Deutsche Bahn
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13.02.2017 Düsseldorf

Elektronische Stellwerke: Deutsche Bahn modernisiert ihre Stellwerkstechnik

Moderne Stellwerkstechnik macht die Infrastruktur der Deutschen Bahn AG fit für die Zukunft

Die Deutsche Bahn AG macht ihre Infrastruktur fit für die Zukunft. Insbesondere durch den Bau moderner elektronischer Stellwerke (ESTW) wird die Wirtschaftlichkeit der Betriebsführung deutlich verbessert. Das vorhandene Schienennetz wird saniert und optimiert und die Leistung und Effizienz durch digitale Leit- und Sicherungstechnik gesteigert.

In der Frühzeit der Eisenbahn wurden die Signale und Weichen zunächst örtlich gestellt. Mit zunehmender Dichte des Streckennetzes und des Zugverkehrs wurde es jedoch schon bald notwendig, die Bedieneinrichtungen für Weichen und Signale in Zentralapparaten, wie die Stelleinrichtungen vor 100 Jahren genannt wurden, zusammenzufassen. Aus den Zentralapparaten wurden dann Stellwerke.

In Abhängigkeit von der technischen Entwicklung sind im Laufe der Zeit verschiedene Stellwerksbauformen entstanden. Bereits 1856 erfindet der Engländer Saxby eine mechanische Abhängigkeit zwischen Weichen und Signalen. Damit wird verhindert, dass ein Signal bei falscher Weichenlage auf Fahrt gestellt werden kann. Ab 1860 bauten die Engländer Saxby und Farmer die ersten mechanischen Stellwerke dieser Bauart, die auch in Deutschland hergestellt wurden. An diesem ersten mechanischen Stellwerk wurden in den Folgejahren zahlreiche Um- und Neukonstruktionen vorgenommen, bis die Entwicklung schließlich 1911 im mechanischen Einheitsstellwerk ihren Abschluss fand. Der 1. Weltkrieg verzögerte jedoch die offizielle Einführung der Einheitsbauform bis 1928.

Die Umstellung der Weichen und Signale erfolgt beim mechanischen Stellwerk durch einen Doppeldrahtzug. Die maximale Stellentfernung beträgt bei Weichen 400 Meter (Spezialfälle bis 800 Meter), bei Signalen 1800 Meter.

Um die Menschen von der zum Teil schweren körperlichen Arbeit beim Stellen der Weichen und Signale zu entlasten und um die Bedienvorgänge zu beschleunigen, wurden elektromechanische Stellwerke entwickelt. Das Einreihenstellwerk in der Bauform von 1912 bewährte sich in der Praxis am besten. Es wurde daher im Jahre 1943 mit einigen geringfügigen Verbesserungen unter der Bauform E 43 zum Einheitsstellwerk erklärt.

Weichen und Signale werden im elektromechanischen Stellwerk durch 136 Volt Gleichstrom aus einer ständig vom Netz gepufferten Batterie gestellt.

Nach dem zweiten Weltkrieg setzten sich dann immer mehr Gleisbildstellwerke als vollelektrische Relaisstellwerke durch. Vorläufer dieser Stellwerksgeneration waren so genannte Fahrschautafeln, Tischhebelwerke und das Patronenstellwerk. In den 20er Jahren wurde damit begonnen, Stellbereiche über die elektromechanischen Hebelwerke wirklichkeitsnah wiederzugeben. Später wurden Bedienungselemente integriert. Daraus entwickelte sich das Tischhebelwerk. Die Einweisungszeiten der Bediener konnten bei dieser Stellwerksform verkürzt werden, da die Lage der Fahrwegelemente aus dem Gleisbild hervorging. 1937 wurde das erste Patronenstellwerk mit auswechselbaren Bauteilen dem Betrieb übergeben. 1944 entstand das erste Gleisbildstellwerk in Birkenwerder bei Berlin als Versuchsausführung. Am 12.10.1948 wurde nach einer Montagezeit von nur 8 Wochen in Düsseldorf-Derendorf das erste Drucktasten-Stellwerk der Bauform VES in Betrieb genommen. Bis heute ist das Signalrelais noch das vorherrschende Bauelement in der Stellwerkstechnik.

