advanced TrainLab: das schnellste Labor auf Schienen

Stage

advanced TrainLab: das schnellste Labor auf Schienen

Neue Technologien direkt im Zug erproben

Erkennbar ist der neue Versuchszug der DB, das "advanced TrainLab", am silbernen und nicht wie sonst roten Streifen an der Außenseite. Ansonsten ist der Zug von außen nicht von anderen ICE zu unterscheiden. Das ändert sich, sobald sich die Türen öffnen, denn erstmals dient ein Zug ausschließlich als fahrendes Labor. Die DB bietet mit dem Versuchszug der gesamten Branche erstmalig die Möglichkeit, Zukunftstechnologien unabhängig vom normalen Bahnbetrieb zu erproben.   

Bei dem Testzug handelt es sich um einen ICE-TD der Baureihe 605. Der diesel-elektrische Antrieb ermöglicht Einsätze im gesamten Streckennetz der DB unabhängig von der Stromzuführung über Oberleitungen. Die Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h erlaubt eine breite Palette an Versuchen unter rollendem Rad. Der 107 Meter lange Zug mit einer Achslast von 15 Tonnen besteht aus zwei Mittel- und zwei Endwagen. Damit steht ein großzügiger Innenraum mit ausreichend Platz für Instrumente und Versuchsanordnungen zur Verfügung.

In den kommenden Monaten sind mit dem advanced TrainLab Erprobungen im Bereich Sensorik für Objekt- und Hinderniserkennung geplant, ebenso für die Signal- und Umfelderkennung. Auch Versuche zur Positionsbestimmung von Zügen in Echtzeit sind vorgesehen. Weiterhin sind Tests für den Datenaustausch zwischen Zug, Auto und Infrastruktur zum Beispiel an Bahnübergängen sowie der Einsatz umweltneutraler Kraftstoffe für Schienenfahrzeuge mit Dieselantrieb angedacht.

Hindernisse im Gleis rechtzeitig und zuverlässig erkennen

Aufsehen erregte das advanced TrainLab, als es im März 2019 das planmäßig nicht mehr befahrene Gleis zwischen Berlin-Wannsee und Berlin-Lichterfelde West befuhr.

Gemeinsam mit Siemens Mobility wird seit Anfang 2019 das „Advanced Driver Assistance System“ (ADAS) im Rahmen des Siemens-Programmes „Driverless and unattended driving for mainline” getestet. Untersucht wird etwa, wie die Sensoren optimal in das Fahrzeug integriert werden können, oder die Funktion bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen.

Hinderniserkennung mit ADAS

Das System besteht aus einer Kamera für den Wellenlängenbereich des sichtbaren Lichts, einem Radar-Sensor sowie einem Lidar-System. ADAS kann das Auffahren auf Prellböcke oder Hindernisse im Gleis verhindern und soll perspektivisch das teilautomatisierte Fahren zum Ab- und Bereitstellen von Zügen möglich machen.

Das  Video zeigt die Annäherung des Laborzuges an einen Prellbock mit der auf der Kupplung montierten Versuchsanordnung:

5G-Testfeld: Bahnschnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt

Bereits Anfang des Jahres wurden mit dem Versuchszug Tests zur Stabilität des 5G-Netzes auf dem 5G-Testfeld der Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt durchgeführt. Im Zug sind drei Mobilfunkantennen eingebaut, die das neue 5G-Netz empfangen können und im Rahmen der Initiative „5G-Connected Mobility“ erprobt werden. Mit dem 5G-Netz sollen Daten hundert Mal schneller als über den aktuellen Standard durch das Netz geleitet werden. Reisende profitieren davon durch unterbrechungsfreies mobiles Surfen sowie indirekt über Angebotsverbesserungen, die sich aus der Digitalisierung des Bahnbetriebs und der damit verbundenen Kapazitätssteigerung ergeben.

Im neuen Glanz: Erprobung mit sechs Lacksystemen

Das advanced TrainLab wurde im Zuge einer Erprobung für Oberflächenbeschichtungen rund um neu lackiert.

Das advanced TrainLab wurde im Zuge einer Erprobung für Oberflächenbeschichtungen rund um neu lackiert. Das Besondere ist, dass jeder Wagen mit anderen Lacksystemen beschichtet wurde. Beteiligt waren die Firmen wefa, FreiLacke, Mankiewicz, Akzo Nobel und KABE. Umgesetzt wurde die Lackierung bei der Firma MSG Ammendorf. Erstmalig im Schienenfahrzeugbereich wurden für die Seitenklappen des Zuges Pulverlacke eingesetzt. Diese zeichnen sich durch eine hohe Widerstandsfähigkeit gegen Stöße und Kratzer aus und sind bei der Verarbeitung besonderes schonend für die Umwelt, da sie ohne schädliche Lösemittel auskommen. Allen Lacken gemein ist die versprochene Beständigkeit gegen Reinigungs- und insbesondere gegen aggressive Grafitti-Lösemittel. Außerdem können bei einigen Lacken Fertigungszeiten reduziert werden. Der Langzeitversuch wird durch einen Fachbereich der DB Systemtechnik bis 2023 begleitet. In dieser Zeit werden an definierten Messpunkten am Fahrzeug die Glanzgrad- und Farbtonänderung gemessen, dokumentiert und allen Beteiligten zur Verfügung gestellt.

Alternative Kraftstoffe für mehr Nachhaltigkeit

Das advanced TrainLab fährt aktuell regenerativen Test-Kraftstoff, ohne dass Anpassungen am Fahrzeug oder der Tankinfrastruktur nötig sind. Der Test-Kraftstoff, der sogenannte R33-Blue Diesel, besteht zu 33 Prozent aus umgewandelten biologischen Rest- und Abfallstoffen, wie Altspeiseölen. Moderne chemische Verfahren bringen die Abfallprodukte in den Tank: Diese werden gefiltert, gereinigt und zu einem hochwertigen synthetischen Kraftstoff verarbeitet. In der Testphase wird eine detaillierte Umweltbilanz erstellt, bei der der gesamte Energiebedarf ab der Erzeugung berücksichtigt wird. Erste Ergebnisse werden 2020 vorliegen.

Zudem erprobt die DB im Werk Bremen verschiedene, bis zu 100 Prozent regenerative, Kraftstoffe auf einem Motorenprüfstand. Ab 2020 werden diese Kraftstoffe erstmals auch im Versuchszug unter rollendem Rad getestet.

Ein Drittel des Test-Kraftstoffs besteht aus hydriertem Pflanzenöl und einer Fettsäure-Methanol-Verbindung.