Zahlen: Bundesweit fahren knapp 1,3 Milliarden Fahrgäste jedes Jahr mit einer der Top 5 S-Bahnen der Deutschen Bahn. Pro Tag sind das deutlich mehr als drei Millionen Menschen – mehr als die Hälfte aller Reisenden im Nah- und Fernverkehr. Die Bahnen Berlin, Hamburg, Stuttgart, Rhein-Main und München halten ganze Großstädte und Regionen in Schwung.

Rund 90 Millionen Trassenkilometer fahren diese S-Bahnen jährlich, 50 Millionen Mal halten sie an einem Bahnhof – zudem beschäftigten sie mehr als 6.200 Mitarbeiter. Und: Sie sind ein zentraler Baustein im Angebot der DB-Nahverkehrstochter DB Regio.

Die S-Bahnen unterstreichen auch den Anspruch des Konzerns Deutsche Bahn, der in der neuen Strategie „Starke Schiene“ formuliert ist: „Als DB wollen wir DIE treibende Kraft sein auf dem Weg in eine positive Zukunft. Wir wollen einen wesentlichen Beitrag zur Gesundung von Klima und Umwelt, der Mobilität der Menschen, dem Wachstum der Wirtschaft und dem Zusammenhalt Europas leisten. Als größtes Mobilitätsunternehmen in Deutschland ist es unsere Verantwortung, hier voranzugehen!“

Und: Kein motorisiertes Verkehrsmittel ist heute so klimafreundlich wie die Schiene. Sie stößt im Vergleich zu Auto, Flugzeug, Fernbus und LKW die mit Abstand geringsten spezifischen Treibhausgasemissionen aus.

Die S-Bahnen haben bei allen regionalen Eigenheiten vieles gemein: Sie sind in ihren Regionen das Rückgrat des Verkehrs, die Fahrzeuge absolvieren eng getaktete Fahrpläne, bedienen dicht aufeinander folgende Halte auf einer insbesondere in den großen Ballungsräumen inzwischen knappen Infrastruktur. Dabei sind sie eng vernetzt mit den kommunalen Verkehrsgesellschaften mit ihren U-Bahnen, Straßenbahnen oder Busunternehmen.

Die Metropolen S-Bahnen sind erfolgreich – so erfolgreich, dass sie mittlerweile mit ihren hoch komplexen Systemen weit jenseits der ursprünglich geplanten Kapazitäten arbeiten. Beispiel München: Gebaut für die Olympischen Spiele 1972 und täglich 250.000 Fahrgäste sind hier heute bis zu 840.000 Menschen unterwegs.

Mit Multi-Millionen-Infrastruktur- und Qualitätsprogrammen macht die DB die Metropol-S-Bahnen fit für die Zukunft und arbeitet an Lösungen für aktuelle und künftige Herausforderungen. Dazu gehören neben der Erneuerung und dem Ausbau der Infrastruktur unter anderem auch mehr Pünktlichkeit, eine verbesserte Reisenden-Information oder ein moderneres Erscheinungsbild der Stationen. Es passiert bereits viel bei den fünf großen S-Bahnen.

S-Bahn Berlin – Schlagader der Hauptstadt

Wie in allen Metropolen wächst auch in Berlin die Bevölkerung und damit die Herausforderung an den öffentlichen Nahverkehr. Die Berliner S-Bahn befördert 2019 an jedem Werktag bis zu 1,5 Millionen Fahrgäste – ein Anstieg um mehr als zehn Prozent in gerade mal fünf Jahren. Um diese vielen Menschen täglich zur Arbeit und wieder nach Hause zu fahren, setzt die S-Bahn auf mehr und modernere Züge. Ein wichtiger Meilenstein ist der 1. Januar 2021. Dann werden die ersten zehn Fahrzeuge der neuen Baureihe 483/484 ihren Dienst aufnehmen. Die insgesamt 106 bestellten Züge werden nach und nach folgen. 

Berlins neue S-Bahn hat bei ihren ersten öffentlichen Auftritten bereits sehr positive Resonanz geerntet. Mehr Platz durch getrennte Mehrzweckabteile für Rollstühle und Fahrräder, große Panoramafenster, mehr Sicherheit durch Videoüberwachung und eine Klimaanlage sind nur einige der Attribute, auf die sich Berliner, Brandenburger und Gäste der Stadt freuen können. 

