Deutsche Bahn

Individuelle Mobilität ohne eigenes Auto

Die Deutsche Bahn bringt mit „ioki“ On-Demand-Mobilität und autonome Busse in den öffentlichen Verkehr

Den autonomen Elektrobus per App zu sich bestellen und sich zum nächsten Bahnhof fahren lassen. Unterwegs sammelt das Shuttle weitere Fahrgäste mit ähnlichen Routen ein. Noch ist das Zukunftsmusik. Aber die Deutsche Bahn (DB) arbeitet daran, dass diese Zukunft in greifbare Nähe rückt und hat bereits erste Angebote geschaffen: In Bad Birnbach in Niederbayern fährt der erste Linienbus autonom auf öffentlichen Straßen und in Hamburg bringt ein individueller Shuttle-Service, der per App bestellt werden kann, Fahrgäste zum Tarif des Nahverkehrs auf flexiblen Routen ans Ziel. Erdacht werden die neuen Services von den Mitarbeitern von ioki, dem neuen Geschäftszweig der DB für intelligente On-Demand-Mobilität.

Fünf Fakten zu ioki

ioki bietet alle Services aus einer Hand, um Dritte, etwa Städte, Verkehrsunternehmen oder kommunale Aufgabenträger, in die Lage zu versetzen, unter eigenem Namen On-Demand-Mobilitätsangebote im öffentlichen Verkehr zu betreiben. Das Team aus IT- und Verkehrsexperten, Entwicklern und Produktdesignern analysiert für Städte, Kommunen und Verkehrsunternehmen den Bedarf, begleitet behördliche Genehmigungsprozesse und bietet Kundenlösungen aus einer Hand: Von passgenauen Fahrzeug- und Routenkonzepten bis hin zur digitalen Plattform, über die Fahrgäste die neuen Services nutzen können.

Daneben treibt ioki die Entwicklung des autonomen Fahrens auf der Straße als Teil des öffentlichen Verkehrs voran, etwa durch eigene Testfelder wie in Bad Birnbach. Auch die On-Demand-Angebote bzw. die dahinterliegende Technologie testet ioki in eigenen Pilotprojekten, etwa in Frankfurt am Main. Ziel ist jeweils die ständige Weiterentwicklung und Verbesserung der Services, unter anderem durch das Feedback der Testkunden.

On-Demand-Mobilitätsangebote sind nur so gut wie die Technologie dahinter. Die Mitarbeiter von ioki haben eine IT-Plattform entwickelt, die Fahrtwünsche aufnimmt und intelligent verarbeitet. Das Geheimnis liegt im Algorithmus, der ein intelligentes Pooling und Routing ermöglicht. Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden gemeinsam auf der schnellsten Route befördert.

Zur Plattform gehören zwei Apps: eine für die Fahrgäste und eine für die Fahrer. Erstmals zum Einsatz kamen Plattform und Apps in Frankfurt am Main. Dort können exklusiv DB-Mitarbeiter am Standort Frankfurt per App ein Fahrzeug von ioki ordern und sich zu einem der 32 DB-Standorte in Frankfurt fahren lassen. 

Erklärvideo zur App - Buchung von On-Demand-Services in Frankfurt/Main  

Zunehmend mehr Verkehr, Staus, Feinstaub, Flächenversiegelung für Parkraum und starre Fahrpläne führen in Städten zu spürbaren Belastungen. Längst kann auch nicht jeder uneingeschränkt am mobilen Alltag teilhaben. Das gilt z.B. für Teenager, Senioren und Menschen mit Mobilitätseinschränkungen. ioki entwickelt Mobilitätsangebote für alle. So ist etwa der autonom verkehrende Linienbus in Bad Birnbach barrierefrei.

