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Frankfurt am Main

Update Wiederaufbau nach der Flut: Neue Website informiert über Baumaßnahmen und Fortschritt an den Strecken

Arbeiten an Erfttal- und Volmetalbahn planmäßig im August gestartet • Untersuchung möglicher Varianten für Wiederaufbau der Volmebrücke läuft • Rückbauarbeiten auf der Eifelstrecke zwischen Kall und Nettersheim begonnen

Wer sich über den konkreten Stand des Wiederaufbaus der von der Flut beschädigten Bahnstrecken informieren möchte, wird ab sofort auf der neuen Website der Deutschen Bahn (DB) fündig. Neben Einblicken der Projektteams in ihre Arbeit an Ahr, Kyll und Eifel bietet die Website regelmäßige Updates, Fotos und Berichte zu den Baumaßnahmen.

Der Stand des Wiederaufbaus im Überblick:

Volmetalbahn

Auf dem stark beschädigten Streckenabschnitt zwischen Rummenohl und Brügge haben Anfang August 2022 die Bauarbeiten für zwei neue Stützwände begonnen. Während der Flutkatastrophe haben zwei gravierende Böschungsrutsche unterhalb der Bahnstrecke schwere Schäden an der Infrastruktur verursacht: Auf einer Länge von mehreren Hundert Metern haben die Böschungsrutsche große Teile des Gleisunterbaus weggespült – der Bahndamm war nicht mehr stabil. Jetzt baut die DB Stützwände, die den Bahndamm wieder befahrbar machen und für mehr Stabilität bei künftigen Extremwetterereignissen sorgen werden.  

Die Arbeiten zur Stützwand in Höhe des Haltepunkts Schalksmühle laufen auf Hochtouren. Circa 1,5 Kilometer davon entfernt, zwischen den Stationen Dahlerbrück und Schalksmühle, müssen die Bauteams aufgrund eines erhöhten Grund- und Hangwasserspiegels aktuell pausieren. Um die Gründungsarbeiten vor Ort weiterzuführen, hat die DB verschiedene Ansätze für eine alternative Wasserhaltung erarbeitet. Nach gemeinsamer Prüfung mit den Behörden kann die DB die Arbeiten fortsetzen und den neuen Zeitplan für die Inbetriebnahme der Strecke zwischen Rummenohl und Brügge festlegen.

Seit dem Frühjahr 2022 hatten die Expert:innen der DB bereits umfangreiche Vermessungsarbeiten, Baugrunduntersuchungen sowie Rodungen auf diesem Abschnitt durchgeführt. Auch einige kleinere Instandsetzungsarbeiten konnten die Bauteams auf dieser Strecke bereits erledigen, wie z. B. an der Leit- und Sicherungstechnik und Oberbauarbeiten.

Im Bereich des Bahnhofs Rummenohl sind die im Frühjahr begonnenen Arbeiten zur Böschungssanierung nahezu abgeschlossen und sollen im Oktober beendet sein. Bereits seit Dezember 2021 können Reisende jedoch bereits von Hagen Hauptbahnhof bis Rummenohl wieder mit dem Zug fahren. Hier führten die Bauteams im Vorfeld umfangreiche Hangsicherungs- und Böschungsarbeiten aus. Gleichzeitig hat die DB Oberbau und Brücken erneuert.

Im Juli 2022 haben Fachexpert:innen der DB weitere Flutschäden an der Volmebrücke in Brügge entdeckt, die deshalb für den Zugverkehr gesperrt werden musste. Die Wassermassen während der Flut hatten einen sogenannten Strömungsabweiser vor dem Mittelpfeiler beschädigt. Seitdem drückt die Volme direkt auf den Pfeiler und hat seine Tragfähigkeit damit entscheidend geschwächt.

Weil die Schäden mindestens am Mittelpfeiler der Brücke aus dem Jahr 1885 sehr schwerwiegend sind, sind umfassende Untersuchungen und Planungen notwendig, um die Brücke wieder für den Zugverkehr einsatzfähig zu machen. Die Untersuchungsergebnisse sind wichtig, um zu entscheiden, mit welchem Bauverfahren die Brücke schnellstmöglich wieder in Betrieb gehen kann. Die DB untersucht und plant derzeit zeitgleich drei Varianten, um keine Zeit zu verlieren, wenn sich eine Variante als ungeeignet entwickelt. Eine Entscheidung, mit welchem Verfahren die Brücke wieder befahrbar gemacht wird, liegt voraussichtlich Ende des Jahres vor. Dann kann die DB auch einen Zeitplan für die notwendigen Bauarbeiten und die Wiederinbetriebnahme der Brücke nennen.

