Artikel: Autonome Shuttle: Behörden, Industrie und ÖPNV-Branche wollen Genehmigung beschleunigen
Noch sind autonome Fahrzeuge ohne Sicherheitspersonal Zukunftsmusik auf Deutschlands Straßen – aber nicht mehr lange. Ein deutschlandweites Partnerkonsortium aus Verkehrsunternehmen, Technologieanbietern und Behörden entwickelt gemeinsam Grundlagen, um eine Betriebsbereichsgenehmigung schnell und effizient auf den Weg zu bringen, sobald die ersten Fahrzeuge auf den Markt kommen. Ziel ist es, Voraussetzungen zu schaffen, eine Betriebsbereichsgenehmigung für autonome Fahrzeuge innerhalb von rund drei Monaten zu erreichen. So kann die „time to market“ für fahrerlose Angebote im öffentlichen Verkehr geringgehalten werden.
Die Ergebnisse sollen direkt in künftige Genehmigungsverfahren in Hessen und Bayern einfließen und den Weg für komfortable und verlässliche Shuttle-Angebote ebnen. Ziel ist es, dass Fahrgäste autonome Shuttles möglichst früh im Alltag erleben – nicht als Technologieexperiment, sondern als verlässliches Angebot im öffentlichen Verkehr. Dafür müssen die Genehmigungsprozesse transparent, sicher und gleichzeitig effizient sein. Das gemeinsame Projekt ist ein wichtiger Schritt, um einen einheitlichen Weg zu finden und damit den Übergang vom Pilotbetrieb in den Regelbetrieb deutlich zu beschleunigen.
Im Mittelpunkt des Vorhabens steht der Einsatz autonomer Fahrzeuge, die künftig ohne Sicherheitsfahrer im Fahrzeug verkehren können. Für Fahrgäste bedeutet dies perspektivisch neue, flexible Mobilitätsangebote insbesondere auf kürzeren Strecken, mit dichteren Takten und besserer Anbindung zwischen Stadtteilen und Regionen. Je einheitlicher und digitaler Genehmigungsprozesse ablaufen, desto zuverlässiger können Verkehrsunternehmen und -verbünde neue autonome Verkehre planen.
Der Weg zum fahrerlosen Betrieb führt über zwei Genehmigungsstufen. Die erste ist die Typgenehmigung des Fahrzeugs, die bislang niemand für ein autonomes Fahrzeug vollständig durchlaufen hat. Mit dem Projekt bereitet das Konsortium die zweite entscheidende Stufe vor: die Betriebsbereichsgenehmigung durch die zuständigen Landesbehörden. Diese Genehmigung definiert unter anderem, auf welchem Straßennetz ein Fahrzeug aufgrund der Fähigkeiten seines Selbstfahrsystems fahrerlos eingesetzt werden darf – etwa in einer Stadt oder einem Landkreis. Die Partner arbeiten dafür gemeinsame Grundlagen aus, damit Betriebsunternehmen und Landesbehörden Planungssicherheit haben und Aufwand, Kosten und Dauer der Verfahren sinken. Ein wesentlicher Aufwandstreiber ist bislang der Abgleich zwischen den Fähigkeiten eines autonomen Fahrzeugs, der sogenannten Operational Design Domain (ODD) und dem konkreten Betriebsbereich. Genehmigungsbehörden müssen prüfen, ob der definierte Einsatzrahmen – von Straßenbreiten über Kurvenradien bis zur Fahrbahnoberfläche – mit der Realität im vorgesehenen Gebiet übereinstimmt. Künftige Betriebsbereiche können mehrere Tausend Streckenkilometer umfassen. Ziel des Projekts ist es daher, diesen Abgleich zu automatisieren und damit gleichzeitig präziser und schneller zu machen.
Konkret umfasst das Vorhaben vier Arbeitsschritte: Erstens wird die Beschreibung der Fahrzeugfähigkeiten für eine Typgenehmigung am Beispiel des HOLON urban vereinheitlicht. Zweitens werden zwei Betriebsbereiche – einer in Hessen und ein weiterer in Bayern – detailliert beschrieben. Drittens erfolgt ein automatisierter Abgleich des gewünschten Betriebsbereichs mit den Fähigkeiten des Fahrzeugs auf Basis realer Straßeninfrastrukturdaten. Viertens wird ein vollständiger Genehmigungsdurchlauf inklusive Prüfung durch einen Technischen Dienst bis hin zum behördlichen Bescheid exemplarisch durchgespielt und dokumentiert. Ein rechtsverbindlicher Bescheid ist damit nicht verbunden.
Das Projekt startet im Oktober 2026 und läuft bis zum Sommer 2027. In diesem Zeitraum sollen neben den technischen Beschreibungen auch Genehmigungsformulare, Abläufe und formale Anforderungen an die eingereichten Unterlagen erarbeitet werden. Verkehrsunternehmen erhalten damit künftig klare Leitplanken, welche Informationen in welcher Struktur notwendig sind. Für die Fahrzeugseite ist die Wiederholbarkeit des Verfahrens der entscheidende Punkt. Erst wenn ein einmal beschriebenes Fahrzeug in verschiedenen Regionen nach demselben Verfahren genehmigt werden kann, entsteht die Planbarkeit, die Serienfertigung und ein Hochlauf in der Fläche voraussetzen. Für Fahrgäste ist dies die Voraussetzung dafür, dass neue autonome Angebote nicht an langwierigen Verfahren scheitern, sondern zügig eingeführt und bei Bedarf angepasst werden können.
Zum Partnerkonsortium gehören neben der DB Regio AG der Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV), der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV), das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), die Landesbaudirektion Bayern, Hessen Mobil – Straßen- und Verkehrsmanagement, DEKRA, die Unternehmen HOLON und Mobileye, der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV), UnternehmerTUM mit MCube Consulting sowie die RÖDL Beratungsgesellschaft.