Insbesondere im ländlichen Raum ist das Mobilitätsangebot häufig unzureichend. Kunden verlangen dort nach individueller, smarter Mobilität: egal wann, egal wohin. Daher besteht gerade in ländlichen Gebieten großes Potential mit On-Demand-Lösungen den öffentlichen Verkehr nachhaltiger und effizienter zu gestalten und individuelle Mobilität ohne eigenes Auto zu ermöglichen, indem Anschluss an den nächsten Bahnhof sichergestellt wird.

Derzeit gibt es keine standardisierten Verfahren zur Zulassung hoch-automatisierter bzw. autonomer Verkehrsangebote. Gemeinsam mit Partnern aus Industrie, Wissenschaft und Politik arbeitet ioki an der Weiterentwicklung dieser Systeme sowie der regulatorischen Grundlagen. 

Der autonome Linienbus in Bad Birnbach erhielt eine Ausnahmegenehmigung, da das Fahrzeug z. B. kein Lenkrad und keinen Fahrersitz hat und - unter ständiger Überwachung durch den Fahrtbegleiter - autonom fährt. Fahrzeug, Sicherheits- und Betriebskonzept wurden durch den TÜV Süd begutachtet, der auf dem Gebiet des automatisierten Fahrens umfassende Expertise besitzt.

ioki setzt auf den individuellen öffentlichen Verkehr. Perspektivisch wird dieser ohne eigene Auto und autonom möglich sein. Mit positiven Effekten für Stadt und Land: weniger Autos, weniger Luftverschmutzung in Innenstädten und Ballungsräumen sowie wirtschaftlich tragfähige Mobilitätsangebote auch in weniger dicht besiedelten Gebieten. Ziel ist es, bedarfsgerechte Mobilitätsangebote auf der Straße zu schaffen, die in den ÖPNV eingebettet sind.



Erstes autonomes Fahrzeug auf öffentlichen Straßen

Im niederbayerischen Kurort Bad Birnbach betreibt die DB unter Federführung von ioki seit Oktober 2017 die erste autonome Buslinie Deutschlands auf öffentlichen Straßen. Autofahrern und Fußgängern begegnet ein Elektrobus, der nicht nur leise und umweltfreundlich ist. Er hat auch keinen Fahrer und weder Lenkrad noch Gaspedal. Nur ein Fahrtbegleiter ist an Bord, der bei Bedarf eingreifen kann. Das Fahrzeug rollt auf der mittlerweile 1.400 Meter langen Strecke durch den Kurort. 

Die DB kann beim autonomen Fahren auf der Straße auf Erfahrungen aus mehreren Testfeldern zurückblicken, etwa in Berlin und Leipzig. 2018 folgt in Hamburg ein Testfeld für ein On-Demand-Angebot, das Anschluss an eine Bahnstation bietet. In Zukunft soll dieses Angebot auch mit autonomen Elektrobussen durchgeführt werden. 

Die DB bringt autonomes Fahren auf die Straße - die Testfelder in Bildern

Mobil auf Bestellung

2017 hat die DB auch erste On-Demand-Mobilitätsangebote auf die Straße gebracht. ioki erprobt in Frankfurt am Main einen fahrerbasierten On-Demand-Service. Testkunden sind exklusiv DB-Mitarbeiter am Standort Frankfurt. Im rheinland-pfälzischen Wittlich hat zudem im Mai 2018 der digitale Rufbus seinen Betrieb aufgenommen und ist als On-Demand-Mobilitätsangebot sinnvoll in den bestehenden öffentlichen Personennahverkehr integriert. Das neue „Wittlich Shuttle“ ergänzt vorhandene Verkehrsinfrastrukturen, insbesondere in ländlichen Regionen. Zudem setzt ioki seit Juli 2018 in den Hamburger Stadtteilen Lurup und Osdorf im Rahmen der Smart City-Partnerschaft zwischen der DB und der Freien und Hansestadt Hamburg einen fahrerbasierten On-Demand-Service um, der vollständig in den bestehenden ÖPNV integriert ist.