Fotostrecke: Elektronische Stellwerke (Symbolfotos)

Dass man moderne elektronische Bauteile in der Stellwerkstechnik zunächst nicht einsetzen konnte, lag an den Schwierigkeiten beim Nachweis der signaltechnischen Sicherheit komplexer elektronischer Schaltungen und an den in der Vergangenheit höheren Kosten elektronischer Lösungsvorschläge. Die anfänglichen Probleme mit elektronischen Bauelementen in der Stellwerkstechnik sind inzwischen längst behoben. Heute spielen moderne Elektronische Stellwerke für die Deutsche Bahn AG eine wachsende Rolle. Das erste Elektronische Stellwerk wurde am 1.4.1988 in Murnau in Betrieb genommen. In NRW wurden 1989 die ersten Prototypen eines Elektronischen Stellwerks in Overath und Detmold dem Betrieb übergeben.

Elektronische Stellwerke garantieren einen hohen Qualitätsstandard und große Leistungsfähigkeit. Anstelle von Bedienungshebeln und –knöpfen sind jetzt der Bedienstift, die Maus oder die Rollkugel das Arbeitsgerät des Fahrdienstleiters. Mit Hilfe dieser Arbeitsgeräte kann er sein Stellwerk einfach, schnell und sicher steuern. Zwecks genauer Kontrolle erscheinen alle über die Tastatur eingegebenen Zeichen auf einem Kommunikationsanzeigemonitor. Über Bereichsübersichtsmonitore erhält der Fahrdienstleiter Informationen über den aktuellen Betriebszustand. Für sicherheitsrelevante Bedienhandlungen, für die er weitere Detailinformationen benötigt, steht ihm ein Lupenbildmonitor zur Verfügung. 

Stellwerksarten im Vergleich

Nachfolgend haben wir bereits in Betrieb und in Realisierung befindliche ESTW aufgeführt. Auch in den nächsten Jahren wird die Modernisierung der Stellwerkstechnik in NRW fortgesetzt. Weitere elektronische Stellwerke sind in Planung.

Die vollständige Tabelle mit detaillierteren Informationen finden Sie in der PDF-Version des Themendienstes

ESTWJahrStreckenbereiche

Overath

1989

 

Essen-Kupferdreh

1991

Essen-Kupferdreh

Hagen Hbf
1. Baustufe


1995


Hagen Hbf

Oerlinghausen
1. Baustufe


1996


Bielefeld–Lage

Köln-Deutz
1. Baustufe


1997


Köln Hbf–Köln-Deutz

Dülmen

1998

Abzweig Lippe–Haltern–Sythen–Dülmen–Appelhülsen

Hagen Hbf
2. Baustufe


1998


Ennepetal

Gremberg Gsf

1999

Gremberg

Krefeld 
1. Baustufe


2001


Anrath, Forsthaus, Krefeld Hbf, Krefeld-Oppum, Abzw. Lohbruch, Krefeld-Linn, Krefeld-Uerdingen, Abzw. Mühlenberg

Horrem

2001
2003

Lövenich–Horrem–Dorsfeld–Düren
Auf ESTW Köln-Ehrenfeld umgeschaltet

Troisdorf 
1. Baustufe


2001


Troisdorf, Siegburg

Rheine

2001

Rheine, Bentlage, Mesum, Esch

Finnentrop
1. Baustufe


2002


Rönkhausen–Finnentrop–Grevenbrück
Finnentrop–Attendorn–Olpe

Düren


2002


Düren -Langerwehe

Köln-Deutz
2. Baustufe


2003


Porz-Heumar, Rösrath, Hoffnungsthal, Honrath, Overath, Engelskirchen, Ründeroth, Dieringhausen, Gummersbach

Troisdorf
2. Baustufe


2003


Flughafenanbindung Südbereich

Köln-Ehrenfeld
1. Baustufe
2. Baustufe
3. Baustufe

 
1999
2001
2007

 
Köln-Ehrenfeld, Lövenich
Horrem, Dorsfeld, Buir
Quadrath-Ichendorf, Bergheim, Glesch, Bedburg, Pulheim, Stommeln, Rommerskirchen

Hagen
3. Baustufe


2003


Westhofen

Bochum Nord
1. Baustufe


2004


Bochum-Riemke – Bochum Nord,
Bochum-Präsident – Bochum Nord

Krefeld
2. Baustufe


2005


Dülken, Boisheim, Breyell, Kaldenkirchen

Grevenbroich
1. Baustufe


2006


Gustorf, Kapellen-Wevelinghoven, Erftwerk, Grevenbroich, Jüchen, Hochneukirch, Holzheim

