Künstliche Intelligenz bei der DB

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Künstliche Intelligenz bei der DB

Züge, Weichen und Rolltreppen mit Hirn

Die Bundesregierung hat gerade ein KI-Expertengremium ins Leben gerufen, lernende Algorithmen erzielen hohe Gewinne an der Börse und schwäbische Werkshallen werden smart. Künstliche Intelligenz ist auf dem Vormarsch. Insbesondere Verfahren, die auf Datenanalysen basieren, erobern bereits Banken und die Medizin – von Hause aus datengetriebene Bereiche. Jetzt dringen sie auch in klassische Industriebereiche wie Produktion oder Logistik vor.

Gerade für die Mobilitätsbranche bietet KI enorme Chancen. Die zentralen Wünsche der Menschen auf ihren täglichen Wegen von A nach B sind Planbarkeit und Zuverlässigkeit. Gleiches gilt für Industriekunden. Künstliche Intelligenz ist wahrscheinlich der größte Hebel für mehr Qualität und Kapazität im Bahnbetrieb, für mehr Service an der Kundenschnittstelle und für das Gesamtsystem Mobilität, das mithilfe von künstlicher Intelligenz eine nie dagewesene Flexibilität erreicht.

Künstliche Intelligenz ist mehr als die Automatisierung von Prozessen. „Echte“ künstliche Intelligenz meint Systeme, die selbstständig lernen, sich weiterentwickeln und eigene Lösungen hervorbringen. In der jüngeren Vergangenheit machen vor allem die Entwicklung künstlicher neuronaler Netze und Machine bzw. Deep Learning von sich reden. Auch bei der DB ist der Einsatz „echter“ KI keine ferne Zukunftsvision, sondern wird bereits erprobt. Drei Beispiele sind die Lösungen SEMMIAIM und Vsion.ai, die von Mitarbeitern der DB entwickelt wurden.

SEMMI

SEMMI (kurz für Sozio-Emphatische Mensch-Maschine-Interaktion) ist ein KI-basiertes Sprachdialogsystem, das als digitaler Avatar, Chatbot oder auch als Roboter bereits im Kundenservice eingesetzt werden kann. Als smarte Roboterdame unterstützte SEMMI 2019 testweise im Reisezentrum des Berliner Hauptbahnhofs und auch am Frankfurter Flughafen das Servicepersonal.

Ihr Wissen hat SEMMI von DB-Entwicklern, die den Roboterkopf fit für die Fragen der Reisenden gemacht haben. Auch in Japan wurde der von der DB entwickelte Service bereits im Bahnhof Tokyo gemeinsam mit der japanischen Bahn JR East getestet. Mehr Informationen gibt es hier.

AIM – "Das Ohr an der Rolltreppe"


 Derzeit wird AIM an rund einem Dutzend Rolltreppen erprobt, etwa in Hamburg.

AIM, kurz für Acoustic Infrastructure Monitoring, ist eine selbstlernende Störungsfrüherkennung für mechanische Anlagen, zum Beispiel Rolltreppen. Über akustische Sensoren hört AIM, wenn etwas unregelmäßig läuft und meldet die Abweichung bevor eine Störung eintritt. Auf diese Weise ermöglicht die Lösung die vorausschauende Instandhaltung der Rolltreppen. Zu einem Ausfall kommt es nicht. Barrierefreiheit und Komfort im Bahnhof sind gewährleistet. In Hamburg wird die Lösung in einem ersten größeren Test an mehr als 50 Rolltreppen erprobt. 

Die Idee zu AIM entstand in Gesprächen mit erfahrenen Servicetechnikern der DB, die es der Rolltreppe anhören, ob etwas nicht stimmt. Viele dieser Kollegen stehen kurz vor der Rente. AIM hat das Ziel, ihr Wissen technologisch zu bewahren, damit es nicht verloren geht. Die erfahrenen Kollegen unterstützen dabei, die Künstliche Intelligenz in AIM zu trainieren und schlauer zu machen. 

Vsion.ai – aus Bildern schlau werden 

Mit der Bilderkennung von vsion.ai können Schäden am Pantographen schneller erkannt werden.

Die Lösung Vsion.ai analysiert und bewertet dank Künstlicher Intelligenz automatisiert Bilder und Videos, etwa von Bahnsteigen, und liefert so die nötigen Informationen für alltägliche Entscheidungen, etwa ob eine Schneeräumung am Bahnsteig beauftragt werden muss oder nicht. In einem ersten Praxistest an ausgewählten Bahnhöfen sind die selbst trainierten Algorithmen bereits erfolgreich als intelligente Wetterstationen im Einsatz. Inzwischen sind schon 22 Bahnhöfe ausgerüstet. Vor allem an kleineren Bahnhöfen in ländlichen Gebieten haben sich die intelligenten Wetterstationen bewährt, da dort keine Mitarbeiter vor Ort und die Anfahrtswege weit sind. 

Vsion.ai ist vielseitig einsetzbar und liefert auch zuverlässige und exakte Informationen über den Zustand von Fahrzeugen und Bahnanlagen und entdeckt etwa Graffiti.