Die S-Bahn Berlin kann außerdem ihre „Qualitätsoffensive S-Bahn PLUS“ mit mehr als 200 Bausteinen als Erfolg verbuchen: sie ist bereits pünktlicher und zuverlässiger geworden. Das Maßnahmenpaket umfasst neben zusätzlichen Triebfahrzeugführern u.a. auch Verbesserungen bei der Instandhaltung und attraktiveren Bahnhöfen sowie den Ausbau der Energieversorgung. Die DB setzt für das Programm gut 30 Millionen Euro ein – zusätzlich zur Beschaffung der neuen Fahrzeuge und der Modernisierung der Bestandsbaureihen in Höhe von insgesamt 1,15 Milliarden Euro.

Steckbrief S-Bahn Berlin

Fahrgäste:

436 Millionen pro Jahr, 1,5 Millionen pro Tag

Haltestellen:

166

Streckennetz: 

327 Kilometer

Mitarbeiter:

2.800

Fahrzeuge:

650

Trassenkilometer:

32 Millionen pro Jahr


S-Bahn Hamburg – Ahoi Deutschlandpremiere

In Hamburg investiert die S-Bahn mehr als 500 Millionen Euro in neue Züge (Baureihe 490), ein Modernisierungsprogramm für die aktuellen Fahrzeuge und den Ausbau der Werkstätten. Die Verkehre wurden ausgeweitet, mit längeren Betriebszeiten und Zügen und kürzeren Taktzeiten. Denn auch in der Hansestadt gilt: Die Zahl der Fahrgäste wächst rasant – zuletzt auf eine Dreiviertelmillion pro Werktag.

Für den Neubau von Bahnstrecken fehlt jedoch schlicht der Platz, gefragt sind deshalb intelligente Lösungen. Gemeinsam mit der Stadt Hamburg und der Siemens AG geht der DB-Konzern nun neue Wege. Im Pilotprojekt „Digitale S-Bahn Hamburg“ beginnt auf der Linie S 21 im Jahr 2021 ein hochautomatisierter Test-Betrieb - eine Deutschlandpremiere.

Technische Basis auf dem 23 Kilometer langen Streckenabschnitt ist der künftige europäische Standard ATO (Automatic Train Operation) über das funkbasierte europäische Zugsicherungssystem ETCS Level 2 (European Train Control System). ETCS setzt am Kern des Problems an, nämlich an der Streckenkapazität. Möglich ist damit ein Plus von bis zu 20 Prozent, ohne einen einzigen Meter zusätzliche Gleise.

Steckbrief S-Bahn Hamburg

Fahrgäste:

280 Millionen pro Jahr, 750.000 pro Tag

Haltestellen:

68

Streckennetz: 

147 Kilometer

Mitarbeiter:

1.200

Fahrzeuge:

194 (bis 2020)

Trassenkilometer:

13 Millionen pro Jahr

S-Bahn Stuttgart – Das leuchtende Beispiel

Als Gewinner des Deutschen Mobilitätspreises 2018 für die leuchtende Bahnsteigkante zeigen die Stuttgarter Kolleginnen und Kollegen, dass sie beim Thema Innovation ganz vorne sind. Im Bahnhof Stuttgart-Bad Cannstatt wurde die Idee, den Fahrgästen durch Leuchtzeichen im Bodenbelag die Orientierung am Bahnsteig zu erleichtern, in die Tat umgesetzt. Der Gedanke dahinter ist, zu lange Haltezeiten zu vermeiden umso die Pünktlichkeit stabilisieren zu können. Denn: Jede Zeitüberschreitung beim Halt führt zu Folgeverspätungen, die wiederum weitere S-Bahnen beeinträchtigen. Weil auch die S-Bahn Stuttgart einen anhaltenden Fahrgast-Boom erlebt, will sie sich weiter mit der dynamischen Wegeleitung beschäftigen, für die sie weitere Einsatzmöglichkeiten prüft. 70.000 Menschen fahren allein zwischen 7 und 8 Uhr morgens mit den Zügen, pro Tag sind es 435.000.

Im Rahmen von Stuttgart 21 erhält die S-Bahn im Umfeld des neuen Durchgangsbahnhofs eigene Strecken. Sie soll im Programm „Digitale Schiene Deutschland“ zu den Vorzeigeprojekten gehören. Für umfangreiche Qualitätsverbesserungen bei der S-Bahn investieren Land, Region und Bahn in die Leit- und Sicherungstechnik ETCS sowie in 58 neue Fahrzeuge. Das Ziel: die S-Bahn als Rückgrat des Schienenpersonennahverkehrs der Region zu stärken.