On-Demand-Angebot als Teil des Nahverkehrs in Hamburg

Seit Juli 2018 bringt „ioki Hamburg“, ein individueller Shuttle-Service, der per App bestellt werden kann, Fahrgäste auf flexiblen Routen ans Ziel. Die Verkehrsbetriebe Hamburg-Holstein GmbH (VHH) betreiben das neue Angebot zusammen mit ioki in den Stadtteilen Lurup und Osdorf.

„ioki Hamburg“ ist ein neues öffentliches Verkehrsmittel im Hamburger Verkehrsverbund (HVV) ohne festen Fahrplan oder Linien. Besonders attraktiv ist dieser Service, weil er in den öffentlichen Personennahverkehr integriert und einfach mit einem HVV-Ticket nutzbar ist. Die Fahrt kann von einer beliebigen Adresse im Bediengebiet zu einer Haltestelle erfolgen oder umgekehrt. Im Bediengebiet werden in Abständen von nicht mehr als 200 Metern zusätzliche Haltepunkte zur optimalen Flächenabdeckung eingerichtet.

ioko Hamburg

Für das neue Angebot kommen modernste, emissionsfreie Elektroautos des britischen Herstellers LEVC zum Einsatz. Die Fahrzeuge verfügen über sechs Sitzplätze und sind zudem barrierefrei: Rollstuhlfahrer können über eine Rampe einsteigen. Auch Kinderwagen können bequem befördert werden.

Pilotprojekt On-Demand-Verkehr in Frankfurt/Main

ioki erprobt seit Ende November 2017 mit DB-Mitarbeitern am Standort Frankfurt/Main einen fahrerbasierten On-Demand-Service, der digital per Smartphone-App buchbar ist und auf Bestellung ohne festen Fahrplan verkehrt. Mit einem Klick können sich Mitarbeiter ein Fahrzeug bestellen und sich zu einem der 32 Frankfurter DB-Standorte fahren lassen. Fahrgäste mit ähnlichen Routen werden automatisch zu Fahrgemeinschaften gebündelt und gemeinsam befördert. In Frankfurt kommen erstmals fünf elektrische TukTuks sowie zwei Elektro-Kleinbusse zum Einsatz. Die Testflotte besteht insgesamt aus 13 Fahrzeugen.

Pilotbetrieb On-Demand-Flotte Frankfurt/Main

Deutsche Bahn und Berliner Verkehrsbetriebe kooperieren im Bereich autonomes Fahren

Innerhalb eines Pilotprojekts in Kooperation mit den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) ist ein selbstfahrender Kleinbus erstmals auch per App individuell bestellbar und somit unabhängig von Fahrplänen. Der Kleinbus der neuesten Generation des Herstellers EasyMile, der sich induktiv laden lässt, ist zunächste auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg unterwegs. Zu einem späteren Zeitpunkt ist auch geplant, den Testbetrieb auf öffentliche Straßen auszuweiten. Ziel eines solch flexiblen On-Demand-Services mit autonomen Fahrzeugen ist es, Mobilität von Tür zu Tür in Kombination mit Bahnen und Bussen zu bieten. In Summe wird der öffentliche Verkehr dadurch attraktiver.

BVG und ioki

„Wittlich Shuttle“: On-Demand-Mobilität integriert in den bestehenden ÖPNV


Wittlich Shuttle ioki

Der digitale Rufbus im rheinland-pfälzischen Wittlich hat im Mai 2018  seinen Betrieb aufgenommen. Das per App buchbare On-Demand-Mobilitätsangebot ist vollständig in den bestehenden öffentlichen Personennahverkehr integriert. Das „Wittlich Shuttle“ ergänzt die vorhandene Verkehrsinfrastrukturen, so sind Kunden unabhängiger von Fahrplänen und Taktfrequenzen. Der On-Demand-Service befördert Fahrgäste mit ähnlichen Routen zusammen innerhalb eines dichten Netzes an Haltestellen. Neben der bequemen Buchung per App besteht die Möglichkeit, den Bus wie gewohnt telefonisch über eine Rufbus zentrale anzufordern.