Deutsche Bahn

Die Bahn wird sturmsicherer

Intensivierte Inspektion und nachhaltige Durchforstung sorgen für stabilen, robusteren Waldbestand • Zusätzliche Forstarbeiter und neues Expertenteam im Einsatz • Bewährte Präventions- und Schwerpunktprogramme laufen weiter

Extremwetterlagen mit Auswirkungen auf das System Schiene haben in den letzten Jahren deutlich zugenommen. Allein im Herbst 2017 und Anfang 2018 sorgten schwere Stürme für  Zugausfälle oder Verspätungen sowie Schäden an Gleisen und Anlagen in Millionenhöhe. Für die Fahrgäste ist dies verständlicherweise ein großes Ärgernis. Der „Aktionsplan Vegetation“ der Deutschen Bahn trägt den geänderten Rahmenbedingungen und Auswirkungen von Extremwetterlagen auf den Bahnbetrieb Rechnung. Es werden alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Schiene sturmsicherer zu machen - damit die Fahrgäste bei Wind und Wetter verlässlich ihr Ziel erreichen.

Film: "Das ist der neue Aktionsplan Vegetation"


Stabilere Verhältnisse dank Vier-Säulen-Plan

Vegetationspflege

Im Rahmen gesetzlicher Vorgaben trägt die Bahn dafür Sorge, dass Zugfahrten auf der Schiene verlässlich durchgeführt werden können. Dafür gilt es, die Vegetation im direkten und weiteren Umfeld der Gleise im Blick zu behalten und bei Bedarf tätig zu werden. Das Konzept des Vegetationsrückschnitts folgt guter forstwirtschaftlicher Praxis. Belange des Natur- und Umweltschutzes werden umfassend berücksichtigt.

Bereits seit 2007 arbeitet die Bahn an der Umsetzung eines Präventionsprogramms entlang ihrer Anlagen. Neben dem Freihalten des Gleises selbst wird hierbei eine Rückschnittzone mindestens sechs Meter rechts und links der Gleise ganzjährig von Bewuchs frei gehalten.  Dieser bodennahe Rückschnitt im U-Profil erfolgt einmal im Jahr sowie bedarfsorientiert. Pro Jahr investiert die Bahn hierfür mehr als 100 Millionen Euro.

Für die Inspektion sind ab 2018 noch mehr Fahrwegpfleger und Förster im Einsatz. Ihre Aufgabe ist es, in der Stabilisierungszone (außerhalb des 6-Meter-Raums) Bäume und weitere Pflanzen zu identifizieren, die durch Standort, Zustand oder Form eine mögliche Störungsquelle darstellen könnten. Der Baumbestand wird dabei durch die Fachleute eingehend inspiziert, digital katalogisiert und ausgewertet. Diese Daten bilden die Grundlage für die nachfolgende zielgerichtete Vegetationsentwicklung entlang der Bahngleise.

Mit der nachhaltigen Durchforstung wird ein robuster Vegetationsbestand an Schienen und Anlagen gefördert und entwickelt. Sturmanfällige Baumarten und -formen werden entfernt; stabile, standortgerechte Bäume und Sträucher unterstützt. Durch diese Maßnahmen werden die Waldbestände sturmsicherer. Bei allen Maßnahmen ist die DB auch auf die Unterstützung und Mitarbeit  von Waldbesitzern, Behörden und Verbänden angewiesen. 

2016 reagierte die Bahn im Rahmen des Qualitätsprogramms Zukunft Bahn auf Streckensperrungen durch unwetterbedingt umgestürzte Bäume mit einem erweiterten Vegetationsprogramm an besonders neuralgischen Stellen im Netz. An diesen so genannten Hot Spots werden unter Beachtung des Natur- und Artenschutzes Bäume auch außerhalb des 6-Meter-Bereichs im V-Schnitt gefällt. Für das zunächst auf zwei Jahre ausgelegte Programm standen insgesamt rund 16 Millionen Euro zur Verfügung. 2018 wird es ausgeweitet fortgesetzt.

Bildergalerie Vegetationspflege

Steven Terrell

Mit umfassender Inspektion und gezielter Durchforstung will die Bahn den Waldbestand entlang der Schienen nachhaltig robuster machen und so den Einfluss von extremen Wetterlagen auf den Zugverkehr deutlich minimieren. Wie muss man sich das  konkret vorstellen?

Bei der Inspektion nehmen wir einmal jährlich – abwechselnd im belaubten und unbelaubten Zustand – die Vegetationsbestände in der Stabilisierungszone in Augenschein. Diese Aufgabe übernehmen fachkundige Mitarbeiter vom Boden aus. Bäume und sonstige Vegetation wie Sträucher, Kletterpflanzen oder Stauden werden dabei von allen Seiten begutachtet. Dabei spielen Krone, Stamm, Wurzelbereich oder Umfeld des jeweiligen Baumes eine wichtige Rolle, um die Stand- oder Bruchsicherheit zu beurteilen. Alle Inspektionsergebnisse werden digital dokumentiert und die Baumbestände katalogisiert.