Dortmund Bbf
1. Baustufe
2. Baustufe


2006
2008

Weichenwärterbereiche

Oberhausen-Osterfeld Süd, Nordstrecke
1. Baustufe


2006


Oberhausen-Osterfeld Süd

Duisburg-Wedau

2006

Duisburg-Hochfeld Süd Hafenbahnhof–Duisburg-Wanheim–Anschlussstelle Mannesmann
Duisburg-Hochfeld Süd Hafenbahnhof–Duisburg-Hochfeld Süd Vorbahnhof–Duisburg-Wedau
Duisburg-Wedau–Lintorf–Tiefenbroich
Tiefenbroich–Flandersbach–Wülfrath

Finnentrop
Südast


2006


Welschen-Ennest

 

Nordstrecke
2. Baustufe


2007


Essen-Borbeck
Bottrop Hbf–Gladbeck West–Gelsenkirchen-Buer Nord–Westerholt
Gelsenkirchen-Buer Nord

Hagen Hbf
4. Baustufe


2007


Schwerte, Heide, Holzwickede

Grevenbroich
2. Baustufe


2007


Übach-Palenberg, Geilenkirchen, Lindern, Brachelen, Hückelhoven-Baal, Erkelenz, Herrath, Wickrath, Rheydt, Rheydt-Odenkirchen

Düren

2007

Erweiterung um ESTW-A  Aachen

Aachen

2007

Aachen Hbf, Aachen Rothe Erde, Aachen Süd

Bochum Nord
2. Baustufe


2008


Bochum Hbf–Bochum-Langendreer

Coesfeld
1. Baustufe


2008


Münster–Gronau

Münster – Rheda-Wiedenbrück

2009

Münster–Rheda-Wiedenbrück

Blankenheim

2010

Nettersheim–Blankenheim-Schmidtheim

Euskirchen
1. Baustufe


2011


(Bonn) – (Euskirchen)

Gremberg

2011

Gremberg

Coesfeld
2. Baustufe


2011


Coesfeld–Gronau 
Coesfeld–Lutum

Rechte Rheinstrecke
Baustufe 2a


2011


Niederdollendorf, Königswinter, Rhöndorf

Gremberg

2011

Gremberg

Coesfeld
3. Baustufe


2012


Lutum–Mecklenbeck

Emmerich

2012

Wesel–Emmerich
Wesel–Oberhausen

Nordstrecke
3. Baustufe


2012


Datteln–Lünen-Süd Bergkamen–Pelkum
Recklinghausen-Ost

Haller Willem

2012

Brackwede – Halle (Westf.)

Solingen
1. Baustufe


2012


Lev.-Schlebusch–Opladen–Leichlingen–Solingen Hbf 
Lev.-Morsbroich–Opladen

Köln Betriebsbahnhof

2014

Köln Betriebsbahnhof

Duisburg Hbf
1. Baustufe

2014

Duisburg Hbf

Rechte Rheinstrecke
Baustufe 2a2


2014


Bad Honnef

Euskirchen
2. Baustufe

2014

Euskirchen Bahnhof

Sennebahn

2015

Brackwede–Paderborn

Finnentrop
4. Baustufe


2015


Kreuztal

Euskirchen
2. Baustufe


2016


Hürth-Kalscheuren, Erftstadt, Weilerswist, Derkum, Euskirchen

Kalthof

2016

Iserlohn-Schwerte

Brügge
(inkl. ESTW Rummenohl)

2016

Hagen-Dieringhausen

Detmold

2016

Herford- Himmighausen


Die vollständige Tabelle mit detaillierteren Informationen finden Sie in der PDF-Version des Themendienstes

ESTWJahrStreckenbereiche

Oberhausen West
1. Baustufe

2017Oberhausen West
Walsum/Spellen2017Oberhausen-Buschhausen, Duisburg-Hamborn, Duisburg Walsum, Möllen, Spellen
Erndtebrück2017Erndtebrück
Zulaufstrecke Dortmund I07/2017Castrop-Rauxel Hbf, Dortmund-Mengede, Dortmund-Obereving, Abzweig Dortmund-Rahm, Abzweig Hansa, Abzweig Deusen
Wuppertal
1. Baustufe

2017

Gruiten, Wuppertal-Vohwinkel, Wuppertal-Elberfeld (Hauptbahnhof)