Eifelstrecke

Seit dem 23. April fahren auf dem nordrhein-westfälischen Teil der Eifelstrecke zwischen Euskirchen und Mechernich wieder Züge. Am 12. Juni kam der Abschnitt von Mechernich bis Kall hinzu. Für die Menschen in der Region verbesserte sich damit zum Sommer-Fahrplanwechsel das Bahnangebot in der Eifel erneut. Im Anschluss an die Inbetriebnahme des rund zehn Kilometer langen Abschnitts erledigen die Bauteams noch einige Restarbeiten. Diese haben jedoch keine Auswirkungen auf den Bahnverkehr, denn sie finden nachts bzw. außerhalb des Gleisbereichs statt.

Schon seit Dezember 2021 arbeiteten die Fachfirmen zwischen Euskirchen und Kall sieben Tage pro Woche im Zwei- und Drei-Schicht-Betrieb, um die ca. 25 Kilometer lange zweigleisige Strecke schnellstmöglich wieder befahrbar zu machen. Die Flut hatte den Bahnhof Kall und den Bereich vor dem Kaller Tunnel in weiten Teilen überspült. Deswegen hat die DB den verschlammten Streckenabschnitt mit einer sogenannten Bettungsreinigungsmaschine aufwändig von Geröll und Ablagerungen befreit. Vor dem Kaller Tunnel waren die Gleise so stark verschmutzt, dass diese mitsamt Untergrund vollständig erneuert werden mussten. Außerdem haben die Fachkräfte Bahnsteige und Bahnübergänge erneuert, schadhafte Schwellen ausgetauscht und Signale sowie die Leit- und Sicherungstechnik instandgesetzt. Um das Gleis wieder in die richtige Lage zu bringen und das Schotterbett zu stabilisieren, hat die DB auf dem gesamten Abschnitt zwischen Mechernich und Kall außerdem Stopfarbeiten durchgeführt.

Der Wiederaufbau des Abschnitts von Kall bis Nettersheim ist bis Ende 2023 geplant. Hier haben im August 2022 die Aufräum- und Rückbauarbeiten als Vorbereitung für den Wiederaufbau begonnen, die bis voraussichtlich Ende des Jahres andauern werden.

Parallel dazu finalisiert die DB die Planung der Wiederaufbaumaßnahmen auf diesem Streckenabschnitt, insbesondere hinsichtlich einer hochwasserresilienten Bauweise. Für den Wiederaufbau packen die Fachkräfte allein neun Kilometer Gleise, zahlreiche Durchlässe und mehrere Brücken an. Eine davon ist die Eisenbahnüberführung Urftfluss bei Sötenich, die komplett neu errichtet werden muss, da die Flut ihre Bögen stark beschädigte. Außerdem baut die DB an vielen Stellen weggespülte Bahndämme wieder auf. Gleichzeitig wird die Stellwerkstechnik komplett erneuert.

In Rheinland-Pfalz können Reisende zwischen Trier-Ehrang und Auw an der Kyll seit Februar ein Mal pro Stunde und Richtung mit dem Zug fahren. Für die Instandsetzung des Streckenabschnitts hat die DB knapp 15 Kilometer Oberbau mit Gleisen, Schwellen und Weichen erneuert und gereinigt. Zudem mussten drei Brücken repariert werden. Die Bauteams setzten außerdem drei Stellwerke instand. Um die Kommunikationsverbindungen zwischen Weichen und Signalen wiederherzustellen, prüften die Spezialist:innen ca. 55 Kilometer Kabel und tauschten diese zum Großteil aus.

Seit dem 21. Juni fahren zwischen Auw an der Kyll und Kyllburg wieder die Züge. Die DB hat dafür die von der Flut zerstörte Infrastruktur auf rund 20 Kilometern rundum erneuert. Die Stellwerke in Speicher und Philippsheim sind ebenfalls instandgesetzt und steuern die Weichen und Signale auf der Strecke. Fahrgäste können die Stationen Speicher, Philippsheim, Hüttingen, Bitburg-Erdorf und Kyllburg zum Ein- und Ausstieg in die Züge nutzen. Diese fahren täglich ein Mal pro Stunde und Richtung. Durch das verbesserte Angebot entfällt der Ersatzverkehr mit Bussen zwischen Auw an der Kyll und Kyllburg.

Derzeit arbeitet die DB im sich anschließenden Abschnitt bis Gerolstein. Der Wiederaufbau von Gleisen, Schwellen, Weichen und Stellwerkstechnik wird hier – mit Blick auf die derzeitige Materialverfügbarkeit am Markt – einige Monate später als ursprünglich geplant abgeschlossen sein. Insbesondere die für den weiteren Baufortschritt benötigten Kabel können aktuell nicht in den erforderlichen Mengen geliefert werden und waren auch über andere Bauprojekte der DB nicht beschaffbar. Daher geht die DB zum jetzigen Stand von einer Inbetriebnahme der Strecke Kyllburg – Gerolstein im ersten Quartal 2023 aus.