Auf Basis dieser Datenlage führen wir dann in der Stabilisierungszone eine aus Naturschutz-Sicht verträgliche Durchforstung des Waldbestandes durch. Das bedeutet, dass wir  entlang der Bahnanlagen stabile Pflanzenbestände, resistente Bestandsstrukturen und standsichere Einzelbäume erziehen wollen. Dieses waldbauliche Ziel erreichen wird durch die Entnahme ungünstiger – also instabiler oder von Form und Größe riskanter – Bäume. Der Konkurrenzdruck nach Wasser, Nährstoffen und Licht wird so gesteuert, die robusten Bäume werden gefördert.

Eine nachhaltige Sturmsicherung werden wir neben dem laufenden Präventionsprogramm durch ein Zusammenspiel von Inspektion, Durchforstung und Hot Spot-Programm – zusammengefasst im Aktionsplan Vegetation – erreichen.


Welche Vegetationsformen sind denn besonders kritisch und wenig sturmsicher?

Vor allem nicht standortgerechte Baumarten, z.B. Fichten auf staunassen Böden, oder nicht durchforsteter Hochwald haben Sturm wenig entgegenzusetzen. Zusätzlich neigt  Jungwuchs insbesondere aus  Weichlaubhölzern dazu, sich bei Belastung, zum Beispiel durch Nassschnee, stärker als andere Baumarten in Richtung Gleise zu neigen. Sie brechen relativ schnell oder können herabstürzen. Daher entfernen wir sie aus dem Bestand. Das Gleiche tun wir bei Bäumen mit instabilem Verhältnis zwischen Höhe und Durchmesser oder bei Wuchsformen, die stark geneigt sind oder eine nicht gut greifende Verwurzelung haben. Zu guter Letzt schauen wir uns genau an, ob Bäume auf einem stabilen Untergrund stehen und entscheiden dann darüber, ob wir sie an Ort und Stelle belassen können.

Werden alle Strecken der Bahn derart aufwändig inspiziert und durchforstet?

Ja, das werden sie. Die erweiterte Inspektion läuft ab März 2018 an. Ab Oktober 2018 startet dann die Durchforstungsinitiative. Aufgrund der Masse an zu begutachtenden Bäumen und Flächen werden wir sukzessive vorgehen. Im ersten Jahr beginnen wir zunächst mit den Hauptverkehrstrassen.


Forstexperten verstärken Einsatz vor Ort

Schon heute arbeiten rund 1.000 Mitarbeiter daran, das deutsche Streckennetz möglichst unwetterfest zu machen. Für die Inspektion sind ab 2018 nochmal bis zu einhundertfünfzig neue Fahrwegpfleger und Förster im Einsatz. Zusätzlich wird ein neues Expertenteam ins Leben gerufen, das sich mit Naturgefahren und deren Auswirkungen auf den Zugverkehr auseinander setzt.


Vegetationspflege im Einklang mit Jahreszyklus von Flora und Fauna

Der Rückschnitt von Vegetation entlang der Bahngleise steht im Einklang mit den gesetzlichen Vorgaben aus der Lärmverordnung sowie dem Natur- und Artenschutz. Es besteht ein allgemeines Schnittverbot in den Monaten März bis September. Hauptgrund dafür ist die Brut- und Setzzeit von Vögeln und Säugetieren.      

Infografik Vegetation Jahreszyklus

Helikopter im Einsatz: Rückschnitt mit fliegender Säge

Spektakulär geht es zu, wenn die Bahn für den Rückschnitt entlang ihrer Strecken Helikopter einsetzt. Entweder bestückt mit einer meterlangen Säge oder mit einem Greifer sind die Hubschrauber von Spezialfirmen eindrucksvoll immer häufiger vor Ort aktiv.
 

Bildergalerie spektakulärer Helikoptereinsatz

Dabei können in kurzer Zeit Bäume und Sträucher, die zu weit in den Gleisbereich ragen, zurückgeschnitten werden. Ergänzend kappen Baumkletterer die Kronen oder auch komplette Bäume, die dann ebenfalls mit Hilfe des Helikopters aus dem Wald geflogen werden.  

Naturgewalten – Stürme – extreme Unwetter: Die Deutsche Bahn setzt alle Hebel in Bewegung, die Schiene sturmsicherer zu machen. Damit die Fahrgäste bei Wind und Wetter verlässlich ihr Ziel erreichen.