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Deutsche Bahn macht sich bereit für die kalte Jahreszeit

Organisatorische, technische und personelle Vorbereitungen getroffen - Zehntausende Mitarbeiter des Konzerns und beauftragter Firmen sind in Bereitschaft - Schneeräumtechnik nach umfassendem Check fit für den Einsatz - 70 Millionen Euro stehen für Winterdienst zur Verfügung

Die Deutsche Bahn hat sich auch in diesem Jahr personell, technisch und organisatorisch auf die kalte Jahreszeit vorbereitet – und das schon lange bevor die ersten Schneeflocken auf Gleise, Züge und Bahnhöfe fallen. Damit der Bahnverkehr in den Wintermonaten möglichst reibungslos rollen kann, fanden seit den Sommermonaten Schulungen statt und Bereitschaften wurden festgelegt. Zudem hat die DB Verträge mit Räumfirmen in den Regionen geschlossen und Streugut beschafft. Auch Fahrzeuge und Weichenheizungen wurden frühzeitig auf Herz und Nieren geprüft, damit diese bei frostigen Temperaturen einsatzbereit sind. Zehntausende Mitarbeiter des DB-Konzerns sowie beauftragter Firmen werden während der Wintermonate in Einsatzbereitschaft sein, um vor allem Bahnsteige, Weichen und Bahnübergänge nach Schneefall und Eisbildung schnell wieder in Betrieb nehmen zu können. Als offenes System mit einem rund 33.500 Kilometer langen Streckennetz, über 5.600 Bahnhöfen und täglich 40.000 Zugfahrten ist die DB allerdings nicht immer vor extremen Witterungsverhältnissen gefeit. Hier hat es oberste Priorität, die Reisenden im Störungsfall aktuell zu informieren. So werden die Kunden neben Durchsagen unter anderem über die mehr als 6.000 dynamischen Schriftanzeiger auf den Bahnhöfen erreicht, falls es zu Abweichungen vom Fahrplan kommt.

Weichenheizungen, Schneeräumkräfte und Spezialfahrzeuge halten
Fahrweg frei von Eis und Schnee


Im Winter besonders empfindlich sind die rund 70.000 Weichen. An betriebswichtigen und sensiblen Stellen des Netzes sind daher etwa 12.000 Weichen – ca. 1.200 mehr als im vergangenen Jahr – mit einer Antriebsabdeckung ausgestattet. Diese schützt vor Schneeverwehungen und von Zügen herabfallenden Eisbrocken. Um das Einfrieren der beweglichen Weichenteile zu verhindern, verfügen rund 49.000 Weichen zudem über Heizeinrichtungen. In Bahnhöfen und auf freier Strecke bleiben wichtige Weichenverbindungen so befahrbar.

Durch extremen Frost oder starke Schneeverwehungen kann die Funktionsfähigkeit der Weichenheizungen mitunter eingeschränkt sein. In diesem Fall übernehmen knapp 18.000 Räum- und Sicherungskräfte das Reinigen der Gleise und Weichen per Hand. Neben Bahnmitarbeitern sind dies auch Personale regionaler Firmen. Da diese Schneeräumkräfte in der Regel mit Kraftfahrzeugen zum Einsatz fahren, können sie allerdings nur so schnell vor Ort sein, wie es die Straßenverhältnisse zulassen. Wenn Schaufel und Besen nicht mehr ausreichen – konkret bei Schneehöhen von über vierzig Zentimetern, Schneeverwehungen und starkem SchneefalI – stehen 70 bahneigene Räumfahrzeuge zum Einsatz bereit. Die Schneepflüge und -schleudern sowie Instandhaltungsfahrzeuge mit Schneeräumtechnik sind bedarfsorientiert an strategisch wichtigen Punkten im gesamten Bundesgebiet stationiert.

Bei geringen Schneeverwehungen oder verkehrsschwachen Strecken setzt die Bahn auf so genannte Spurloks. Das sind etwa schwere Diesellokomotiven, die über verschneite Gleise fahren und dabei eine Spur durch den Schnee ziehen.
Nachfolgende Züge, insbesondere leichte  Nahverkehrstriebwagen, können die so beräumten Strecken anschließend ungehindert befahren. Dabei spielt es keine Rolle, ob Wettbewerber oder DB-Züge die Strecken nutzen.