Um Autofahrern den Umstieg auf den ÖPNV zu erleichtern, wird in Stuttgart bislang einmalig www.dbparkandride.de angeboten. Die App zeigt in der Region, ob es sich lohnt, das Auto stehen zu lassen, gibt eine Vorhersage über die Auslastung der Parkplätze und übernimmt die Navigation zu freien Parkplätzen mit nahtloser Anbindung zum ÖPNV in Echtzeit. Beim Service http://freizeitohneauto.s-bahn-stuttgart.de werden erstmals Fahrplandaten mit touristischen Inhalten verknüpft. Damit unter anderem auch diese Services bestmöglich genutzt werden können, bieten ab Sommer 2019 alle Fahrzeuge im Netz der S-Bahn Stuttgart kostenfreies WLAN.

Steckbrief S-Bahn Stuttgart


Fahrgäste:

131 Millionen pro Jahr, 435.000 pro Tag

Haltestellen:

83

Streckennetz: 

215 Kilometer

Mitarbeiter:

635

Fahrzeuge:

157

Trassenkilometer:

gut 11 Millionen pro Jahr

S-Bahn München – Modernisierung der Superlative

Die S-Bahn München setzt aktuell ein umfassendes Qualitätsprogramm namens „Zukunft S-Bahn München“ um. Herzstück: das 300 Millionen Euro schwere Modernisierungsprojekt für die Fahrzeugflotte – das bislang größte bei der Deutschen Bahn! Bis Ende 2020 werden im Auftrag des Freistaats Bayern alle 238 Züge des Typs ET 423 umgebaut.

Ganz oben auf der Agenda steht außerdem die Verbesserung der Fahrgastinformation. In einem System, das als Ergebnis des eigenen Erfolges täglich an der Leistungsgrenze operiert, ist eine verlässliche Information der Kunden mindestens genauso wichtig wie der stabile Betrieb. Noch 2019 soll es in diesem Bereich weitere Verbesserungen geben: Aktuelle Livedaten zum Fahrplan sollen nicht nur auf dem Handy, sondern auch in den Zügen und am Bahnsteig verfügbar sein. In den Zügen werden künftig zudem die Anschlussmöglichkeiten an den jeweiligen Stationen eingeblendet. Bis Ende des Jahres wird die S-Bahn auf den Monitoren außerdem grafische Störungskarten veröffentlichen.

Auch bei den Bahnhöfen tut sich einiges. An den acht unterirdischen S-Bahn-Stationen werden in den nächsten Jahren unter anderem die Decken neugestaltet und die Bahnsteigausstattung (Beleuchtung, Sitzgelegenheiten, etc.) erneuert. Stützen, Pfeiler und Wände erhalten eine Frischekur. Gesamtinvestition: rund 60 Millionen Euro. Der barrierefreie Ausbau der S-Bahn-Halte wird ebenso vorangetrieben.

DB Netz schließt bis Ende 2019 alle betriebswichtigen Weichen im S-Bahn-Netz an das digitale Weichendiagnosesystem DIANA an. Mithilfe von Sensoren und einer digitalen Plattform sollen Störungen und Verschleiß der Weiche frühzeitiger erkannt und vorbeugende Maßnahmen ergriffen werden können.

Steckbrief S-Bahn München


Fahrgäste:

280 Millionen pro Jahr, 840.000 pro Tag

Haltestellen:

150

Streckennetz:

434 Kilometer

Mitarbeiter:

1.200

Fahrzeuge:

253

Trassenkilometer: 

knapp 21 Millionen pro Jahr

S-Bahn Rhein-Main – täglich einmal um die Erde

Das Bahnsystem der S-Bahn Rhein-Main umfasst heute 300 Kilometer Streckennetz, auf dem neun Linien verkehren. Im Netz-Zentrum steht Frankfurt, von dort wird das gesamte Rhein-Main-Gebiet mit Orten wie Wiesbaden, Friedberg, Offenbach, Hanau, Darmstadt oder Mainz erreicht. Pro Tag nutzen rund 540.000 Fahrgäste die S-Bahn. Alle S-Bahnzüge zusammen fahren täglich über 42.000 Kilometer: Das sind 2.000 mehr als eine Erdumrundung.

