Artikel: Nach Korridorsanierung: DB nimmt Strecke Nürnberg – Regensburg wieder in Betrieb
Die DB InfraGO AG hat die erste Korridorsanierung in Bayern abgeschlossen: Ab morgen, 1. August, fahren zum Betriebsbeginn wieder alle Züge zwischen Nürnberg und Regensburg. Bereits seit Montag fahren die S-Bahnen im Vorlaufbetrieb zwischen Nürnberg und Neumarkt (Oberpfalz), gestern starteten dann die ersten Güterverkehrszüge auf der frisch sanierten Strecke.
Seit Februar haben täglich bis zu 2.000 Mitarbeitende der DB InfraGO und der beteiligten Bauunternehmen die störanfällige und überalterte Infrastruktur auf der rund 88 Kilometer langen Bahnstrecke umfassend erneuert. Hochwertige Ersatzbusse brachten die Fahrgäste in den vergangenen Monaten verlässlich ans Ziel. Im Fern- und Güterverkehr rollten die Züge stabil über Umleiterrouten.
Philipp Nagl, Vorstandsvorsitzender DB InfraGO: „Wir nehmen heute eine umfassend modernisierte Strecke in Betrieb – und wir tun das mit einer Kostenprognose, die um einen dreistelligen Millionenbetrag niedriger ausfällt als ursprünglich erwartet. Das ist eine gute Nachricht. Gleichzeitig bedauern wir ausdrücklich, dass sich die Inbetriebnahme verzögert hat. Gerade bei Zeitplänen müssen wir künftig noch verlässlicher werden. Daran arbeiten wir mit aller Konsequenz. Mein besonderer Dank gilt den vielen Mitarbeitenden und Partnerunternehmen, die dieses enorme Bauprogramm möglich gemacht haben, sowie den Fahrgästen und Anwohnenden für ihre Geduld und ihr Verständnis.“
Ulrich Lange, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr: „Nach 25 Wochen Bauarbeiten ohne regulären Bahnbetrieb freut es mich, dass der Verkehr auf dieser auch für den internationalen Schienengüterverkehr bedeutenden Strecke wieder aufgenommen werden kann. Die auch bei dieser Korridorsanierung aufgetretenen zeitlichen Verzögerungen stellen für die Reisenden und insbesondere die Güterverkehrsunternehmen eine große Belastung dar. Da muss die DB InfraGO AG besser werden. Das Bundesministerium für Verkehr und die DB InfraGO AG sind daher bereits im Austausch, damit solche Probleme bei zukünftigen Korridorsanierungen möglichst nicht mehr auftreten.“
Christian Bernreiter, Bayerischer Staatsminister für Wohnen, Bau und Verkehr: „Die grunderneuerte Bahnstrecke zwischen Nürnberg und Regensburg ist ein wichtiger Schritt für eine leistungsfähigere Schieneninfrastruktur in Bayern. Umso bedauerlicher ist es, dass sich die Wiederinbetriebnahme verzögert hat. Ich hoffe, dass die Deutsche Bahn die gewonnenen Erkenntnisse für die kommenden Korridorsanierungen nutzen wird. Entscheidend ist, dass Fahrgäste und Güterverkehr langfristig von einer modernen und zuverlässigen Infrastruktur profitieren.“
Die Inbetriebnahme der Strecke war für den 10. Juli 2026 geplant. Weil die sicherheitstechnische Überprüfung der neuen Stellwerkstechnik jedoch länger andauerte, konnte der Zugverkehr zunächst nicht wieder aufgenommen werden.
Umfangreiches Bauprogramm
Im Rahmen der Korridorsanierung hat die DB InfraGO in sehr guter Zusammenarbeit mit den Baupartnern Swietelsky, SPITZKE und Hitachi Rail, den Bauüberwachungen Railing sowie der Arbeitsgemeinschaft aus KMS, GBL und DB E&C und vielen weiteren, teils regionalen Unternehmen ein enormes Bauprogramm geschafft. Erneuert bzw. gebaut wurden:
- über 100 Kilometer Gleise
- über 100 Kilometer Oberleitung und 1.300 Oberleitungsmasten
- 74 Weichen
- zwei neue Überleitstellen für mehr Flexibilität im Zugverkehr (eine weitere Überleitstelle wurde baulich vorbereitet)
- 20 Bahnhöfe
- eine Brücke, zwei Durchlässe sowie die Bahndämme in Pölling und Deining wurden mit aufwändigen Spezialverfahren saniert
- Modernisierung der Innenanlage von acht Stellwerken sowie der Signale und des Achszählsystems (ETCS-ready)
Es konnte mehr als die ursprünglich geplante Infrastruktur erneuert werden, da während der Bauphase im Zuge von Prüfungen der Anlagen weitere Sanierungspotenziale erkannt und in den Bauablauf integriert werden konnten.