Da es erfahrungsgemäß eher selten ist, dass das gesamte Bundesgebiet gleichzeitig unter einer hohen Schneedecke versinkt, können die gerade nicht benötigten Fahrzeuge flexibel an andere umliegende Standorte verlegt werden.
Disponiert wird der überregionale Einsatz der Räumtechnik von den sieben Betriebszentralen in Berlin, Duisburg, Frankfurt am Main, Hannover, Karlsruhe, Leipzig und München.
Ein im Bedarfsfall eingerichtetes Lagezentrum koordiniert unter Einbezug der Netzleitzentrale in Frankfurt am Main alle eigenen Winterdienstkräfte, die Fremdfirmen sowie den Technikeinsatz.
Entlang des Streckennetzes werden bzw. wurden vor dem ersten Schneefall Äste und Bäume beschnitten, von denen sicher anzunehmen ist, dass sie unter Schneelast auf Oberleitungen und Schienen fallen. Insgesamt stehen für den Winterdienst im Schienennetz rund 40 Millionen Euro zur Verfügung.

Bahnsteige auf den Bahnhöfen werden gestreut und geräumt

Über 5.600 Bahnhöfe mit insgesamt mehr als sechs Millionen Quadratmetern müssen auch in der kalten Jahreszeit für die Kunden zugänglich sein. Dafür gibt die Deutsche Bahn pro Winterperiode durchschnittlich ca. 30 Millionen Euro aus. Dennoch können extreme Witterungsverhältnisse eine erhebliche Herausforderung für den Winterdienst in den Bahnhöfen darstellen.

Als Betreiberin von Bahnhöfen ist die DB Station&Service AG für den Winterdienst zuständig und übernimmt, unterstützt durch die DB Services GmbH, die Koordination von Räum- und Streueinsätzen. Regional unterschiedliche Witterungsverhältnisse erfordern dabei eine präzise Planung.
Eine professionelle Winterdienstdatenbank unterstützt die Einsatzplanung vor Ort unter anderem mit geologischen Daten und Live-Auswertungen.
Durch eine ständige Bereitschaft ist in Zusammenarbeit mit den 3-S-Zentralen für Service, Sicherheit und Sauberkeit ein flächendeckender Einsatz von Mitarbeitern der DB Services und regionalen Subunternehmern gewährleistet. Von Kehrmaschinen bis Schneeräumfahrzeugen kommen auf größeren Bahnhöfen verschiedene Arten von Maschinen zum Einsatz.

Im Zuge der Wintervorbereitungen werden Mitarbeiter geschult, die technischen Geräte vorbereitet und geprüft sowie Streugut und Ausstattung bereitgestellt. Zudem werden Einsatzprioritäten festgelegt, sodass innerhalb der Bahnhöfe wichtige Flächen wie Bahnsteige und deren Zugänge zuerst geräumt und gestreut werden. In Winterübungen wird unter anderem die Einsatzbereitschaft der internen und externen Mitarbeiter überprüft, damit der Arbeitsablauf auch bei extremem Schneefall möglichst reibungslos funktioniert. Die Schneeräumung auf Bahnsteigen wird per App sowie NFC-Tag überwacht.
NFC bedeutet „Near Field Communication“ (Nahfeldkommunikation), die man vom kontaktlosen Bezahlen kennt. Die NFT-Tag ist eine Kontrollplakette, an der sich die Winterdienstmitarbeiter an- und abmelden und damit über Beginn und Ende der Räumung informieren. In der Winterdienstdatenbank kann jederzeit der Status überprüft und im Bedarfsfall kurzfristig nachgesteuert werden. Rund 3.000 freiwillige Mitarbeiter unterstützen den Winterdienst zudem als Winterpaten für einen Bahnhof: Auf dem Weg zur oder von der Arbeit prüfen sie am jeweiligen Bahnhof, ob der Winterdienst erledigt ist. Falls nicht, informiert der Mitarbeiter die 3-S-Zentrale. In der letzten Wintersaison waren ebenfalls rund 3.000 Mitarbeiter als Winterpaten aktiv.

