Die neue Stimme der Bahnhöfe

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Die neue Stimme der Bahnhöfe

Heiko Grauel gibt ab 2020 den Ton an

Künftig hören 20 Millionen Reisende und Bahnhofsbesucher täglich eine neue Stimme am Bahnhof: Profisprecher Heiko Grauel wird für verständliche Durchsagen an den bundesweit 5.700 Bahnhöfen sorgen. Noch im ersten Quartal 2020 geht es im Raum Stuttgart los.

Der 45-jährige Hesse setzte sich gegen hunderte Mitbewerber durch und wurde von DB-Mitarbeitern, Akustik-Experten und Bahnkunden zur neuen Bahnhofsstimme gewählt.

Grauel bringt mehr als 26 Jahre Berufserfahrung mit, hat neben zahlreichen Werbespots auch für TV-Formate wie das aktuelle Sportstudio oder Terra-X gesprochen und u.a. Karl May-Hörbücher aufgenommen.

Die bald wahrscheinlich bekannteste Stimme Deutschlands im Gespräch:

Wie liefen die Aufnahmen für die Bahnhofsansagen ab?

  • Insgesamt 60 Stunden, jeweils vier bis fünf Stunden am Tag, verbrachte ich in einem Frankfurter Tonstudio. Dort habe ich ca. 14.000 unterschiedliche Sätze eingesprochen – teilweise völlig bahn-unspezifisch und eher kurios, zum Beispiel: „In der örtlichen Hip-Hop-Szene ist er ein Nobody.“ Diese Sätze werden von einer neuen Technologie in Laute und Silben getrennt und in einer Datenbank abgelegt. Sie können dann zu beliebigen Worten und Sätzen verbunden werden. Das sorgt für flüssige Ansagen. Ein Sounddesigner hat während der Aufnahme darauf geachtet, dass keine Atemgeräusche oder Schmatzer stören und alle Sätze möglichst gleich klingen. 

Wie haben Sie sich auf die Aufnahmen für die DB vorbereitet?

  • Bevor ich Hörbücher aufnehme, übe ich tatsächlich oft mehrere Tage zuhause und studiere verschiedene Figuren ein. So eine Vorbereitung war für die Bahnansagen nicht nötig. Hier war es vor allem wichtig, dass ich eben nicht abwechslungsreich, sondern immer gleich klinge und im selben Tempo spreche. Das war eine ganz neue Herausforderung. Ich bin gespannt, wie es bei den Reisenden am Bahnhof ankommt und werde in Zukunft bestimmt ab und zu mal am Bahnsteig stehen und zuhören.

Was war Ihre erste Sprecherrolle?

  • Meine erste „Sprecherrolle“ habe ich mir schon früh selbst geschaffen: Damals war ich etwa acht Jahre alt und wollte bei „Die drei ???“ mitmachen. Deshalb benutzte ich den Rekorder meiner Eltern samt integriertem Mikrofon und besprach die ersten Sekunden meiner Kassetten mit dem jeweiligen Titel und Folgennummer des Hörspiels. Zum Beispiel hörte man mich dann am Anfang einer neuen Kassette: „Folge eins. Der Superpapagei“. Mein Ziel war damals, so zu klingen wie ein Nachrichtensprecher. Rund elf Jahre später, nach dem Abitur und einer Sprecherausbildung, habe ich beim Radio erste professionelle Mikrofonerfahrung gesammelt.

Wie fühlt sich das an, bald von 20 Millionen Menschen täglich gehört zu werden?

  • Darauf bin ich selber schon sehr gespannt. Ich vermute mal, ich werde zum Bahnhof fahren, in mich hineingrinsen und denken, mein Gott, das bin ja ich. Es ist ein sehr tolles Gefühl, diesen Job bekommen zu haben. 

Beispiel Türen  WAV | 764,1 KB
Beispiel Servicepersonal  WAV | 393,4 KB


Bessere Reisendeninformation am Bahnhof: Hinter den Kulissen

Daniel Labahn ist Leiter des Projekts „Reisendeninformation der Zukunft“. Der 40-jährige studierte Kaufmann verantwortet seit 2018 die Modernisierung der Reisendeninformation bei DB Station&Service. Im Interview erklärt der gebürtige Berliner, was genau sich für Reisende an den Bahnhöfen verbessert:


Herr Labahn, was verbirgt sich hinter der „Reisendeninformation der Zukunft“?

Bahnhöfe sind nicht nur Zugangstor zum System Bahn, sondern auch Orte, an denen maßgeblich über empfundene Qualität und somit Kundenzufriedenheit entschieden wird. Die Reisendeninformation – auf den Anzeigetafeln und an den Bahnsteigen, an der DB Information und im DB Navigator – spielt hier eine Schlüsselrolle. Inkonsistente oder veraltete Informationen führen schnell zu Frust und haben unangenehme Konsequenzen für unsere Kunden.

Genau hier setzt das Projekt an: Wir arbeiten daran, IT Systeme zu modernisieren, um sicherzustellen, dass unsere Kunden am Bahnhof konsistente, verlässlichere und optimal aufbereitete Informationen erhalten.

Konkret: Was wird sich für Reisende verbessern?

Die verbesserte Reisendeninformation umfasst mehrere Aspekte: Sichtbar am Bahnhof wird sie vor allem durch eine neue Generation von digitalen Anzeigern in unterschiedlichen Formaten und durch neue Inhalte. So sehen unsere Kunden im ersten Schritt zum Beispiel Wagennummerierungen und Qualitätsmerkmale für den nächsten Zug. In den kommenden Jahren werden auch Auslastungen der Züge und spezifische Informationen bei Großstörungen zu sehen sein.

Reisende bemerken außerdem in Kürze Unterschiede bei den Ansagen am Bahnhof: Hier setzen wir eine neue Technologie, die „Text-To-Speech"-Technologie, sowie eine neue Stimme für die Ansagen ein. Die neue Technologie ermöglicht uns wesentlich mehr Flexibilität bei Ansagen am Bahnhof und sorgt dafür, dass diese flüssiger klingen. Auch dadurch wollen wir unseren Kunden besser informieren.

Ab wann wird die neue Reisendeninformation für unsere Gäste an den Bahnhöfen erlebbar sein?

Bereits etwa 70 Bahnhöfe profitieren von der verbesserten Reisendeninformation. Mit dabei sind zum Beispiel Dresden und Leipzig Hauptbahnhof sowie weitere Bahnhöfe in Sachsen und rund um Regensburg und Göttingen. 2020 kommen zahlreiche weitere Bahnhöfe hinzu.  Die neue Stimme der Bahnhöfe wird noch im ersten Quartal 2020 an einem S-Bahnhof in Stuttgart zu hören sein. Standarddurchsagen von unserer neuen Bahnhofsstimme Heiko Grauel sind schon seit November am Wolfsburger Hauptbahnhof und in Stuttgart-Feuerbach zu hören.

Portrait Daniel Labahn