Die DB InfraGO hat die Kostenprognose für die Korridorsanierung Nürnberg – Regensburg um einen dreistelligen Millionenbetrag abgesenkt. Die Sanierung wird also nach aktuellem Stand günstiger als ursprünglich geplant. Die finalen Kosten stehen erst fest, wenn alle Abrechnungen und Nachforderungen abgeschlossen sind.
Die 20 Stationen entlang der Strecke Nürnberg – Regensburg hat die DB InfraGO modernisiert und aufgewertet. Je nach Zustand des Bahnhofs wurden verschiedene Maßnahmen umgesetzt, um die Stationen und das Bahnhofsumfeld attraktiver zu gestalten. Dazu gehören unter anderem neue Bahnsteige, moderne Fahrgastinformationssysteme, Wetterschutzanlagen, neue Aufzüge, Personenunterführungen, Zugänge und energiesparende Beleuchtung.
Positive Bilanz zum Verkehrskonzept
Zum Abschluss der Bauarbeiten zieht die DB auch eine positive Bilanz zum Verkehrskonzept. Züge des Fern- und Güterverkehrs verkehrten in den vergangenen fünf Monaten weitgehend stabil auf den Umleitungsstrecken.
Auch Unternehmen mit Gleisanschluss im Bereich der Korridorsanierung konnten zuverlässig angefahren werden. Seit Beginn der Korridorsanierung wurden trotz Streckensperrung rund 400 Bedienfahrten für Unternehmen mit Gleisanschluss durchgeführt. Für einen reibungslosen Bauablauf übernahmen viele lokale Unternehmen aus der Region die Materialversorgung, auch die Anlieferung der neuen Schwellen erfolgte direkt aus dem Baufeld.
Im Regionalverkehr hat die DB InfraGO in Zusammenarbeit mit der Bayerischen Eisenbahngesellschaft, den Eisenbahnverkehrsunternehmen agilis, DB Regio Bayern und den Busfirmen deu.mobil und go.on einen umfangreichen Ersatzverkehr mit über 90 modernen Bussen auf die Straße gebracht. Seit Februar haben sie Fahrgäste größtenteils pünktlich und zuverlässig an ihr Ziel gebracht. Die Pünktlichkeitsquote der Ersatzbusse lag bei rund 96 Prozent.
Nachgelagerte Restarbeiten und nächste Korridorsanierungen
Auf dem Streckenabschnitt Nürnberg – Regensburg finden nun noch geplante nachgelagerte Restarbeiten statt, wie etwa der Abbau der Baustelleneinrichtungsflächen, Randwegsarbeiten und der Abriss von Gebäuden. In Neumarkt wird die Außenfassade des Bahnhofsgebäudes saniert, das Bahnhofsgebäude bleibt weiterhin geöffnet. Am Haltepunkt Deining wird 2027 eine barrierefreie Zuwegung zum Bahnsteig 2 errichtet. Ebenso wird an einigen Stationen das Bahnhofsumfeld in enger Abstimmung mit den Kommunen neugestaltet. Die genannten Arbeiten haben keinen Einfluss auf den Zugbetrieb. Um den guten Zustand der Strecke zu erhalten, sind ebenso weiterhin Instandhaltungsmaßnahmen erforderlich. Diese werden in kurzen, zumeist nächtlichen Sperrpausen umgesetzt.
Zusätzlich ist der Bau von drei Überholgleisen in Planung, unter anderem in Parsberg. Sie erhöhen die Kapazität auf der Strecke, weil sie schnellen Zügen ermöglichen, langsamere Züge zu überholen. Sie werden nachgelagert an die Korridorsanierung umgesetzt, da Planfeststellungsverfahren nötig sind. Außerdem werden für die geplante Umstellung auf das Europäische Zugbeeinflussungssystem ETCS bis 2030 noch weitere vorbereitende Arbeiten an der Leit- und Sicherungstechnik stattfinden. Ziel ist, die Arbeiten so umzusetzen, dass der Zugverkehr möglichst wenig beeinträchtigt wird.
Die Sanierung der Strecke Nürnberg – Regensburg ist die erste von sieben Korridorsanierungen in Bayern. Die Strecke ist mit täglich mehr als 350 Zügen eine der meistbefahrenen Bahnstrecken des Freistaats, Teil der europäischen Verkehrsachse Rhein-Donau und ein wichtiger Baustein für den grenzüberschreitenden Verkehr Richtung Österreich. Seit dem 14. Juni wird auch die Strecke Obertraubling – Passau umfassend modernisiert und erneuert.
Die DB InfraGO bündelt in den kommenden Jahren im Rahmen von Korridorsanierungen das Baugeschehen auf über 40 hochbelasteten Strecken im deutschen Schienennetz, um die Infrastruktur und damit die Pünktlichkeit der Züge deutlich zu verbessern.
Hinweis für Redaktionen:
Bildmaterial und Eindrücke von der modernisierten Strecke und den Bauarbeiten finden Sie in der DB-Mediathek.
Aktuelle Informationen zu den Korridorsanierungen in Bayern finden Interessierte auf der Projektseite der Deutschen Bahn unter Sieben Strecken für die Mobilitätswende - Korridorsanierung Bayern