Fahrzeuge im Personenverkehr werden vorgeheizt und vor der
Instandhaltung abgetaut

Regional- und Fernverkehrszügen machen harte Winterbedingungen auch manchmal zu schaffen. Entladene Fahrzeugbatterien, Eis- und Schneeansammlungen unter dem Zug oder eingefrorene Trittstufen bei Triebfahrzeugen, Lokomotiven und Reisezugwagen sind nur einige Beispiele.
Vor Einbruch der kalten Jahreszeit werden die Fahrzeuge deshalb in den Werkstätten einer besonderen Kontrolle unterzogen und winterfest gemacht. In regelmäßigen Abständen werden verschiedene technische Maßnahmen durchgeführt, um sicher zu stellen, dass die Fahrzeugkomponenten nicht einfrieren oder vereisen.

Triebfahrzeuge werden während der Frostperiode elektrisch vorgeheizt. Dafür gibt es in den Abstellanlagen so genannte Elektranten, mit denen zum Beispiel die stationäre Energieversorgung für IC-Züge ermöglicht wird.
Dies vermeidet das Entladen der Batterien, verhindert das Einfrieren der Dieselmotoren und schont die Umwelt, da die Motoren nicht stundenlang im Warmhaltebetrieb laufen müssen. Auf die gleiche Weise werden abgestellte Personenzüge
während der Betriebsruhe vorgeheizt, um ebenfalls Batterien zu schonen und Fahrgasträume zur Betriebsaufnahme vorzuheizen. 

Außerdem werden Stromabnehmer regelmäßig hoch und runter gefahren, damit sie nicht festfrieren. Bei Loks wird durch „Frostwachen“ regelmäßig überprüft, ob der Stromabnehmer noch oben ist. Tiebzüge mit eigener Diagnose melden dies selbstständig. Die Bremsen des Fahrzeugs werden ebenfalls für einen kurzen Moment gelöst und dann wieder angezogen, sodass diese nicht einfrieren und beschädigt werden können.

Um Fahrzeuge auch im Winter betreiben und instand halten zu können, müssen diese regelmäßig von Schnee und Eis befreit werden. Bei DB Regio gibt es dafür in Reinigungsanlagen, Werkhallen und über 60 Anlagen, die mit Warmwasser oder warmer Luft Fahrzeuge auftauen.
Für den Fernverkehr stehen weitere sieben Anlagen bereit. Ergänzend wurde im ICE-Werk Frankfurt am Main bereits 2014 eine Glykol-Behandlungsanlage installiert, um die Anhaftung von Eis und Schnee am Fahrzeug zu minimieren.

Bei Fernverkehrszügen wird der Vereisungsgrad im Zulauf auf die Werkstätten begutachtet und vorgemeldet. DB Regio hat zusätzliche Rückfallkonzepte für die Instandhaltung entwickelt. Dazu gehört, dass Werkstätten an schweren Wintertagen länger geöffnet sind und Schichten flexibel und kurzfristig umgeplant werden. Zudem wacht Personal in der Abstellung und in den
Werkstätten über den Zustand der Fahrzeuge bei Frost.

DB Cargo macht Lokomotiven winterfest

Bei DB Cargo werden alle Loks, die älter als zwanzig Jahre sind, von September bis November winterfest gemacht. Dies betrifft rund 130 Loks der Baureihen 151 und 155. Vorgenommen werden Inspektions- und Wartungsarbeiten wie das Abfetten der Stromabnehmer, die Prüfung der Sandstreuanlage auf Dichtheit und Zustandsprüfung der Fahrzeugbatterie, das Auffüllen der Scheibenwaschanlage mit Wasser und Frostschutzmittel, die Entwässerung der Druckluftanlage sowie Funktionsprüfung der Scheibenheizung.

Call a Bike auch in den Wintermonaten verfügbar

Das Fahrradverleihangebot der Deutschen Bahn „Call a Bike“ mit seinen angeschlossenen Systemen RegioRadStuttgart, LIDL-BIKE in Berlin, StadtRAD Hamburg, StadtRAD Lüneburg und FordPass Bike in Köln und Düsseldorf ist das ganze Jahr über verfügbar. Eine generelle Winterpause gibt es nicht. Während der kalten Jahreszeit und der damit verbundenen etwas geringeren Nutzung der Räder werden die bundesweit rund 15.000 Räder Stück für Stück in sechs Werkstädten fit für die neue Fahrradsaison gemacht. Rund 90
Mitarbeiter stellen die Verkehrssicherheit der Räder sicher, reinigen sie gründlich und erneuern Verschleißteile.
 


Stand: Oktober 2018