Im letzten Schritt folgt der Streckenabschnitt nach Nettersheim, der von den Wassermassen besonders stark geschädigt wurde. Zwischen Ehrang und Nettersheim bringt die DB allein mehr als 20 von der Flut beschädigte Brücken und Stützbauwerke wieder in Schuss. Knapp 25 Bahnübergänge bedürfen einer umfangreichen Instandsetzung. Zudem muss im Abschnitt Gerolstein–Ehrang die Stellwerkstechnik komplett erneuert und im folgenden Abschnitt Gerolstein bis Nettersheim rundum instand gesetzt werden. Das Gleiche gilt für insgesamt rund 50 Kilometer Gleise und zehn Kilometer Bahndamm.

Die DB plant, den Wiederaufbau der rund 160 Kilometer langen Eifelstrecke bis Ende 2023 vollständig abzuschließen. Parallel laufen die Planungen für die Elektrifizierung gemeinsam mit den Ländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz.

Weitere Informationen unter: www.eifel-strecke.de

Vorher - Nachher - Eifelstrecke

Voreifelbahn

Bereits seit dem 1. Mai rollen die Züge auf dem letzten noch fehlenden Abschnitt der Voreifelbahn zwischen Rheinbach und Euskirchen wieder. Ursprünglich hatte die Deutsche Bahn dies erst im Sommer geplant. Für den Wiederaufbau des ca. ein Kilometer langen Abschnitts haben die Bauteams u. a. den Oberbau erneuert sowie Kabelkanäle gereinigt, instandgesetzt und beschädigte Kabel durch neue ausgetauscht. Der zerstörte Bahnübergang “Orbachstraße” wurde komplett erneuert, am Bahnübergang “Essiger Straße” waren hingegen kleinere Reparaturen und Austauscharbeiten notwendig. Im Bereich der über den Orbach führenden Eisenbahnbrücke wurden zudem Böschung und Absturzsicherung wiederhergestellt. Im nächsten Jahr werden noch kleinere Restarbeiten ausgeführt. Zwischen Bonn und Rheinbach können Reisende bereits seit August 2021 wieder fahren.

Eifelquerbahn

Die stillgelegte Eifelquerbahn durfte Anfang des Jahres mit sehr reduzierter Geschwindigkeit für die Evakuierung der bei der Flut gestrandeten Fahrzeuge genutzt werden. Dies war nach Abstimmung mit dem Eisenbahn-Bundesamt möglich. Für die einmaligen Transporte hat die DB unter anderem die Vegetation an der Strecke zurückgeschnitten und den Oberbau provisorisch hergerichtet. Gleichzeitig untersuchten Spezialist:innen die Gleise und die Brücke über die Kyll eingehend auf ihre Tragfähigkeit.

Zur weiteren Zukunft der Eifelquerbahn hat der Zweckverband Schienenpersonennahverkehr Rheinland-Pfalz Nord angekündigt, eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen. Darin werden die Möglichkeiten zur Reaktivierung der Strecke und zur Bestellung von vertaktetem Nahverkehr untersucht.

Ahrtalbahn

Nach Einschätzung der Planer:innen sollen die Reisenden voraussichtlich Ende 2025 wieder durchgängig von Remagen bis Ahrbrück mit der Bahn fahren können. Erste eingleisige Abschnitte der Ahrtalbahn sind bereits seit Ende letzten Jahres in Betrieb.

Für den von den Wassermassen besonders betroffenen Bereich Walporzheim–Ahrbrück hat die DB im Frühjahr die Planung zur Vergabe der Bauleistungen begonnen. Nach Abschluss der Planung können dann voraussichtlich im ersten Quartal 2023 die Bauarbeiten starten, bevor vsl. Ende 2025 der Wiederaufbau der Ahrtalstrecke in Gänze abgeschlossen sein soll. Die Bauteams ersetzen dabei allein elf Brücken und nahezu alle Stützbauwerke. Außerdem müssen auf rund 14 Kilometern neue Schienen und Schwellen mitsamt Schotter verlegt werden. Hinzu kommt die Instandsetzung von sieben Bahnübergängen und der zerstörten Stellwerke in Dernau und Kreuzberg. Das im Bau befindliche Elektronische Stellwerk Ahrtalbahn, das künftig für einen effizienteren und verlässlicheren Bahnverkehr im Ahrtal sorgt, muss die DB von Grund auf neu konzipieren. Zu guter Letzt müssen auch die sechs betroffenen Stationen erneuert werden.

Um für künftige Extremwetterlagen aufgestellt zu sein, soll die Infrastruktur zudem überall dort, wo es möglich ist, klimaresilienter errichtet werden. Hierzu gehören zum Beispiel schlankere Brückenkonstruktionen ohne Mittelpfeiler in der Ahr oder eine hochwasserfestere Gestaltung von Bahndämmen und Durchlässen. Darüber hinaus plant die DB mit dem Land Rheinland-Pfalz bislang noch nicht mit Oberleitungen ausgestattete Abschnitte beim Wiederaufbau zu elektrifizieren.

Bei den Planungen für den Wiederaufbau von Strecken, Bahnhöfen, Anlagen und Technik steht die Deutsche Bahn weiter im guten und engen Austausch mit Bund, Ländern und Gemeinden.