Auch bei der S-Bahn Rhein-Main arbeiten die Experten gemeinsam mit dem Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) als Aufgabenträger intensiv an einer besseren Pünktlichkeit und mehr Service für die Kunden. Das eigens ins Leben gerufene „Intensivprogramm“ bündelt eine Vielzahl unterschiedlichster Maßnahmen, um die Betriebsqualität zu verbessern und die S-Bahn für die stetig wachsende Menge an Fahrgästen zu wappnen. So werden nicht nur hunderte neue Lokführer eingestellt, die Flotte wird komplett mit WLAN ausgestattet und 2019 um zusätzliche Züge erweitert, die zuvor extra modernisiert und umgebaut werden. Einstiegslotsen sorgen für eine pünktlichere Abfahrt der Züge. Eine Erweiterung des Angebots stellt bereits der durchgängige Nachtverkehr dar, der mit Inbetriebnahme des neuen elektronischen Stellwerks (ESTW) im Frankfurter S-Bahn-Tunnel im Sommer 2018 begonnen hat. Dieses Stellwerk sorgt für einen stabileren Verkehr und ist eines von mehreren Infrastrukturprojekten des Programms Frankfurt Rhein-Main plus , mit denen die Verantwortlichen die Schiene in Hessen fit für die Zukunft machen wollen.

Steckbrief S-Bahn Rhein-Main


Fahrgäste:

150 Millionen pro Jahr, 540.000 pro Tag

Haltestellen

110

Streckennetz:

300 Kilometer

Mitarbeiter:

700

Fahrzeuge:

205

Trassenkilometer:

knapp 15 Millionen pro Jahr


Drei Fragen an Dr. Jörg Sandvoß, Vorstandsvorsitzender DB Regio AG

1,3 Milliarden Menschen fahren jedes Jahr mit den fünf großen S-Bahnen der DB – Fluch oder Segen?

Wir sind stolz auf diese Zahl. Und vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussionen über Klimaschutz und eine Verkehrswende freuen wir uns über jeden weiteren Fahrgast. Zugleich stellt diese große Zahl an alle fünf S-Bahnen hohe Anforderungen. Das betrifft Fahrzeuge und Infrastruktur, aber auch Reisenden-Information, Sicherheit und Sauberkeit. Wir haben keinen Augenblick, um uns auf dem reinen Zahlen-Erfolg auszuruhen. Im Gegenteil – wir arbeiten inzwischen häufig mit völlig ausgelasteten Systemen und investieren hier viel Geld und Arbeit, um einen stabilen Betrieb zu gewährleisten.

Was konkret unternehmen Sie, um Ihre Top 5 fit für die Zukunft zu machen?

In allen fünf Städten gibt es Qualitätsoffensiven oder Infrastrukturprogramme oder beides. In Hamburg beispielsweise werden für 500 Millionen Euro neue Fahrzeuge gekauft. In der Hansestadt ist 2021 außerdem eine Deutschlandpremiere geplant: Wir wollen den voll automatisierten Betrieb testen und mit der entsprechenden Technik mehr Züge auf die Schiene bekommen. Zahlreiche neue Fahrzeuge bekommt auch Berlin, dort läuft zugleich eine große angelegte, geschäftsfeldübergreifende Qualitätsoffensive. Mit Erfolg – die Pünktlichkeit hat sich bereits deutlich verbessert. In München findet aktuell das größte Modernisierungsprogramm in der Geschichte der DB statt. Dort wird die Fahrzeugflotte im Rahmen des Programms „Zukunft S-Bahn München“ für 300 Euro Millionen modernisiert.

Die S-Bahn Rhein-Main steht auch vor einer Erweiterung der Flotte, hier wird außerdem das Thema WLAN-Ausstattung vorangetrieben, und es werden neue Gleise gebaut. In Stuttgart haben die Kolleginnen und Kollegen mit der sogenannten leuchtenden Bahnsteigkante für ein besseres Ein- und Aussteigen bereits ordentlich Innovationskraft an den Tag gelegt. Und auch im Süden wird das Thema halbautomatisiertes Fahren in Angriff genommen. Im Rahmen von Stuttgart 21 sind auch dringend benötigte neue Strecken geplant.

Welchen Stellenwert haben die S-Bahnen im DB-Konzern?

Die fünf großen S-Bahnen sind für DB Regio von zentraler Bedeutung. Und sie spielen beim Thema Image, öffentliche Wahrnehmung, eine tragende Rolle. Sie beeinflussen die Kundenzufriedenheit von DB Regio zu rund 60 Prozent. Deshalb haben wir diese S-Bahnen auch innerhalb von Regio in einer Organisationseinheit zusammengeführt – um ihnen stets die Aufmerksamkeit zu geben, die sie verdienen, und die sie brauchen!